Denkbare Strategien zum Umgang mit Populismus und Extremismus

Extremisten und Populisten kommunizieren auf eine ganz bestimmte Weise: Wir haben gesehen, dass sich diese als vereinfachend, seriell und schnell beschreiben lässt! Gemäßigte Kräfte und entsprechend multiperspektivische und investigative Medien scheinen viel zu unbedarft auf diese Strategien „reinzufallen“, sich von Radikalen ihren kommunikativen Stil aufzuzwingen! Dabei wird etwaigen Radikalen eine — oft unbeabsichtigte — Bühne geboten. Hier haben wir auch gleich (als Vorgeschmack) eine erste Gegenstrategie: nämlich lapidar solch Bühnen nicht zu bieten. Auch weitere Strategien gegen Populisten sind bisweilen simpel und schon durch den Verzicht auf ein bestimmtes Verhalten zu definieren. Mögliche Ideen diesbezüglich werden wir im Folgenden sehen. Hier ——— gegenüber dem ersten Essay zur Analyse der kommunikativen Strategien Radikaler ——— soll es also darum gehen, die Strategien im Umgang mit solchen Kräften zu behandeln — ein zweigeteilter Essay bzw. der zweite Teil!

In diesem Zusammenhang muss natürlich auch ein Blick auf kritische, dem hetzerischen und ungerechtfertigten Ruf „Lügenpresse“ und den dahinter stehenden Agitatoren in die Hände spielende Punkte/Verhaltensweisen professionaler, also durchaus multiperspektivischer und investigativer Medien geworfen werden: etwa ein Themen-„über“-Fokus, quasi einer Mode ähnlich bestimmte Themen übermäßig zu repräsentieren, sodass eine Überbewertung, eine realitätsferne Dominanz des Sachverhaltes von den Zuschauern/der Leserschaft etc. angenommen wird. In diesem Zusammenhang gilt es auch, auf das bisweilen aus Sicht des Autors dieses Blogeintrags zu beobachtende Unvermögen Erwachsener im Umgang mit Kommunikation und Medien zu verweisen — beides wird beinahe wie das Atmen verstanden: Kann jeder — ganz von selbst! Doch wie hinsichtlich jeder anderer Profession gilt auch in Bezug auf Kommunikation und ihre professionelle Gestaltung: Wie zu atmen, noch längst keinen Tiefseetaucher (≈ Apnoetauchen) aus uns macht, ist — ebenso alltäglich — jemand mit medizinischem (Theorie-)Wissen noch längst nicht zum Operieren befähigt! Wer also Medien als Rezipient oder aktiver, gar Pro-Konsument mitkreiert, ist noch längst kein Profi oder versteht, wie Kommunikation funktioniert, auf ihn und andere wirkt oder wie sie (komprimiert: positiv bis negativ) instrumentalisiert wird.

Das alles soll nicht heißen, Kunst/Medien sollten produktionstechnisch unzugänglich, gar Profis vorbehalten sein! Das Gegenteil ist hier gemeint: (Medial-künstlerische) Partizipation regt Dialoge oder die Selbstreflexion an, bereitet schlicht Vergnügen. Mit diesem Text geht es somit nur in Teilen um professionelle Kommunikatoren und dort funktionierende Strategien gegen Radiale und Populismus. Es geht gleichsam um ein alltägliches, ein Nutzerwissen auf Seiten des (ohne Wertung verstandenen) Verbrauchers — um Medienkompetenz und damit eine teilweise Resistenz gegenüber den Strategien etwaiger links, rechts oder religiös motivierter Populisten.

Wie schon im ersten Text wird hier eine umgekehrte Pyramide zur Anwendung gebracht. Spätere Strategien werden also knapper erläutert und fußen auf den vorhergehenden Erläuterungen.

Folgende Strategien werden behandelt:

 

Strategie I: Multiperspektive ja, aber nicht zur Plattform werden. Und die Notwendigkeit kommunikativ-ganzheitlichen Denkens

Wie mit Leute und ihren kruden (von Frustration oder Hass kündenden) Botschaften umgehen, wenn sich diese vor allem durch Schnelligkeit, Beständigkeit im Zuge serieller Narrationsweisen (mehr hier) und insbesondere lautstarke Einfachheit auszeichnen? Wie reagieren auf Menschen, die sich die Kontingenz (als das Bewusstsein, dass alles immer anders sein kann) und Freiheitlichkeit/Offenheit des Pops zunutze machen und dessen Alltagsbezüglichkeit pervertieren, indem sie Probleme umgehend besetzt und in einem bisweilen völkischen und/oder radikalem schwarz-weiß Denken vereinnahmen? Wie mit Personen umgehen, die Unterganzszenarios zu kreieren versuchen, um die entstehende Angst zu nutzen, Wähler für die mit diesen Bewegungen angeblich erreichbaren und/oder bisweilen unverhohlen offenbar radikalen Ideale oder Lösungen etwaiger Gefahren zu gewinnen? Ideale, die natürlich, weil ein Feindbild für die Selbstbestimmung dieser Bewegung so wichtig ist, unerreichbar bleiben bzw. nur gestaffelt umgesetzt werden … Wobei auch schon in etwaiger Teilrealisierung bzw. unter dem Deckmantel einer angeblichen Problemlösung offenbar wird — nicht zuletzt im Zuge eines (hier angestrebten) Wissens um kommunikative Subtexte —, dass diese Ziele meist den Ausschluss nicht nur der Meinungen anderer beinhalten!

Zunächst ein Beispiel, welches sowohl illustrativ für dieses Verhalten als auch für den Umgang mit selbigen sein kann: und zwar eine fiktionale Geschichte! Sie zeigt im Übrigen, wie lehrreich Fiktionales auch für Erwachsene (und nicht nur Kinder) ist: 1998 wurde die Artus-Saga ein weiteres Mal als Mehrteiler, und zwar für das Fernsehen verfilmt. Eine der Hauptfiguren ist Mab, eine Göttin des Mythisch-Alten, eines Alten, das sich — aus ihrer Sicht — in rasanter Veränderung und einem entsprechenden Umbruch befindet. Weniger geht es ihr um das Alte an sich, sondern einerseits um die doch so einfache und natürlich für sie vorteilhafte Ordnung und andererseits um ihre persönliche Macht, die mit diesem Alten verbunden ist und nun bald verloren zu gehen droht. Um nun selbige zu sichern bzw. partiell zurück zu gewinnen, spinnt sie grausige Intrigen unter den Menschen. Doch Mab existiert nur durch Aufmerksamkeit — also solange man sie sich ihr widmet, man sie verehrt. Als es den übrigen Protagonisten — vereinfacht zusammengefasst — angesichts der Machenschaften Mabs zu bunt wird, beschließen Sie die Göttin einfach zu ignorieren, sie zu vergessen. Da löst sich Mab schlicht in Luft, in Nichts auf!

Hier soll gar nicht groß die Übertragung dieser Geschichte auf das dargelegte Szenario erläutert (also wer, wer ist), jedoch auf eine naheliegenden Einwand verwiesen werden: „Aber gerade gegen die Etablierten [≈ die alten Götter] treten doch die rechtpopulistischen Bewegungen in ihrer Selbstdarstellung an, sie sind oder begreifen sich doch gerade nicht als die Alten oder Etablierten!“ Mit Blick auf die Rhetorik vom eigenen gegenüber „fremden Völkern“ und einer (gegen historische und gegenwärtige Beobachtung eines föderalen Staates ohne natürliche Grenzen argumentierenden) Rede von der daraus resultierenden (plump: völkischen) Gemeinschaft gleicher, aber bedrohter Werte wäre durchaus von negativen und antiquierten Göttern in einem übertragenen Sinne zu sprechen. Auch sollten die schrecklich Folgen ausgehend von dieser bipolaren Weltsicht mit Blick auf die Historie bekannt sein. Und was die angebliche Elitekritik dieser Bewegung angeht: Wie haben bereits im ersten Teil dieses Essays gesehen, dass dahingehend eine unverhohlene Paradoxie am Werk ist: eine Selbstüberschreitung, eine Selbstreferenz oder vereinfachter das „Messen mit zwei Maßen“. Selbst aus etablierten Berufsgruppen kommend, also aus Personenkreisen, die sich gerne als Elite begreifen, argumentieren sie gegen die Elite. Mit „Das wird man doch noch sagen dürfen!“ wird letztlich vorausgreifend begründet, dass man sich selbst nicht an Regeln zu halten habe — „weil es ja auch die anderen [meist als Reaktion auf das „Wird-man-doch-sagen-Dürfen“] so tun“. Angeblich werde man ja unterdrückt, da kann man nur in ähnlicher Weise antworten — eine Umkehr des Verhältnisses also. Zudem: Das, was man gerade noch gesagt hat, kann morgen schon anders sein oder nicht mehr erinnert werden. Daraus erwächst auch die Haltung, dass egal welches Gegenargument zu Gehör kommt, es immer nur die Manipulation der „Anderen“ bleibt: „Und wenn schon — dann sind wir halt selbst Elite, aber eben eine andere als die böse. Wichtig ist nur, dass wir im Gespräche bleiben!“ Ganz offenbar „lebt“ man sogar von dieser auch internen Paradoxie — einem Wechselspiel zwischen „Rächer des kleinen Mannes“, Abwertung der eignen „kleinen“ Gefolgsleute sowie der übrigen Anderen. Wie gesagt Näheres dazu findet sich im ersten Text.

