Gedanke: Was ein moderner Gemeinschaftsdienst für eine Gemeinschaft bringen kann …

Warum das Ende von Wehr- und Zivildienst nicht nur hinsichtlich der Nachwuchsfrage für Bundeswehr und Sozial- und Pflegedienste verheerend ist; warum ein Gemeinschaftsdienst für ein Miteinander von Geschlechtern (m/w/div.), für ein Aufeinanderzukommen unterschiedlichster Menschen und Milieus, damit auch für die Inklusion von Menschen mit Behinderung sowie für die nachschulische Selbstfindung und damit das Verringern der Zahl ihr Studium Abbrechender wichtig sein kann.

Keine Frage, Spaß war es nicht — vor allem in den ersten Wochen. Da wäre man gerne abgehauen, bereute, sich doch nicht an einen Arzt des Vertrauens gewandt zu haben, um dem Ganzen mit irgendwelchen Attesten zu entkommen. Allerdings ist man auch — positiv gesehen — etwas „rumgekommen“. Die Meisten damals sicherlich nicht auf dem Niveau eines Backpackers, nicht durch die halbe Welt reisend. Schon gar nicht wurde das dazugehörige Urlaubsfeeling erfahren. Aber immerhin innerhalb Deutschlands waren ein bis zwei Stationen fern der ehemalige Schule, des Elternhauses und der Heimatstadt möglich. In meinem Fall waren es sogar diverse Metropolen Europas, sogar Haifa in Israel — im Zuge von drei Monaten und 6800 Seemeilen an Bord des Segelschulschiffs „Gorch Fock“. Wenn auch diese Reise meist von Arbeit geprägt war — bis auf die wenigen Stunden „freien“ Landgangs. Ich war also ein „Bundi“.
Und ja, ich würde es im Bezug auf die Arbeit selbst nicht noch einmal machen wollen, bereue es aber auch nicht. Ich habe nicht nur einiges/einige Orte, wie gesagt, gesehen, sondern Menschen aus ganz Deutschland (und weit darüber hinaus) kennen gelernt — Menschen aus differenten Milieus, die ich wohl nie getroffen hätte. Die traurige Wahrheit ist doch, wenn Sie ehrlich sind, ob gewollt oder nicht, es gibt schon so etwas wie Milieugrenzen. Abiturienten und damit häufig später Studierende umgeben sich mehr oder minder bewusst mit Menschen ähnlichen Hintergrunds — das gilt für andere Gruppen natürlich genauso. Und dennoch, seit mehr als 14 Jahre haben sich einige Kontakte aus jener Zeit bei der Deutschen Marine erhalten und werden weiterhin gepflegt …
Hinzu kommt, während dieser Zeit habe ich ernsthaft überlegt, bei der Bundeswehr zu bleiben. Klar, die Grundausbildung, das Geschrei/die strikten Befehle (übrigens auch von Frauen, die als Unteroffiziere und Offiziere bereits damals in der Marine nicht selten waren), die bisweilen seltsamen und antiquierten Rituale (Gruß, Musterung, Wecken — „Reise, Reise, Aufstehen!“) wirkten abschreckend. All diese Faktoren hätten — wäre der Dienst freiwillig gewesen — womöglich bei vielen, mich nicht ausgenommen, zum Abbruch des Ganzen geführt. Aber so funktionierte es bekanntlich nicht: Wer es versuchte, den brachten die Feldjäger zurück.
Aber ohnehin und siehe da: Nach einiger Zeit gewöhnte man sich plötzlich an diesen bestimmten Kosmos und seine Eigenarten, ein wenig so wie man sich (bzw. ich später an Bord) an die Seekrankheit gewöhnt. Das klingt krass? Keinesfalls, denn mal ehrlich, ist es nicht überall so: In dieser Abteilung macht man folgendes, in der anderen eben anderes. Dort hält man sich ein Plastiktierchen für eine Instra-Story, die anderen gehen einmal im Monat zum Italiener. Dort wird sich geduzt, da partout nicht usw. Insofern kann hier auch die denkbare Kritik zurückgewiesen werden, man habe mich und die anderen gebrochen. Es war schlicht so, dass man erkannte, der raue Umgangston hat einfach eine gewisse Ritualität, gar Effizienz, die nichts Böses will. Andererseits — trotz Hierarchie und Ränge — wurde durchaus respektvoll miteinander umgegangen, Verantwortung für andere gepflegt und erwartet. So war es zumindest meiner Erfahrung nach.
Insofern und darüber hinaus mit steuerfreiem Einkommen und bezahltem Studium ist die Bundeswehr damals (für mich) wie heute ein mehr als attraktiver Arbeitgeber (gewesen) — wenn da nur nicht das mangelnde Angebot an Studiengängen gewesen wäre. Im heutigen und damals bereits voll im Gange befindlichen Informationszeitalter fehlt es an nicht zuletzt für die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr selbst notwendigen — und wohl auch die zahlreichen Berater unserer Gegenwart überflüssig machenden —Studienrichtungen: z. B. Kommunikation und Medien — sehen Sie sich mal den Internetauftritt der Streitkräfte, die Werbevideos zur Gewinnung etwaigen Nachwuchses an oder analysieren Sie das Gebaren bezüglich der Informationspolitik zum während einer Übung entstanden Moorbrand 2018. Insofern wurde es nichts mit mir und der Bundeswehr. Dennoch, der Verweis auf Kommunikation zeigt es, während des Wehrdienstes wurde mir immer klarer, in welche Richtung es später gehen sollte — und das später tatsächlich (nach Pflichtpraktika im Vorfeld und Aufnahmeprüfung) realisierte dementsprechende Studium hat dann auch ohne überdurchschnittliche Abbruchgedanken erfolgreich geklappt!