Wie bei jeder Parabel oder erzählerischen Abstraktion ist das Beschriebene im Mab-Beispiel natürlich eine Form von Vereinfachung. Wie im ersten Teil dieses Essays bereits vermerkt, wird hier nicht gegen das Vereinfachen per se argumentiert: Vereinfachungen können Brücken bauen! Vereinfachungen allerdings, die grob wichtige Informationen auslassen, um radiale Stimmungen zu erzeugen, sollen in diesem Gesamttext kritisiert und die Mechanismen hinter ihnen zumindest ansatzweise identifiziert werden. Als grob zu beschreibende Vereinfachungen sind ja eine Form oder ein Teil der Strategie der Lauten. Konkret auf das Artus-Beispiel bezogen: Diese mythische Veranschaulichung sollte des Weiteren nicht dahingehend interpretiert werden, dass jene, die ein freiheitliches bzw. demokratisches Zusammenleben gefährden wollen bzw. deren Handeln, einfach ignoriert werden dürfen bzw. darf. Noch weiterführend meint dies nicht, dass die Gründe vieler Menschen für ihre Frustration grundsätzlich ausgeblendet gehören.

Ob die von den Frustrierten oder jene Agitatoren, die solch Frustrierte als Wähler gewinnen wollen, genannten Gründe für das jeweilige Empfindens (von Enttäuschung und Angst) bewusst oder unbewusst vorgeschoben werden — als Stereotypen, die ein einfaches und damit auch entlastendes (wenn dann auch sehr grobes) Weltbild erschaffen —, kann hier nicht im Detail geklärt werden. Der Autor dieses Blogeintrags vermutet (wie bereits im ersten Teil dieses Essays gesehen), dass derartige Unzufriedenheiten Gefahr laufen, als unreflektierte Art von Epidemie von einem auf den anderen übertragen zu werden, sich so lange fortbewegen, bis sie auch gemäßigte Kräften erfassen. In diesem Zusammenhang spielt es dann bald nur sehr wenig eine Rolle, ob die Gründe für eine etwaige Frustration tatsächlich (z. B.: auf sozialer Ungerechtigkeit aufgrund etwaiger Verdienstdifferenzen), in Teilen real oder nur Einbildung sind. Dennoch muss darauf verwiesen werden, dass manch Unzufriedenheit auf eindeutig falschen Vorzeichen gründet, gar eine echte Einbildung ist ≈ etwa zu glauben, alles werde gefährlicher. In jedem Fall kann — wie gerechtfertigt eine Kritik bzw. die einhergehende Frustration sein mag — nicht jede Form von Äußerung legitimiert werden: etwa fremdenfeindliche Aussagen, mehr oder minder implizite Aufrufe zur Gewalt oder das Pflegen von Sündenböcken!

Dennoch wäre eine gewisse Gleichgültig gegenüber aufgeheizten Kräften insofern sinnvoll, da — wie gesehen — viele Strategien der Lauten, der Begriff sagt es schon, auf Aufmerksamkeit fußen: Und diese Aufmerksamkeit würde durch ein partielles Ignorieren empfindlich gestört werden. Obschon die klassischen Medien regelmäßig als Sündenbock (hier mehr) für etwaige Missstände aus Perspektive aufgeheizter Lagern herhalten müssen — auch weil sie nicht nur aus Sicht radialer Kräfte unbequeme Aussagen treffen —, werden sie ungewollt zum Instrument solcher Agitatoren/zu einem verlängerten Arm dieser Gruppen: Provokationen und Cliffhanger etwa über Twitter finden umgehend ein Echo im Fernsehen und in Printmedien. Sie werden dort zwar zum Teil fundiert analysiert und ihre oft mehr oder minder subtilen hetzerischen, rassistischen Aussagen oder die gar platt unwahren Äußerungen (etwa die Trumps zur angeblichen „Vorfällen“ in Skandinavien) kritisiert bzw. richtig gestellt.

Aber bei dieser Kritik läuft durchaus auch etwas schief — zuerst: Wie schon einleitend angedeutet lassen sich professionelle und fundierte Kräfte zu schnell die Art und Weise ihrer Kommunikation durch laute Kräfte vorgeben und tendieren dabei selbst zu einer ähnlichen, reflexaritgen und damit ruden Umgangsform. Mit einem, wenn auch kritischen Aufgriff provokanter oder radikaler Aussagen durch klassische oder gemäßigte Medien erhalten die Botschaften zum einen mehr Verbreitung als über Twitter selbst — einerseits weil Twitter nicht mehr die großen Wachstumsschritte vollzieht wie kurz nach der Gründung der sozialen Plattform; andererseits werden so Zielgruppen erreicht, die diese Medienform noch nicht oder gar nicht nutzen.

Am wichtigsten aber bzw. zum anderen: Mit einem umfassenden Aufgriff einzelner Aussagen Radikaler oder von ihnen präferierte Themen kann der Eindruck entstehen, es handelte sich um ein besonders relevantes oder unumgängliches Diskussionsfeld. Dass die Flüchtlingskrise, die Flucht Hunderttausender und die daraus erwachsenden Konsequenzen ein nicht nur auf Deutschland bezogenes, sondern weltweit ernst zu nehmendes und wichtiges Thema sind, steht außer Zweifel. Es gilt bzw. galt, über die Krise, die Fluchtgründe, die tödliche Flucht, die Schlepper, Menschlichkeit, das Asylrecht, das Unvermögen etwaiger Behörden, menschlich erträgliche Verarbeitungszeiten von Anträge zum Aufenthaltsstatus bzw. deren Ablehnung bzw. der Abschiebung einzuhalten (statt nach Jahren insbesondere bei integrierten Kindern durchzugreifen), zu sprechen. Es sollte — in Anbetracht des Themenfokus dieses Blogs — über die mangelnde Kommunikation mit den Ankömmlingen diskutiert werden: Ihnen hätte sicherlich zur Erleichterung ihrer Ankunft, der traumatischen Flucht, aber auch um etwaige Missverständnisse hierzulande zu vermeiden, Informationsmaterial bereit gestellt werden müssen — umgehend und nicht nach Monaten: Damit wäre keine Einschränkung/Bevormundung entstanden, sondern allen Beteiligen wäre eine grundlegende Sicherheit im Umgang offeriert worden, sodass leichter Brücken gebaut werden hätten können ——— ähnlich einem Reiseführer. Natürlich soll hier nicht Flucht und Urlaub verglichen werden, sondern auf eine grundlegende kommunikative Orientierungserleichterung verwiesen werden. Es muss zweifellos über die Aufnahmewilligkeit bzw. Ablehnung der Flüchtlinge gesprochen werden — insbesondere in Bezug auf eine ablehnende Furcht in Teilen der Bevölkerung: So scheint gerade dort, wo wenige Flüchtlinge untergebracht sind, die Furcht oft größer als dort, wo viele leben (Stadt → Land?). Das ist einerseits überraschend, andererseits vielleicht ein Problem mangelnder Erfahrung, wie es „anderswo“ funktioniert. Der Autor dieses Blogs spielt mit einem Konzept, wie vielleicht künftig (wieder, nun umfassender) jüngeren Menschen eine Multiperspektive vermittelt werden kann — als Gemeinschaftsdienst (hier im Blog). Es ist auch zu fragen, warum einige Menschen starke Furcht nicht nur vor Neuankömmlingen, sondern vor jeder Veränderung haben, einen Anstieg der Kriminalität fürchten oder glauben, er sei bereits Realität geworden — entgegen der Statistiken übrigens … Sind Medien Schuld? Ja und nein: Medien sind die Welt prägende Größen, aber genauso die Welt oder Bedürfnisse reflektierende Faktoren. Krimiserien können dem oder der Ungeübten suggerieren, die Welt sei gefährlich, sie können aber schlicht Ausdruck von Nervenkitzel oder negativer Stimmung sein, nach dem Bedürfnis einfacher Ausklärung (in den meist einstündigen, geschlossenen Formaten). Diesem Medienverweis werden wir noch öfter begegnen.