Nach dieser persönlichen Betrachtung folgt nun als Listung — aus dem oben Genannten herausgearbeitet sozusagen — inwiefern ich glaube, dass ein Gemeinschaftsdienst gesamtgesellschaftlich einen Mehrwert zu generieren vermag. Folgende Aspekte soll diesbezüglich behandelt werden:

Insgesamt lässt sich voranstellen: Eine Gesellschaft, die naturgemäß im Informationszeitalter fragmentiert ist — mehr Meinungen werden verbreitet, differente Gruppen können kommunizieren, definieren sich, grenzen sich bisweilen ab, was im Übrigen weder gut noch schlecht sein muss, eher als graustufig oder ambivalent beschrieben werden sollte —, könnte im Zuge eines solchen Dienstes eine milieuübergreifende soziale Schnittstelle erhalten.
Warum eigentlich „Gemeinschaftsdienst“? Ob das Ganze nun so heißen muss, sich etwas Besseres findet — nageln Sie mich bitte nicht darauf fest. Die primäre Idee hinter dem Begriff respektive diesem Konzept ist aber, dass er/es ohne den bürokratischen (und damit kostenintensiven) Verweigerungsprozess auskommen sollte. Schon damals musste man nur googeln und fand einen mehr oder weniger gelungenen Vordruck, um etwaige Gewissensgründe anzugeben, sodass sich wahrscheinlich — nach einer behördlichen Prüfung — der Wehrdienst erübrigt hatte. Der Gemeinschaftsdienst nun will keine Wertung zwischen Wehr- und Zivildienst vornehmen, begreift beides als gleichwertige Alternativen und versteht beide Bereiche als frei wählbare Optionen.
„Gemeinschaftsdienst“ ist auch deswegen ein vorläufig sinnvoller Begriff, weil er alle Geschlechter und soweit möglich alles Behinderungs- bzw. Einschränkungsgrade, alle ethnischen, sozialen Hintergründe und Religionen etc., kurz alle Menschen umfasst. Denn damals war die sogenannte Wehrungerechtigkeit sehr ausgeprägt und sorgte für Diskussionen: Von den nur von der Musterung betroffenen Männern meines Jahrgangs wurde z. B. mehr als die Hälfte ausgemustert, also schlechter als „T2“ eingestuft — darunter zahlreiche Sportskanonen oder jene, die kurzzeitig eine Zahnspange trugen, gar jene, die sich gerne einem der Dienste zuwenden wollten … Wohl auch deshalb und nun mit noch größerem Abstand zu den „Zeiten einer Wehrpflicht“ fällt der einst geleistete Dienst mehr und mehr unter den Tisch: Krankenkassen vergessen regelmäßig, die geleistete Zeit einzuberechnen, jüngere Leute fragen sich und Sie, warum Sie (als Wehr- oder Zivildienstleistender, aber ohne daran zu denken) quasi Monate bis zu einem Jahr hinter Altersgenossen herhinken … Und damit kommen wird gleich zum ersten Punkt:

Gleichberechtigung — m/w/div.

Alle Geschlechter — kurz alle Menschen zw. 17–21 — sollten ausnahmslos am besagten Dienst teilnehmen müssen. Denn Familienplanung wird heute richtigerweise so verstanden, dass alle am Kind Beteiligten verantwortlich sind und für die Erziehung Zeit opfern müssen und sich, gesetzlich geregelt, selbige auch nehmen können. Insofern sollte auch das Argument, Frauen auf Grund einer eventuellen Schwangerschaft vorauseilend von diesem Dienst auszunehmen oder nur einen Dienst für Männer zu initiieren, fallen gelassen werden. Zudem ist das Kinderkriegen weder Pflicht noch Gewissheit. Zudem werden im Zuge der Gleichberechtigung auch die Probleme immer geschlechtsübergreifender. D. h. nicht, dass sie durch Gleichberechtigung erst entstanden sind, sondern früher einfach „unter den Tisch gekehrt“ bzw. unterdrückt wurde — etwa Gewalt oder Alkoholexzesse einiger aller Geschlechter.
Insgesamt werden Ungleichheiten also erst einmal durch den umfassenden Einbezug aller und damit auch nicht nur aller Geschlechter vermieden. Dann und das ist hier entscheidend: Im Zug des Dienstes sollen junge Leute im Alter von 17—21 etc. (je nach Schulende) mit anderen (Geschlechtern, Altersgruppen, sonstigen Hintergründen etc.) in Kontakt kommen. Natürlich sind derartige Erlebnisse auch schon je nach Schule und Region sowie weiterer Umstände (Elternhaus, Aktivitäten, Erlebnissen etc.) längst erfahren worden und sollten es auch sein — Schüler sind nicht isoliert bzw. von der Welt abgeschnitten, zudem gibt es beispielweise immer mehr inklusive Schulformen. Aber die auch in höheren Klassen und damit bei erwachsenen Schülern oft unverbindlichen Charakterzüge des Schulischen (eben weil es noch kein Berufsalltag ist und sein soll) würden hier auf ein neues Level gebracht bzw. eine adäquate Steigerung erfahren: Abseits vom ersten Arbeiten im Team rund um (maximal eventuell zugeloste) schulische Referatspartner müssten die jungen Erwachsenen — etwaigen Vorbehalte anderen gegenüber zum Trotz — miteinander beruflich auskommen, gemeinsam etwas leisten — sei es in der Kompanie oder im Pflegteam. Menschen, die Vorurteile haben, wären also bisweilen gezwungen, sich beruflich und damit in einer gewissen (sozialen) Professionalität unter anderem mit anderen Geschlechtern, mit Menschen, die sich nicht in „klassische“ Geschlechtsschubladen drängen wollen, auseinander zu setzen.