Dennoch (also trotz der Notwendig über diesen Sachverhalt (Flüchtlingskrise) zu sprechen) ist die jahrlange Dominanz des Themas nicht zuletzt dadurch Zustande gekommen, dass entsprechende Äußerungen radikaler in den Medien und damit auch seriösen Formen aufgegriffen wurden/werden. Das hat, der Erfahrung des Autors dieses Blogeintrags nach, einerseits dazu geführt, dass etwa die Dimension der Flüchtlingskrise übersteigert wird. Nochmal: Hier wird nicht relativiert, was Flüchtlinge zu erleiden haben, noch die Anzahl aktuell auf der Welt zur Flucht Gezwungener herunter gespielt! Vielmehr soll hier auf eine Stilisierung von Furcht verwiesen werden: Schrecklichen Gewaltverbrechen gegenüber Frauen hierzulande schaffen es meist kaum in überregionale Nachrichten, die von Flüchtlingen verübten Verbrechen scheinen besonders berichtenswert. An dieser Stelle offenbart sich ein Dilemma insbesondere für gemäßigte Kommunikationsprofis: Soll man solch eine Meldung (bedauerlicherweise) wie „üblich“ behandeln, also eher ignorieren, oder muss im Kontext der Diskussion, wie viele Flüchtlinge ein Land aufnehmen kann, diese Meldung in die Nachtrichten-Primetime? Wird damit nicht unbeabsichtigt das Thema auf eine radikale Ebene verschoben und Reaktionen wie „Ich fühle mich in Deutschland nicht mehr sicher — man hört ja immer öfter von Verbrechen!“ oder gar schon rechts aufgeladen und reaktionär „Unsere Frauen/Mädels brauchen Schutz!“ werden begünstigt? Die Lösung ist eine Gradwanderung. Das Nicht- bzw. verzögerte Berichten über die Übergriff Silvester 2015 ist keine Lösung! Wenn es auch schwer wirkt, so ist doch zwischen dem Über-Berichten über einen abendlichen, launischen Tweet Trumps, Präsident hin oder her, und dem fatalen — das Vertrauen in die seriösen Medien weiter (neben dem populistischen Schuldzuweisen) unterminierende — Nicht-Berichten besagter Übergriffe zu unterscheiden … das eine Stimmungsmache, das andere durchaus ein Ereignis.

Abseits der Flüchtlingskrise kann — zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Blog-Eintrags in den ersten Wochen 2019 — ein aus Perspektive des Autors dieses Blogs ähnlich zur Überstrapazierung tendierendes Thema als weiteres Beispiel angeführt werden: das Thema Abschwung! Sicherlich kann dieser gerade angedeuteten Vermeintlichkeit entgegnet werden, dass eine Warnung im Rahmen echter Befürchtungen/einer fundierten Erwartung dieses Abschwungs, gar messbarer Anzeichen für selbigen sinnvoll und vernünftig ist. Aber es entsteht zugleich der Eindruck, dass aus der Befürchtung 100%ig Realität werden muss. Mit solch einer Suggestion ist dann die Gefahr einer sogenannten „selbsterfüllende Prophezeiung“ verbunden: Wenn man lang genug darüber redet, wird das mehr oder minder fundiert Prognostizierte wahr, alle „Gläubigen“ arbeiten mehr oder minder (un-)bewusst darauf — den Abschwung — hin.

Aber auch das wäre medientheoretisch zu einfach gedacht — es wäre Wasser auf die Mühlen derer, die eine uneingeschränkte Manipulation der Medien predigen, eine Manipulation, der man als Mensch nicht entkommen könnte/nichts entgegen zu setzen hätte. In einer freiheitlichen Gesellschaft wie der unseren gibt es diverse professionelle und seriöse Anbieter, damit auch widersprechende oder ergänzende Meldungen — abseits der irreführend als Alternative verstandenen, meist eine radikalisierte Agenda aufweisenden semi-professionelle Autoren, die etwa erfundene Vergewaltigungen durch oder Luxusunterbringungen von Flüchtlingen regelmäßig über Facebook und Co. verbreiten. Zudem gibt es stets den Zugang zu etwaigen Statistiken, um sich als mündiger Mensch oder Bürger selbst ein Bild zu machen — etwa hinsichtlich besagter Kriminalität. Dass es solche Quellen gibt, muss allerdings auch seitens der Nutzer erlernt werden!

Aber auch die Medienmacher müssen in diesem Zusammenhang kritisch betrachtet werden — wir kommen in einer gesonderten Strategie noch einmal auf diesen Aspekt zurück, aber bereits hier nennenswert: Leider wird der Meinung des Autors nach zu selten seriell (das Serielle ist, anders als der erste Teil-Essay suggerieren mag, nicht Schlechts oder Gutes per se …) ein Kontext zu etwaigen Meldungen und dominanten Themen dargeboten, diese unterfüttert bzw. ein solches Hintergrundwissen (seriell) gefestigt. So bleibt es — wieder in Bezug auf die Flüchtlingskrise — meist aus, auf die eher von selbiger unberührte Kriminalstatistik zu verweisen, ja angesichts scheinbar sich verbreitender abstrakter Furcht von angeblichen Gefahren darauf hinzudeuten, dass Kriminalität, gar Unfälle allgemein rückläufig sind. Zwiespältig kann in diesem Sinne etwa die Tageschau der ARD bewertet werden: Sie nimmt oft keinerlei Einordnung des Gezeigten vor und lässt jene, die sich nicht selbst eine aktive Teilhabe zutrauen oder dazu in der Lage sind, alleine. Klar, die Sendung ist so konzipiert und steht unter einem knappen Zeitfenster — ohne Ausschweifungen nur das Wesentliche in kurzer Zeit zu vermitteln. So setzt sie bisweilen einen schon informierten Menschen voraus. Aber knappe, kontextlose Meldungen sind einerseits allerseits abrufbar (Der Hauptteil vieler regionaler Zeitungen fußt beispielsweise weitgehend auf dpa-Meldungen …) und anderseits ist die Profession des Journalisten ja neben Recherche und Aufdeckung über die Aufbereitung eines Sachverhaltes zu definieren, also wesentlich durch eine Einordnung, eine Erläuterung geprägt.

Im Zusammenhang mit professionellen Medienmachern muss also — erneut, diesmal drastischer — auf das Unvermögen erwachsener Rezipienten verwiesen werden: Diese lassen sich von aktuellen und zweifellos auf bzw. in allen Kanälen gerade (als Mode — siehe oben) präsenten Themen derart vereinnahmen, dass sie glauben, sie seien besonders ausschließlich. Wenn dann noch die Kontextualisierung eher zaghaft ausfällt bzw. diese durch jene von einer Stimmung (der Angst) Übermannten nicht mehr wahrgenommen wird, kann es passieren, dass der eigentliche Diskussionsbeitrag mit einer Repräsentation der Welt gleichgesetzt wird. Eine Ausdrucksform dieses Phänomens abseits des hier im Fokus stehenden Themas sind die Elterntaxis bzw. die sogenannten Helikopter-Eltern, die womöglich abstrakte Ängste vor Verbrechen gegenüber Kindern durch Dritte als auch Verkehrsunfälle im Hinterkopf haben — zweifellos ist dieses Empfinden natürlich insgesamt durch jeden Menschen, der Liebe für bzw. Angst um Nahestehende empfindet, nachvollziehbar. Dennoch bedarf es eines Blicks auf die Zahlen bzw. deren Rückläufigkeit. Wobei es auch hier nicht um Relativierung geht — jedes durch Verbrechen oder Straßenverkehr verletzte oder tote Kind, jeder so leidende Mensch ist einer zu viel!

Als Geschichtenerzähler ist der Autor dieses Blogeintrag einer der ersten, der sagt, ohne Gefühle geht es nicht. Die akademische Haltung und theoretisch-wissenschaftliche Trennung von Kognition/Ratio etc. auf der einen und Affekt/Emotionen etc. auf der anderen Seite ist nur begrenzt sinnvoll und zum Verständnis hilfreich, aber über diese Theorie hinaus nur selten praktikabel: In der Praxis gibt es folglich keine Objektivität, auch wenn dieses durch leider bedingt Kommunikation Verstehende und in einer weiteren Stufe durch radikale Kräfte als Instrument gegenüber etwa der freien, investigativen und damit eben auch unbequemen Presse immer wieder gefordert oder als plattes Instrument der Diskreditierung genutzt wird … wie gesehen ist professionelle Arbeit vor allem dadurch gekennzeichnet, fundiert zu recherchieren und zu kontextualisieren!