Das klingt nach Zurschaustellung? Das ist aber keinesfalls gemeint und würde auch nicht praktiziert werden: Es geht hier ja gerade darum, (Geschlechter-)Rollenverständnisse, etwaigen aus der Distanz (ohne jemand „der so ist“ überhaupt zu kennen) heraus gepflegten Klischees usw. nicht Folge zu leisten. Das soll dadurch erreicht werden, indem das je nach Perspektive Andere mindestens im Rahmen des Dienstes — in einem positiven Sinne — keine Rolle spielt und „nur“ menschlich ist. In diesem Zusammenhang zeigt sich das Potential, wie ein Außenfaktor, eine Aufgabe, ein Problem (und sei es nur der ruppige Ausbilder) Menschen — quasi über einen Umweg — zusammenbringt und letztlich den Abbau von Vorurteile begünstigen kann! Da wird dann bisweilen auch ganz schnell sichtbar, wie wenig Unterschiede es zwischen Geschlechtern, differenten Hintergründen etc. wirklich gibt. Damit ist dann eben keine Gleichmachung gemeint — nochmal: Wenn beispielsweise ein Befehl oder eine Arbeitsanweisung ausgegeben wird, ist all das, was sonst doch so fremd scheint, nämlich recht (positiv!) egal, denn nur gemeinsam ist das Problem anzugehen! Und so könnte in einer zweiten Phase quasi verinnerlicht werden, dass die Andersheit der „Anderen“ doch gar nicht so ausgeprägt ist oder Vielfältigkeit sogar ein Vorteil ist …
Zwang zur Zusammenarbeit ist immer so eine Sache, klar — aber bezüglich des Dienstes geht es ja nicht um ein Engagement für die Ewigkeit, auch sind keine übermäßigen Gefahren für Leib und Leben (durch die Arbeit) zu erwarten. Zudem ist die Notwendigkeit, mit anderen zusammen zu arbeiten und zu leben, ganz alltäglich, demokratisch — und sei es nur, dass ein jeder sich daran erinnert, selbst nicht beleidigt oder angefeindet werden zu wollen, so sollte er/sie/div. dementsprechend nicht anderen gegenüber agieren. Natürlich muss bezüglich „Zurschaustellung“ realistisch geblieben werden: Diskussionen der Teilnehmer werden stattfinden oder vielleicht auch nicht … Auch das ist demokratisch, es kommt aber auf eine Streitkultur mit Grenzen an: Diesbezüglich sollten mit Dienstbeginn, am ersten Tag, Spielregeln nicht nur hinsichtlich der konkreten Tätigkeit vermittelt werden. Vielmehr sollten Grundparameter des Erwarteten und damit mindestens Toleranz beinhaltenden Umgangs untereinander vermittelt werden. Nach einer solchen Einführung sollten auf die Theorie sogleich Taten folgen: „Ihr seit Pflegekräfte, es spielt keine Rolle, welches Geschlecht Ihr habe, es zählt, was Ihr könnt und macht und mindestens Eure Einstellung!“
Als Einstreuung wäre es diesbezüglich auch sinnhaft, — denn ich höre die Frage schon kommen —, geschlechtsspezifische Toilette abzuschaffen. Zuhause, in kleinen Betrieben geht es auch ohne. Zudem mutet es schon bizarr an, einerseits von Emanzipation diverser Menschen zu sprechen, anderseits jenen, die sich nicht für ein Geschlecht, eine Schublade entscheiden wollen/es nicht können, ein Geschlecht beim Toilettengang aufzuwiegen. Nicht zuletzt würden so auch erhebliche Investitionen im Sanitärbereich erspart …