„Richtig“ oder besser ganzheitlich genutzte Kommunikation kann zum Verständnis eines Sachverhaltes beitragen — ein übrigens wissenschaftlich unterschätzter Umstand: Bloße Fakten und Daten zu historischen Ereignissen beispielsweise sind wenig hilfreich, entscheidend sind Zusammenhänge und letztlich auch die Gefühle damaliger Figuren und Menschen. Fehler also nicht zu wiederholen, kann durch ein partielles Nacherleben, mindestens eine Nachvollziehbarkeit begünstigt werden. Auch deswegen (nicht nur, weil sie wesentlich leiser kommunizieren) geraten fundierte Quellen oft ins Hintertreffen — weil sie aus einer Tradition heraus, die strikt zwischen Inhalt und Design (hier vereinfacht ist damit auch eine Erzählweise, eine audiovisuelle Gestaltung gemeint) unterscheidet und glaubt, das eine könne ohne das andere gut funktionieren, sich jeder ästhetischen und emotionalen Aufbereitung verschließt; gar ignoriert, dass beides oft Bestandteil des Inhalts selbst ist … Der Autor dieses Blog-Eintrags sieht etwa im oft aus der gleichen Haltung heraus abgewerteten Infotainment einen durchaus umfassend lehrreichen Gestaltungsansatz: eine Mischung aus Inszenierung, Design und Inhalt! Erschreckenderweise verstehen sie populistische Agitatoren genau auf solch eine Emotionalisierung — aber eben umgekehrt einseitig: Indem sie alle Fakten ignorieren und nach freiem Gustus nur auf der Basis von Angst und Hass arbeiten. Wenngleich dieser Gustus mit Ironie, Provokation und bisweilen sogar so etwas wie Humor kombiniert, man könnte sagen kaschiert wird — z. B. indem man sich über andere abwertend und klamaukig lustig macht: Denken Sie nur an Trumps „Darstellung“ eines körperlich eingeschränkten Menschen. Vorläufig lässt sich aber bereits hier — als Vorgeschmack auf die nächsten Strategien — festhalten, eine kommunikative Ganzheitlich ist gemäßigten Lagern zu empfehlen.

Zweifellos gilt im Zusammenhang mit Mediennutzung bzw. Nicht-Nutzung der Grundsatz: Die Medien prägen die Welt, die Medien spiegeln die Welt und ihre etwaigen Bedürfnisse! Diese Aussage muss in ganzer Komplexität begriffen werden — d. h., Themen werden durch Medien vorgegeben, Themen werden von den Medien aufgegriffen. Es ist von einem Netzwerk, diverser Wechselwirkungen auszugehen, in der Ursache und Wirkung nicht klar zu bestimmen sind. Das meint dann wiederum, weil ein Thema in vielen Medien behandelt wird, ist es nicht unbedingt das wichtigste Thema, noch das Thema aller Menschen! Es ist ein gerade „modisches“ Thema (wie gesagt, es soll hier nicht relativiert werden) und erhält gerade deswegen eine (zusätzliche) Relevanz! Zuschauer und Medien sind nämlich in mannigfaltigen (weiteren) (Teil-)Netzwerken vorstellbar: Da geht es um Quoten und Geschwindigkeit — erweist sich ein Thema als vielversprechend ziehen wie in der Mode oder einer Me-too-Strategie andere Anbieter nach (Letzterer Begriff hat übrigens nichts mit der Bewegung gleichen Namens gemein, sondern bezieht sich auf ein kommunikativ-unternehmerisches Vorgehen, Erfolgreiches der Konkurrenz zu übernehmen). Und selbstverständlich sind auch Medienmacher Teil der Gesellschaft und damit von Moden beeinflusst. Wie jede Berufsgruppen sind sie daher auch nicht von Betriebsblindheit gefeit.

Bevor es nun aber heißt, dass ist ja wieder typisch kommerziell von „denen da“. Wobei wohl die Medien-Profis oder die Besitzer etwaiger Medienunternehmen gemeint sein sollen. Korrekter wäre es, davon auszugehen, dass „es“ auch die Zuschauer selber, und zwar im Rahmen dieser Wechselbeziehung mit in der Hand haben, was Medien sind und wovon sie handeln: Um dies zu erreichen, ist es zuerst wichtig, sich den netzwerkartigen bzw. systemischen bzw. produktionstechnischen Kontext bewusst zu machen: analog zur gerade erfolgten Skizzierung kommunikativen Strukturen. Dann kann jede Meldung — wie bereits erwähnt — selbstständig — zumindest in Teilen — überprüft oder weiter unterfüttert bzw. erweitert werden. Verbreitet sich ein Thema über div. Medien (nicht nur klassische oder neue Medien wie Presse, Film, Internet etc., sondern auch die Freunde, Bekannte etc. sind in diesem Sinne Medien: siehe dazu hier — Text in Arbeit), weil es zum Beispiel wichtig erscheint und/oder provokant genug ist, „schon der Kollege davon gesprochen hat“ etc., dann wählen viele Zuschauer eben jene Anbieter, die sich mit eben diesem Thema befassen. Die anderen würden, das Thema ignorierend, leer ausgehen — ein schwer zu überwindender ökonomischer Zugzwang ist also die Folge.

Insbesondere auf Grund der leider mit Aufkommen des Internets verstärkten, und zwar kommunikativen „Umsonstkultur“ — als meist werbefinanziertes journalistisches Angebot — ist ein Einschwenken (aus Sicht der Produzenten) auf Themen hoher Klickzahlen bisweilen („überlebens-“) notwendig.

Ohnehin glauben viele Konsumenten angesichts besagter Umsonstkultur, hohe Qualität erwarten zu können, ohne dafür direkt zahlen zu müssen, zahlen zu wollen. Mit der gegenwärtigen oder wachsender Zahl medialer Anbieter und sich dadurch (oder korrelativ: parallel?) bzw. analog dazu immer mehr herausbildenden spezifischen sozialen Gruppen bzw. umgekehrt auf Grund vieler Zielgruppen und die sie ansprechenden zahlreichen Kommunikatoren schrumpfen die Werbeeinnahmen weiter bzw. Abo-Modelle werden unumgänglich. Der Autor dieses Blog-Beitrags glaubt sogar, dass solche Bezahlmodelle auch deshalb nötig, mindestens sinnvoll sind, um offensichtlich materiell veranlagten Rezipienten eine Wertschätzung für Kommunikationswerke und deren Macher zu vermitteln. Selbst nicht nur Sozialprestige, sondern eine angemessene Bezahlung erwartend kann es nicht sein, Kommunikation und ihre professionellen Gestalter in ihrer bisweilen nicht vorhandenen Greifbarkeit als unbedeutend, nicht bezahlenswürdig zu bestimmen. Alleine die Masse an genutzten Medien, die Beobachtung, dass ein Großteil des Smalltalks, gar intensiverer Gespräche auf Werke der Medien (Film, Buch etc. ) Bezug nehmen, zeigt, dass hier eine Wahrnehmungsdiskrepanz am Werk ist.

Übrigens: Diese Vielfältigkeit — also die heute vorhandene Möglichkeit, selbstbewusst, mit weniger Angst vor Unterdrückung der eigenen Religion, Rasse, des Geschlechts, einer sexuellen Orientierung usw. in Erscheinung zu treten, statt sich zu verstecken usw. — scheint gerade in den Augen vieler Sympathisanten radikaler Kräfte Beunruhigung auszulösen: Nicht nur, weil diese ihre von Einfachheit bestimmten Weltmodelle bedroht sehen, sondern weil solch eine Vielfältigkeit womöglich nicht in ihrer freiheitlichen Bedeutung umfassend vermittelt wird — meint: Es sollte betont werden, wie strikt es einst etwa in Deutschland zuging — das würde bisweilen nämlich auch diejenigen überraschen, die sich in Richtung Vergangenheit orientieren. An dieser Stelle wäre zum Beispiel ein fiktionales Werk wie „Das weiße Band“ anschauliches Material. Oder ein Verweis auf Fakten einer besonderen „Herzenangelegenheit“: Der geliebte Fußballsport war etwa bis Mitte der 1920er in Bayern verboten! Andererseits muss grundsätzlich über das Bedürfnis gesprochen werden, warum viele Menschen unbedingt ein einfaches Weltbild brauchen — ein Welt, in der es „wie früher“ gut und böse gibt. Obschon diese Einfachheit natürlich auch „damals“ eine Illusion war: Der Kalte Krieg ist dann ein beliebtes Beispiel für die angebliche einstige Einfachheit der Welt — natürlich sind die Machenschaften beider Blöcke in Asian, Afrika und Südamerika alles andere als eindeutig, sondern voller ambivalenter Graustufen … Sind viele Menschen nicht genügend — durch etwaige Geschichten und/oder Bildungsangebote etwa — auf die Komplexität der Welt vorbereitet, sodass sie nur mit Angst und Regression reagieren?

Diese Umsonstkultur ist hinsichtlich Facebook und Whatsapp übrigens nur eine vermeintliche: Die App und ihre Nutzung sind kostenfrei, aber nicht umsonst. Die Datensätze werden intransparenten kommerziell ausgewertet, datenschutzrechtlich fragwürdig werden alle Kontaktdaten der jeweiligen Nutzer auch abseits der App einbezogen. Kein Grund sich aber gleich betrogen zu fühlen: Angesichts einer kosten- und energieintensiven Infrastruktur könnte man sich dieses Vorgehen auch denken!

Eine weitere Rolle spielt in diesem Zusammenhang etwas, das man „Selbstmachkultur“ nennen könnte — Kunst und Gestaltung oder allgemeiner Kommunikation, alles auch digitaler Natur, werden/wird immer leichter zugänglich, partizipierbar. Leistungsstarken Endgeräten sei Dank! Das ist erst einmal wie eingangs erwähnt natürlich eine gute Sache — beides kann Selbst- und Gesellschafts-Reflexion anregen, entspannt, ist ein Ventil oder macht schlicht Spaß. Etwaige Schattenseiten sind (als Fortsetzung des anlogen, auf dem Schulhof befindlichen nun ein) digitales Mobbing, in der Anonymität erfolgende Hasstiraden. Andererseits resultiert daraus die irrtümliche Annahme, jeder könne alles selber machen — auch ohne professionelle Ausbildung und/oder Studium. Die Realität sieht aus Erfahrung des Autors dieses Blogeintrags heraus aber anders aus — kaum typografisch korrekte Texte und eine (mit der Verbreitung von Whatsapp und Co. womöglich, aber ohne eine Schuldzuschreibungen hier vornehmen zu wollen) verstärkte, kaum mehr eindeutige Formatierungen etwaiger Nachrichten (abseits des Dienstes) … Profis und eine ästhetische Grundbildung sind mehr denn je von Nöten!

Dass viele meinen, sie könnten sich zu jedem Medien- und Kunstwerk äußern, ist einerseits ebenfalls die Folge dieser vermeintlichen Zugänglichkeit, besagter Umsonstkultur und anderseits durchaus als Respektlosigkeit zu werten. Diese wiederum fußt auf dem Umstand, dass Kommunikation immer (wie erwähnt) ungreifbarer erscheint und gleichsam viele Menschen (wie ebenfalls gesagt) sehr materiell veranlagt zu sein scheinen: Seitdem DVD und sogar Blu-ray immer mehr ins Hintertreffen geraten, gibt es noch weniger, gar nichts mehr in die Regale zu stellen. Dieser Umstand scheint für viele Mensch gleichbedeutet mit „Das [≈ Kommunikation] gibt’s kaum oder nicht, wert ist es schon gar nichts …“. Das hießt natürlich nicht, die Meinungsäußerung verbieten zu wollen: Viele Werke sind geradezu darauf angewiesen, dass es Dialoge über sie gibt — nicht zuletzt damit z. B. ein Film mehr Gehör erhält, (kommerziell) erfolgreicher wird. Eine gewissen Contenance jedoch muss allerdings durchaus eingefordert werden, wie eben andere Berufsgruppen Respekt einfordern, sich bisweilen gar verbitten, Kritik an ihrer Arbeit zu üben …

Aber und damit zurück zum Thema: Im fundierten Journalismus ist es bei diesem Themenaufgriff auf Seiten der Profis durchaus auch ein Ansinnen, selbst Akzente, Recherchen oder Perspektiven zu einem Thema anzubieten/beizusteuern. Und nicht zuletzt offenbart sich hier — anders als es populistische Kräfte suggerieren wollen — eben ein Portfolio differenter Meinungen, eben auch in klassischen Medien: Denn diese kommentieren und überwachen sich gegenseitig! Das mit „den Medien“ ist also kompliziert — mehr dazu hier (Text-Serie in Arbeit)!

Natürlich sind die beschriebenen, besonders im Fokus stehenden Themen nur einige unter vielen: Energieversorgung, Modernisierung des Staatsapparates, Abbau der Bürokratie, bedingte Profession politscher Entscheidungsträger, problematischer Bildungsföderalismus, der Meinung des Autors nach einem  Über-Fokus auf MINT-Berufen — insbesondere hinsichtlich des allseits und auch im Akademischen niedrigen Levels ästhetischer Bildung und kommunikativer Fähigkeiten, in Bezug auf das kulturell und ökonomisch problematische Ausbleiben einer weitgehenden kommunikativen/medialen Förderung: Branchen, die viele Arbeitsplätze und Kapital sowie einen sozialen Mehrwert (Kunst als Mittel der Selbstreflexion) beinhalten könnten, sind vielfach in Deutschland ins Hintertreffen geraten … Solche und ähnliche Themen verschwinden bei einem einseitigen Fokus schnell aus dem Blickfeld.

Nebeneffekt einer übermäßigen Behandlung bestimmter Themen ist — abseits jenem, in die Hand insbesondere natürlich extremistischer Agitatoren zu spielen, die solche Themen am Leben halten oder überproportional verfärben wollen — eine der Beobachtung des Autors dieses Blogs nach verbreitete/sich verbreitende, bereits mehrfach erwähnte, allgemeine Angstkultur: Die Welt wird nicht nur im Kontext der Flüchtlingskrise als stark gefährlich wahrgenommen — wir haben Beispiele derart bereits behandelt. Zudem kann es zu einer Übersättigung kommen: „Muss es immer nur dieses Thema sein?“ Diese hat einen ähnlichen radikalisierenden Effekt und ist wiederum einer insgesamt verbreiteten Angstkultur „dienlich“, aber mit anderem Akzent — nach dem Motto „Wir können uns nicht mehr auf die Politiker verlassen, alles geht vor die Hunde!“. Ein Frustrationsempfinden wird also womöglich bestärkt — leider eben auch gegenüber demokratischen Kräften: Der von professionellen Politikern überbetonte Fokus auf das Thema Flüchtlingskrise hat ja sogar beinahe zum Zerfall der Regierung geführt. Es entsteht der Eindruck, zahlreiche Politiker hätten jede Bodenhaftung bzw. den Blick fürs Wesentliche oder mindestens ebenso wichtige Aspekte verloren und würden sich im Lagerdenken verlieren …

Eine letzte Schlussfolgerung des Autors dieses Eintrags in diesem Zusammenhang ist sicherlich diskutabel bzw. sie ist allerdings und deswegen ein Hypothese: Im mehr oder minder bewussten „Bühnen-Darbieten“ und der Diskussion um die Aussagen etwaiger Kräfte bzw. die bereits erwähnte Überrepräsentation selbiger Kräfte in gemäßigten und kritischen Medien wird ein Radikalitäts-Ruck womöglich tendenziell herbeigeredet. Etwa ist es schon ein große Aufwertung und löst gleichsam ein nicht minder große Irritation beim Autor dieses Blogs aus, wenn etwa in der Polit-Talkshow „Maischberger“ (13. 03. 2019) — zum Brexit und zur zweiten Ablehnung des Austrittabkommen durch das britische Unterhaus — der einzige deutsche Politiker (neben dem Luxemburger Außenminister) in der Runde von Auslandskorrespondenten und Kennern aus der AfD kommt … Ist selbige die Partei Deutschlands?

Das alles soll nun nicht heißen, dass es keine oder nur wenige extremistische Sympathisanten gibt, schon gar nicht ist die Konsequenz aus dieser Vermutung, man müsse nichts unternehmen nach dem Motte „Das wird sich schon geben!“. Die Situation in Chemnitz — welches nachhaltig durch rechtsextreme Eskapaden von sich Hören machte — ist wohl wesentlich auch dadurch entstanden, dass sich eben der gemäßigte Großteil der Bevölkerung gar nicht äußert oder wehrt — etwa hier (auf Spiegel Online) beschrieben.

Etwa ist zum Beispiel schnell und umfassend auf den wachsenden Antisemitismus hierzulande zu reagieren — es kann nicht sein, dass jüdische Bürger um ihrer Sicherheit fürchten müssen!