„Erwachsenwerden“

Auch ein Beitrag zum „Erwachsenwerden“ könnte durch solch einen Dienst geleistet werden — ein deftig wirkendes, aber eingängiges Beispiel mag dies illustrieren: In den ersten Tagen beim Bund hieß es damals, man mache Männer aus uns … Damit wurde nichts Anrüchiges gemeint, sondern schlicht gesagt, dass der Auffassung der Ausbilder nach viele ehemalige Schüler bisweilen/in Teilen noch recht unselbstständig, etwa verhätschelt wären. Womit übrigens nicht gemeint war oder hier ist, die jungen Leute seien „schwach“, „dumm“, „verweichlicht“ oder gänzlich „unreif“ — daher auch das Erwachsenwerden in Anführungszeichen: Erwachsensein ist ohnehin schwer zu definieren. Auf Menschen mit 17–21 bezogen: Sie sind einfach jung und das ist gut so! Das zu gehören sicherlich auch Fehltritte, weniger freiwillig sind manche Jugendliche auf Grund div. Umstände an den Rand der Gesellschaft gedrängt, mussten sich um Dinge kümmern, die sie als Heranwachsende nicht hätten machen müssen/sollen und konnte dafür andere Skills nicht ausbilden. So gehörte in das „Bundeswehr-Mannwerden“ eben auch — ja, Sie lesen richtig — Kleidungspflege (Nähe, Bügeln), Pünktlichkeit und vor allem höfliche und respektvolle Umgangsformen sowie professionelles Teamplay (≈ man muss sich nicht lieben, um zusammen zu arbeiten) zu vermitteln. Das alles war für viele — nochmals ohne hier die damalige oder heutige Jugend abwerten zu wollen, aber doch darauf verweisend, dass nicht alles, was im Leben bisweilen wichtig ist, in Schule und Elternhaus, gar in Ausbildung und Studium zu vermittelt ist — Neuland! Ähnlich würde auch der Gemeinschaftsdienst also — das Beschriebene ließe sich auf alle Geschlechter, diverse menschliche Unterschiede übertragen — ein universelles Wissen, quasi alltägliche Fähigkeiten festigen, vermitteln oder zumindest anregen, sodass ein demokratisches und buntes Miteinander begünstigt werden kann …

Orientierung

Dieses institutionalisierte Zwischenjahr, zwischen Schule und Ausbildung, Studium oder beruflichen Alltag, würde — eben durch eine neue Perspektive im Rahmen des hier vorgestellten Dienstes — eine Gelegenheit sein, neue soziale Eindrücke zu sammeln, ggf. neue Orte kennen zu lernen. Ein solcher Dienst ist in Teilen vielleicht auch eine Gelegenheit, zu sich selbst zu finden, um — soweit das doch überhaupt je möglich ist — zu erfahren, wer man ist oder sein will. Zumindest hinsichtlich einer potentiellen Berufswahl, glaube ich, kann diese „aufgezwungene“ Bedenkzeit als unterstützende Maßnahme zur Selbstorientierung gewertet werden. In der Konsequenz könnte womöglich die Zahl derer, die eine Ausbildung oder ein Studium abbrechen, reduziert werden.
Die damals übersichtliche und womöglich heute (bei Einführung eines Gemeinschaftsdienstes) nicht wesentlich höhere Bezahlung in Wehr- und Zivildienst war bzw. könnte überdies eine Möglichkeit sein, eine erste finanzielle Selbständigkeit zu erfahren. Gerade die „freie“ (eben vom Lohn abgezogene, aber doch niedrig berechnete) Kost und Logis beim Bund erlaubte zumindest damals, etwas Sold zu sparen. Womöglich, angesichts wachsender Lebenserwartung und damit noch genügender Lebenszeit für die Berufswelt, könnte auch noch nach dem einjährigen Gemeinschaftsdienst die Welt bereist werden — finanziert durch diesen Dienst, das damit Ersparte.

Miteinander

An dieser Stelle ließe sich gleich an den vorhergehenden Punkt anschließen. Diese durch den Dienst erreichte, ggf. für viele Menschen erste Selbständigkeit hinsichtlich eines, wenn auch überschaubaren Einkommens, könnte einen sozialen Effekt haben. Auch jene, die nicht von Zuhause gesponsert werden können oder während des Studiums ins Ausland wollen/können (weil sie vielleicht gar nicht beabsichtigen zu studieren), sowie jene, die kein Work-and-Travel-Visum erhalten, erhielten die Gelegenheit, kleinere Reisen zu finanzieren.
Aber es muss gar nicht unbedingt in die Ferne geschaut, das Ende des Dienstes abgewartet werden. Denkbar wäre auch eine gewisses „Umsehen“ im Rahmen des Dienstes selbst, nämlich in Form einer Dienststelle in Deutschland abseits der (schulischen) Heimat. Dabei denke ich gar nicht an die bisweilen gegenwärtig wieder aufkommende, und zwar plumpe Heimatrhetorik, sondern ein von mir selbst erlebtes Ost—West- wie auch Nord—Süd-Gefälle. Dabei geht es gar nicht um wirtschaftliche Differenzen, sondern oft wenig ausgeprägtes Wissen, wie man „dort“ lebt und wie es „da“ aussieht. Ein solches Defizit könnte also angegangen werden und damit der Horizont des oder der Einzelnen erweitert werden …
Wie bereits erwähnt kann dieser Dienst verschiedene Menschen miteinander in Bezug setzen. Neben differenten Geschlechtern wären hier auch Menschen mit Behinderung, im Sinne einer Inklusion, einzubeziehen. Ja, das ginge auch bei der Bundeswehr: Denn im Büro oder der Verwaltung ist auch mit Einschränkungen zweifellos ein in nichts nachstehender Beitrag zu leisten. Die Vielfältigkeit der Gesellschaft könnte durch diesen Dienst also abgebildet und als Dienst an der Gemeinschaft auf selbige angewandt werden. Die oben beschriebene (naturgemäße, nicht pauschal zu negativierende) Fragmentierung der Gesellschaft soll (und darf) durch diesen Dienst gar nicht eingeschränkt werden. Vielmehr soll eine Schnittstelle unterschiedlichster Gruppen und Individuen geschaffen werden. Wie unter „Gleichberechtigung“ angedeutet, soll eine positive Egalität möglich werden, die die Individualität des Einzelne akzeptiert, aber bzw. deshalb im Sinne eines Zusammenlebens auf eine selbstverständliche Basis sozialen Umgangs besteht und zudem einen sozialverträglichen Leistungsgedanken (eben unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion, Behinderung etc.) betont! Und schließlich könnte sich der ein/die eine oder andere entschließen, auch zu bleiben …

Nachwuchs für Bund und Sozialbranche

Ganz banal könnte — wie mit dem oben getätigten Verweis auf meine kurzzeitige Überlegung, doch zu bleiben, bereits angedeutet wurde — dieser Dienst die Nachwuchsprobleme bei der Bundeswehr, aber auch zum Beispiel im Pflegebereich angehen. Die Bundeswehr versucht sich — wohl auch auf Grund wenig kommunikativer Eigenkompetenz — an actionlastigen Werbeclips, die einerseits ein Materialniveau illustrieren sollen, welches nicht der Realität entspricht, und anderseits ein fragliches Publikum ansprechen. Selbst die weit überdurchschnittliche Bezahlung und der Katalog weitere Vergünstigungen scheint nicht genügend Nachwuchs zu motivieren. Das Problem ist zudem, dass viele der offenbar überschaubaren Zahl Freiwilliger oft nach kurzer Zeit, ohne über den oben beschriebenen Punkt der Gewöhnung, möchte ich behaupten, hinweg gekommen zu sein, aussteigen. Und umgekehrt meint dies, dass womöglich viele bleiben und behalten werden, deren extreme Ansichten eigentlich nicht zum demokratischen Konzept des „Bürgers in Uniform“ passen.
Ähnlich verhält es sich im Bereich sozialer Dienste. Die geringe Achtung dieser Berufsgruppen bei gleichzeitig — mit wachsendem Anteil älterer Menschen — größer werdender Notwendigkeit einer stärkeren Personaldecke im Pflegebereich könnte auf diesem Wege angegangen werden, mindestens der Beruf (durch Selbsterfahrung) aufgewertet werden.
In beiden Fällen wäre der Pflichtdienst also sinnvoll, weil zumindest so lange geblieben werden würde, bis der Entschluss, so etwas nicht machen zu wollen, endgültig wird. Oder es wird, für die Nachwuchsfrage relevant, erkannt, dass der Job gar nicht so schlecht ist und/oder ein ungeahntes, ein schlummerndes Talent realisiert.