Gerade aber mit Blick auf die oben genannte, sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung wäre eine gewisse Mäßigung sinnvoll: So sollte etwa nicht alles Positive und Demokratische ignoriert werden, um per se eine zum Beispiel rechtsgerichtete bzw. extremistische Zukunft zu befürchten. Der Blick auf positive Menschen, Gruppen und Ereignisse abseits der Radikalen könnte nämlich inspirierende Kräfte entfalten, anhand deren etwas Positives gegen Radikale gesetzt wird, man endlich aktiv wird. Es ist zwar bedauerlicherweise eine menschliche Konstante, dass Schreckensnachrichten und Negatives mehr Nachwirkung entfaltet und damit berichtenswerter wirken. Aber vom Positiven zu berichten, könnte eben auch eine offenere Stimmungslage (als Gegenstück zur Angst) beflügeln … Wichtig ist auch hier, wie schon mehrfach angedeutet, einen Mittelweg zu finden: Positives hervorzuheben, darf nicht dazu führen, eine heile Welt zu inszenieren und Schattenseiten zu ignorieren: Antisemitismus aufzeigen und gleichsam, wie schwachsinnig er ist und wie Menschen egal, welcher Hintergründe, gut, erfolgreich und glücklich miteinander leben können! Oder auf eine andere Thematik bezogen —nämlich das Thema „Europäische Union“ und partiell mit dem Brexit besonders präsent werdender, auch in Deutschland beobachtbare Verdrossenheit gegenüber Brüssel beispielsweise. Wenn dann Formate wie das selbsternannte Rächerformat „Mario Barth deckt auf“ immer wieder betont, wie hoch der Prozentsatz des deutschen Anteils an jedem EU-Euro doch sei, ist das schon sehr nah an einer Stimmungsmache analog zum „Take back control!“. Wo bleiben dahingehend seriöse Kommunikatoren, um — eben auch immer wieder, damit es nachhaltig bekannt und gefestigt wird — zu erklären, dass die nun monierte Abhängigkeit seit Jahrzenten Frieden sichert und gerade die Schaffung von Abhängigkeiten im Zentrum der Initiative stand und steht?

Strategie II: Attitüden hinter sich lassen! Akademiker aufgepasst!

Fragen sie sich auch manchmal, warum im Angesicht wichtiger sozialer, globaler und medientheoretischer Entwicklungen Universitäten kaum an öffentlichen Debatten teilhaben? Hierfür gibt es mehrere Gründe — und diese bewegen sich in einem Spektrum zwischen partieller Nachvollziehbarkeit als auch Unverständnis: Letzteres stellt sich teilweise — keine Pauschalisierung beabsichtigt — in Anbetracht der dort arbeitenden Menschen ein, welches es im Selbstverständnis und mit Blick auf den etwaigen Bildungshintergrund ja eigentlich besser wissen sollten. Sie sollten (neue) Wege finden, um in jenen ins Extremistische abgleitenden Diskursen korrigierend oder aufklärend einzugreifen. Wir kommen gleich noch darauf im Detail zurück — zunächst aber zu den Basics:

Die „Nicht-Teilhabe“ liegt natürlich zum einen darin begründet, dass fachkundige Kommunikatoren naturgemäß nicht derart laut sind, sein können und sollten wie die vereinfachten und provokanten Aussagen etwaiger Radikaler. Besagte geringe Präsenz ist aber auch darauf zurück zu führen, dass zum anderen gar keine Öffentlichkeit angesprochen wird — einmal weil nun, wie in jeder Disziplin, Dinge vorausgesetzt werden oder ein bestimmter Sprachgebrauch zur Anwendung kommt, der für Außenstehende schwer zu verstehen ist.

Derart begrenzte Schnittstellen (zwischen verschiedenen Gesellschaftsbereichen) gründen natürlich auch auf dem Umstand, dass Kommunikation vielfach dem Atmen ähnlich als gegeben betrachtet wird: Jeder kann es (das Kommunizieren), sie muss nicht im Detail erlernt werden ——— so zumindest die der Erfahrung des Autors entsprechende verbreitete Annahme. Analog, aber auch im Gegensatz dazu, ist immer eine bestimmte Aussage im universitären Feld, gar allgemein im akademischen Kreis zu hören: „Junge Leute können nicht (mehr) richtig formulieren, beherrschen weder Rechtschreibung noch Grammatik!“ Blöd dabei ist nur, dass Typografie — also die (d. h., kommunikativ und ästhetisch) korrekte Anwendung von Schriftzeichen, eine zielgerichtete (zum Thema/zur Leserschaft passende) Wahl von Schriften und Layouts — dann aber gerade durch jene, die besagte Aussage tätigen, regelmäßig ignoriert wird. Auf die Relevanz solcher typografischen Maßnahmen angesprochen wird meist entgegnet, dass es sich bei solchen gestalterischen Entscheidungen nur um Verpackung handelte — ohnehin der Inhalt vor allem zählte: Das nun könnte man auch bezüglich Rechtschreibung und Grammatik ausrufen, oder nicht?

Sicherlich ist diese Haltung durch das wohl verbreiteste Textverarbeitungsprogramm Word begünstigt worden: Denn das Programm ist in vielerlei Hinsicht nicht über das Schreibmaschinenzeitalter hinausgekommen. Folglich werden im nummerischen Datum keine Lehrzeichen gesetzt, Schriften verzerrt und falsche Kapitälchen genutzt! Beides übrigens lässt sich von Kennern sofort identifizieren und macht keinen guten Eindruck — in jedem Fall wird Kommunikation unterbewusst ungenau! Zudem werden geradezu massenhaft von Akademikern falsche Anführungszeichen genutzt — so in einem vom Autor dieses Beitrags zu Beginn des Studiums erworbenen Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten. Einem Buch also, welches sich u. a. mit korrekten Zitierweisen auseinandersetzt, auf Präzision und Gewissenhaftigkeit in der Kennzeichnung etwaiger Quellen (natürlich zurecht) verweist. In diesem Werk nun finden sich fast auf jeder Seite zahlreiche typografische Fehler — kaum korrekte Anführungszeichen, stattdessen Zollzeichen oder englische Anführungszeichen. Dieser Umstand ist nicht nur eine Dekonstruktion des eigentlichen Anliegens dieser Autoren, sondern auch der Lektorats- bzw. Verlagsverantwortlichen, die dieses Buch so in den Druck haben gehen lassen. Das Buch ist zudem ein Beispiel dafür, dass die angebliche „Verlagsadelung“ („Der Verlag hat meinen Text angenommen — er ist also gut oder hat zumindest Potential!“) mehr und mehr Relevanz verliert. Abseits etwaiger durch den Verlag offerierter Vertriebswege ist das Werk also ausschließlich auf den Autor zurückzuführen.

Dann wird regelmäßig allerseits — Sie kennen es — jede Einladungskarte oder jeder schriftliche Hinweis (etwa zur Handhabung der Kaffee-Maschine) zentriert gesetzt. Denn, so die verbreitete Annahme, damit wirke der Text harmonisch, weil eben mittig. Auch auf dieses Missverständnis angesprochen (nämlich, dass Zentriertes schlecht zu lesen ist) wird — trotzig — gesagt, dass es ohnehin nicht „drauf ankäme“. Nur weil man aber etwas nicht beherrscht, es als unnütz abzustempeln, ist eine beliebte Strategie im Glaube, so könnte eine souveräne Außenwirkung erzielt werden — oft sind derartige Abwertungen aber als vorauseilende Entschuldigung zu verstehen. Die kommunikative Ganzheitlichkeit zwischen Inhalt, Strukturierung (≈ Narration) und Design und deren Potentialen, auch außerhalb der eigenen Gruppe Menschen anzusprechen, wird also unterschätzt.

Warum dieser Exkurs, schließlich können Sie hier (im Blog) hinsichtlich Formatierung dezidiert mehr erfahren? Es sollte gezeigt werden, wie im akademischen Feld (und daran angekoppelt im Verlagswesen) Anspruch und Wirklichkeit bisweilen auseinander gehen — gerade hinsichtlich kommunikativer Aspekte. In Bezug auf den in der ersten Strategie getätigten Verweis auf ein kommunikative Ganzheitlichkeit wird hier deutlich, dass Akademiker sich dieser — im Volumen von (eben auch unseriöser) Quellen — mehr den je notwendigen Fähigkeiten annehmen müssen! Unseriöse Kräfte verstehen sich oft auf gutes Design und geschickte Kommunikation — nicht, weil es so einfach ist, sondern sie mit Inhalt über Stereotypen und Klischees hinaus ja nicht aufwarten können. Das ist quasi ein entgegengesetzte Ungleichgewicht zur akademischen Situation: Dort mag der Inhalt tendenziell war vorliegen, aber die Aufbereitung (und damit das Design) sind nicht vorhanden. Richtig wäre es, beide Elemente als gleichwertig zu betrachten. Und daran anschließend soll hier die Notwendigkeit einer über das Akademische hinausgehenden kommunikativen Grundbildung betont werden, zumindest darauf verwiesen werden, dass im Zweifelsfall ein Profi hinzugezogen gehört.

Neben der typografischen Unzulänglichkeit und etwaigen „branchentypischen“ Fremdwörter, welche natürlich auch in einem Nebensatz erklärt werden könnten, ist auch der Gebrauch etwaiger Buzzword diskutabel: Zugegeben, eines davon wird auch in diesem Blog mehrfach genutzt, nämlich das der Meta-Ebene ≈ einer Über- oder Zwischenebene … Der Begriff soll größere Zusammenhänge beschreiben; etwas zwischen den Zeilen, nicht unbedingt greifbar; ein Netzwerk, das mehr Komplexität aufweist als die einzelnen Teile oder das Augenscheinliche. Richtig, Buzzwords sind ja eigentlich im Sinne des Vorhergehenden zu verstehen — sie beinhalten also potentiell eine Brückenfunktion, werden in vielen gesellschaftlichen Bereichen vermeintlich verstanden. Die Vermeintlichkeit zeigt sich aber daran, dass diese Begriffe oft so unkonkret sind, dass sie alles oder nichts bedeuten können.