 

Jetzt fragen Sie, zu Recht, was hat dieser Beitrag mit Kommunikation zu tun? Auf den ersten klassischen Blick (Medien als Buch, Kommunikation als Anruf etc.) nicht viel, auf den zweiten umso mehr: Es gibt nichts außerhalb von Medien und Kommunikation: Jedes Gespräch, der Supermarkteinkauf, „Erzählweisen“ in Jura und Medizin, „Regeln“ einer sozialen Gruppe oder einer Gesellschaft usw. Wir alle befinden uns ständig in Medien und nutzen sie: Zuhause verhält man sich anders, darf sich anders geben als auf der Arbeit, darf man dort das „Medium“ Wohlfühlhose nutzen, ist es da ein No-Go …
Und klar, Teile solch einer Rhetorik wirken irgendwie ganz schön veraltet — „Pünktlichkeit“, „respektvoller Umgang“ etc. Die Begriffe sind häufig angestaubt, aber was mit ihnen verbunden wird, ist mehr als aktuell. Es geht nämlich darum in einer, wie gesagt, immer kleinteiligeren Gesellschaften, die „Kollision“ mannigfaltigen Gruppen auf friedliche Weise zu ermöglichen, ein Miteinander über eventuelle Differenzen hinweg zu fördern: Alternativ könnte man von „Toleranz“ und als Steigerung „Akzeptanz“ sprechen. Denn obschon kleinerer selbstbewusster, eigene Geschichten nutzender und vorbereitender Bereiche können über die Netzwerke unserer Zeit „die Anderen“ immer zumindest oberflächlich betrachtet oder kontaktiert werden: Was sich wiederrum von der Ausformung etwaiger Klischees über den Abbau von Vorurteilen bis zu einem Austausch erstrecken kann. Wie gesagt ist diese Fragmentierung nichts Schlechtes oder pauschal Gutes — es bedeutet, sehr verkürzt, dass Menschen, die früher (in der strikten Nachkriegszeit etwa) unterdrückt wurden, nun ohne Furcht und stattdessen selbstbewusst auftreten können; es heißt auch, dass es die sogenannten „Straßenfeger“ (abseits etwaiger Fußballübertragungen) nicht mehr gibt, also Fernsehsendungen, die quasi alle Menschen zusammenbrachten. Nun ist aber ein partieller Gemeinschaftsgedanke in jeder Gesellschaft notwendig — heruntergebrochen meint diese, niemand kann für sich alleine leben: Wir lernen von anderen — und sei es nur das Sprechen, Selbstversorgung ist angesichts komplexer Spezifik nicht mehr möglich oder nur sehr bedingt etc. Mit dieser kurzen Beschreibung soll deutlich werden, dass es natürlich ein mediales bzw. kommunikatives Feld ist, das hier beschrieben wird.
Wie in einem anderen Blogeintrag (hier) bereits behandelt wurde, ist der sowohl in höheren schulischen Klassen als auch an Universitäten praktizierte „Glaube“ an sogenannte „Transferleistungen“ kritisch zu betrachten — also sehr kausal davon auszugehen, aus Indirektem könnten allgemeine Regeln abgeleitet werden. Oder anders formuliert: Nur weil man die Narration dieses Buch und jenes Gedichts behandelt, ist noch lange nicht gesagt, dass eine Meta-Ebenen wie die des seriellen Erzählens (in Literatur, Film, aber auch Politik etc.) erkannt oder praktisch zur Anwendung gebracht wird. Oft sind — meiner Erfahrung nach — Transferleistungen eher dem Unterbewussten unterstellt und können nicht verbalisiert werden. Und auch das macht sie umgekehrt natürlich nicht pauschal schlecht …
In jedem Fall wird eine Transferleistung durch einen „Gemeinschaftsdienst“ begünstigt — Menschen unterschiedlichster Hintergründe treffen aufeinander. Das kann neue — bewusste oder unbewusste — Einblicke ermöglichen … Aber — im Sinne der Kritik an der Transferleistung — ist manchmal eine gewisse Kanalisierung sinnvoll oder eben ein Bewusstmachen: Insofern sollen professionelle und gleichsam soziale Umgangsformen in diesem Dienst (am ersten Tag einführend) vermittelt, (langfristig) erwartet und eingefordert werden. Dazu wird sicherlich ein valides Schulungssystem zu entwickeln sein, sodass Ausbilder aller an diesem Dienst beteiligter Institutionen vorbereitet werden.