Der Erfahrung des Autors nach gerade bzw. schon einige Zeit aktuelle Buzzwords sind zum Beispiel „Nachhaltigkeit“ und „Digitalisierung“: Nahezu alles ist oder will es sein — „nachhaltig“. Was der Begriff meint, scheint dabei zu variieren: Umweltverträglichkeit in Herstellung, in Nutzung, Ausgleich für verbrauchte Ressourcen, Recycling, Blick auf die Zukunft/Denken an künftige Generationen, lange Haltbarkeit, einfach nur Langfristigkeit, Sparen (Energie, Fleisch …), Tierschutz, Gesund oder giftfrei, Glaube/Illusion des Guten oder des Individuellen statt Masse … Oft wird dann so Markiertes zur einer Blackbox — etwa das Elektroauto: Auf den Hof gestellt wirkt es zweifellos nachhaltig, da kein direkter Treibstoffausstoß, ggf. mit erneuerbarer Energie betreibbar. Da wird dann die bisher noch (in Relation zum konventionellen Motor) energieaufwendige Produktion übersehen, die problematische Gewinnung seltener Erden aus Krisenregionen ignoriert.

Auch „digital“ ist alles: Was soll denn bitte ein digitaler Motor (innerhalb eines Staubsaugers) sein? Oder umgekehrt: Wenn er durch digitale Technik gesteuert wird, ist dann nicht fast jeder Motor unserer Gegenwart ein digitaler? 2018/2019 ist vom digitalen Wandel und einer entsprechenden Revolution die Rede, als ob beides noch im Kommen befindlich wäre. Richtiger wäre es, festzuhalten, dass sich Entsprechendes in vielen Bereichen längst vollzogen hat. Selbst beinahe jedes auf Papier erscheinende Buch ist digital geschrieben und druckbereit gemacht worden — Word, InCopy, Photoshop, Indesign etc. Wir kommen gleich nochmal auf das „Potential“ des Begriffs als nicht zuletzt akademischer Sündenbock zurück.

Als weitere Beispiele taugen geisteswissenschaftliche Überschriften. Gemeint sind nicht unbedingt solche, die eben in Fachsprache für Außenstehende unverständlich das Thema beschreiben. Vielmehr geht es um jene Überschriften, die alles oder nichts sein können. Gemeint sind zudem jene Text, in denen sich hinter vielen Worten oft sehr einfache Konzepte verstecken oder bekannte Elemente nur wiederholen: Das kann fruchtbar sein — ein neuer Sachverhalt kann mit etablierten Elementen kombiniert werden, ein anderer Blickwinkel zusätzliche Potentiale einer bereits bekannten Theorie offenbaren. Aber auch die Wissenschaft kann sich, wie jeder Gesellschaftsbereich, bisweilen (hier erneut) einem mehr oder minder bewussten Marketing, hier einem „Wissenschaftsmarketing“ hingeben: Ein erstes Beispiel ist das sogenannte „Neuromarketing“. Es kann als partielle „Neu-Labelung“ verstanden werden — mehr oder minder Bekanntes wird unter neuem Namen als ebenso neuartig empfunden, ähnlicher einer Mode oder der Referenzialität im Pop oder analog z. B. auch zur Kunstepoche der Renaissance wird das „Alte“ nicht wiederholt, sondern neu interpretiert. Besagtes Konzept erkundet in diesem Sinne durchaus innovativ Kommunikationsmaßnahmen, eben primär der Werbung. Durch neurologische Untersuchungsmethoden werden diese empirisch unterfüttert, praktische Ableitungen werden möglich (als Werbemaßname zum Beispiel) — durchaus gewinnbringend für Praktiker und Theoretiker gleichermaßen! Der Meinung des Autors nach werden allerdings in dieser Theorie auch recht kausale Denk- und Reiz-Reaktionsschemen genutzt, die durchaus im Widerspruch zum tatsächlichen bzw. niemals hundertprozentigen Kommunikations- respektive Werbeerfolg stehen. Erneut soll dieser Exkurs auf ein eben auch fragwürdiges Kommunikationsverständnis verweisen und ein potentielle Anfälligkeit durch dieses Nichtwissen betonen.

Die Nicht-Aufbereitung eines Textes — einfache Sprache, Konzepte erklären, um sie einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen — gründet auch auf dem Umstand, selbiges gar nicht zu wollen. Auch dies könnte als eine Art von Marketing gewertet werden: Man will unter sich bleiben, könnte überspitzt behauptet werden — hat sich selbst gegenüber „den Anderen“ als Zielgruppe definiert. Dabei handelt es sich womöglich um einen sogenannten „Habitus“ — um einen bestimmten Kanon von Attitüde, Werten und Verhaltensweisen innerhalb einer sozialen Gruppe. Ein dahingehendes, wenig schmeichelhaftes Beispiel haben wir gerade gesehen — die „Verlagsadelung“, welche unreflektiert als Orientierung in Wissenschaft und bisweilen Öffentlichkeit akzeptiert wird. Habitus muss aber natürlich nichts Schlechtes (oder Gutes) sein, es ist schlicht eine bisweilen unreflektierte Komponente jeder Ansammlung von Menschen: In diesem Fall eben als Text, der für eine Fachveröffentlichung und entsprechende Zielgruppe gedacht war. Darüber hinaus kann dieser Habitus ebenso mehr oder minder bewusst nach Außen und Innen „gepflegt“ bzw. entsprechend eingesetzt werden — um Zusammenhalt zu erreichen, einen bestimmten Status zu kommunizieren. Und auch das ist nicht „gut“ oder „schlecht“, aber bisweilen ambivalent und zwiespältig. Und das bedeutet wiederum auch, gewisse Meinungen oder Konzepte werden von jenen, die dem jeweiligen sozialen Verband zugehörig sein wollen, unreflektiert „übernommen“: „Das sagt man eben so!“ „So macht man das bei uns!“

Möglicherweise bedeutet dies aber auch, Sie können es sich vorstellen, dass die hier behandelten Gruppen zu einer Arroganz oder Überheblichkeit tendieren, nicht zuletzt der angeblichen Bildung nach oder analog zu einem historisch abgeleiteten Elitedenken — der Dorflehrer, -Pfarrer, -Jurist, -Arzt. Natürlich wäre eine Pauschalisierung unangebracht, nicht „alle“ sind „so“, noch sind solche Eliten heute immer noch wirklich präsent oder einflussreich. Es geht hier um ein aus der Erfahrung des Autors dieses Blogeintrags heraus aber durchaus gelegentliches Auftreten — manchmal auch eben deshalb, weil der alte Status nicht mehr „wirklich“ ist.

Die Konsequenzen solch eines Verhaltes und Selbstverständnisses sind groß — nämlich im Extremfall ein Systemversagen, mindestens die Fortsetzung eines bisweilen fehlerhaften Kreislaufs kann die Folge sein: Schon intern — also im akademischen Feld oder uni-intern — sind diesbezügliche Konsequenzen erkennbar: So ist es — aus Perspektive des Blogautors — erschreckend, wie sehr Wissenschaftler sich um Abgrenzung von anderen Akademikern bemühen (und umgekehrt) ——— insbesondere hinsichtlich des in diesem Blog fokussierten Feldes der Medien. Im Marketing Forschende kennen medienwissenschaftliche Theorien und Grundlagenwerke nicht, erstellen schließlich Arbeiten mit längst überholten Inhalten. Medienwissenschaftler — also theoretisch über Medien und einzelne Werke forschend — habe zum Teil wenig Respekt vor denen, die die von ihnen analysierten Werke geschaffen haben. Es ist schon paradox, Werke für ihre Komplexität zu loben, den (studierten) Kreativen aber selbige abzusprechen. Besonders interessant ist es dann, wenn die Theoretiker nach dem Studium auch noch praktische Berufe anstreben. Oft folgt dann nämlich die eigentliche Berufsbildung mühsam uni-extern beim Arbeitgeber — fatal unterschätzt wird nämlich, dass etwas zu analysieren noch lange nicht befähigt, es selbst umzusetzen.

Statt Meta-Ebenen, Kommunikation an sich zu behandeln, wird Komplexität also oft ignoriert. Eigentlich gebildete und sich bisweilen als Elite begreifende Menschen fördern bisweilen Stereotypen und Schubladen, erstellen sie sogar bisweilen. Eingängige Beispiele sind etwa die „Digitalisierung“ — dazu wie gesagt gleich mehr — oder das verbreitete Schlagwort „Interdisziplinarität“. Angesichts der oben beschriebenen Haltung bleibt letztgenannte regelmäßig — aus der Erfahrung des Autors dieses Blog-Eintrags heraus — auf ein Minimum beschränkt: Statt Vertreter aus Praxis und Theorie werden regelmäßig „nur“ graduell differente Akteure zusammengebracht — ggf. verschiedene Theoriefelder. Und bitte: Dass muss nicht schlecht sein oder sinnlos, schließlich ist ein konzentrierte Fokus bisweilen gewinnbringend. Hier soll lediglich gefragt werden, ob es nicht besonders für die universitäre Forschung ertragreich wäre, einen Schritt weiter zu gehen … eben die Angst zu überwinden, dass durch die Konfrontation von Theorie und Praxis Weltbilder zerstört werden.

Anschließend ließe sich fragen, warum heute immer noch, trotz vieler spezialisierter Studiengänge, unspezifisch Stellen besetzt werden — etwa so: ≈ Germanistik für die Stelle des Pressesprechers etc. Dahinter steckt der Glaube, durch geistige Freiheit und wenige Vorgaben innerhalb des Studiums, wenige Konkretisierungen würden wichtige, gar universelle Denkprozesse als Metafähigkeiten selbstständig ausgeformt. Anhand derer — via eines Handwerkszeugs quasi — soll dann ein breites Spektrum von Tätigkeiten und dann Berufen möglich werden. Allerdings müssen die konkreten Fähigkeiten (wie gesagt) teilweise erst vor Ort erlernt werden.

Dieser Freiheitsgedanke ist natürlich grundsätzlich keine falsche Annahme oder Ausgangslage, muss hier bestätigt werden. Schließlich geht es in diesem Blog — mit Fokus auf Kommunikation und der Forderung einer kommunikativen Grundbildung — ja auch um einen Überbau, eine Meta-Ebene. Doch ließe sich kritisch fragen, ob der Grad der Unbestimmtheit in solch traditionellen Studiengängen nicht zu groß bemessen ist/in Teilen einer antrainierten Entrückung gleichkommt — angesichts der offenbaren Probleme, die Absolventen klassischer Studiengänge, trotz ihrer Bildung, mit der Komplexität der Welt haben: etablierte und gebildete Politiker in populistischen Bewegungen, die einfache Sündenböcke kreieren; Ingenieure, die auf Grund ihrer rein theoretischen Sichtweise und dem Glauben, daraus abgeleitet alle Konstruktionsarbeiten beurteilen zu können, keine Handwerker mehr finden (Spiegel Online); Gebildete, die am Tag des Misstrauensvotums/ nach dem (ersten) Scheitern des Brexit-Abkommens der britischen Premierministerin, May, über die Höhe von Briefschlitzen debattieren — Werbung für die mindestens in ihrem Marketing erfolgreichen (die bisweilen unhinterfragte Ehrfurcht gegenüber) britischen Elite-Unis ist letztgenanntes Beispiel jedenfalls nicht.

Aber es gilt noch einmal zu betonen, hier soll gleichsam keine Pauschalisierung vorgenommen werden. Mit der gewissen, hier zur Anwendung kommenden Polemik soll eben gezeigt werden, wie schnell  bisweilen zu beobachtende „traditionelle“ Selbstdarstellungen in die Hände derer spielen, die sich (wie gesagt nur zur Illusion) als Elitekritiker begreifen!

Dennoch lässt sich durchaus fragen, ob eine nicht zumindest gewisse Spezialisierung inklusive Weitsicht dem Berufseinstieg und eine gesellschaftlichen Miteinander dienlich ist. Zudem wird in einem Zeitalter immer komplexerer und gleichsam spezifischerer Tätigkeiten einerseits und der Notwendigkeit, verschiedene Systeme (wie das hier skizzierte akademische) Miteinander in Verbindung zu setzen andererseits ein konkreteres und gleichsam multiperspektivisches Studium notwendig. Der Kritik, solche (oft fachhochschulgebundenen) Studiengänge zwischen Spezifik und Brückenbauerfunktion wären zu eng gefasst und von Verschulung geprägt, muss entgegen gehalten werde, dass sie sehr wohl verschiedenste Aspekte einbringen, manchmal sogar mehr als die angeblich offen gehaltenen klassischen Studiengänge — etwa hinsichtlich des skizierten Verhältnisse von Theorie und Praxis: Denn aller Kritik der Verschulung zum Trotz wird eine Designer im FH-Bachelor „genötigt“, mehrere Disziplinen der Gestaltung UND Theorie grundlegend zu beherrschen. Hingegen einem Absolvent des gleichen Abschlusses an der Uni oft derart von Anbeginn eine Spezialisierung ermöglicht wird, sodass der Bachelor-Abschluss „Mediendesigner“ gar nicht mehr zutrifft, weil ungeliebte Medien oder Theorie-Module eben nie gewählt und damit erlernt wurden. In Bezug zur Theorie meint dies, dass FHs oft eine Theorieanteil von 40—50 % anbieten! So ist es zumindest die persönliche Erfahrung des Autors dieses Blog-Eintrags.

Kommen wir nun zu einem einschlägigen medienbezogenen und gleichsam darüber hinausgehenden Beispiel, wie sich eine akademische Attitüde zeigt: Auch oder gerade Akademiker der Theorie erweisen sich der Erfahrung des Autors dieses Blogs nach als anfällig für einige Stereotypen. Erst jüngst stieß der Autor auf ein Interview mit einem Soziologen, der sich darüber äußert, ob bzw. konkret warum E-Sport, also sportlich betriebene/im Wettkampf ausgetragene Computerspiele, seiner Meinung nach keine Sport sind: Da werden vor allem die Kommerzialisierung des E-Sports, die mangelnde Bildung und Gerechtigkeit bzw. Fairness dieser Tätigkeit als Grundlage angeführt.

Das überrascht schon sehr, wo doch der Fußball selbst in niedrigen Ligen von Geldgeschäften (Sponsoren, Wetten etc.) durchsetzt ist. Und wo bleibt die Vorbildfunktion im Zeitalter protziger Fußballprofis, die oft keine Mäßigung auf dem Platz und abseits desselbigen kennen (≈ Partyexzesse, Gewalt, vergoldete Nahrung)? Auch erschließt sich der Bildungsauftrag nur bedingt, wo doch viele Profis sich am Ende ihrer Kariere, meist in relativ jungen Jahren also, bisweilen — so ein Eindruck — verloren zu fühlen scheinen. Sicherlich gelingt es Sport und natürlich Fußball (aller kommerzieller Prägungen zum Trotz), großen Gruppen von Menschen ein soziales Umfeld, gar Halt zu bieten — also eine wichtige gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Aber warum können eingetragene E-Sportvereine nicht Ähnliches leisten? Dass Computerspiele kein Sport seien, scheint also bisweilen sehr selektiv…

War in dem als Beispiel angeführten Interview/in den dort getätigten Aussagen also nur der Wunsch am Werk, im Sinne akademischer Veröffentlichungszwänge zu kommunizieren, was leider auch dazu führen kann, nicht besonders fundiert zu argumentieren? Paradoxerweise — weil ja eingangs gesagt wurde, eine universitäre Teilhabe an größeren Debatte bleibe aus — ist das Publizieren essentiell für Wissenschaftskarrieren, was wiederum zur Textmehrfachnutzungen oder qualitativen Schwächen führen kann. Oder ist alles ganz anders? Wurden in diesem Beispiel zum Zweck öffentlichkeitswirksamen Publizierens Schubladen durchaus kalkuliert bedient, also versucht, auf große Reichweite versprechende „Knöpfe“ zu drücken? Schließlich ist E-Sport auch unter dem Schlagwort „Ballerspiele“, welches allerdings im besagten Artikel der Ehrlichkeit halber nicht direkt zelebriert wurde, ein hoch ausgeladenes Feld. Zudem wird etwa auf einen kommenden Vortrag des Soziologen verwiesen (und auch dafür Aufmerksamkeit generiert?), gleichsam aber mehr oder minder ehrlich im Nebensatz zugegeben, selbst gar keine Computerspiele zu nutzen … Derartiges — zwischen Mäßigung (keine Ballerspielklischees), Sendebedürfnis, methodischen Schwächen, Unsauberkeiten in der Recherche oder der problematischen Gleichsetzung eigener Präferenzen und Analyseresultaten — fördert natürlich die Außenwahrnehmung der Geisteswissenschaft oder kommunikativer Felder nicht (oben: „Das ist ja nichts …“).

Insgesamt beschleicht einen der Eindruck, auch medienbezüglich würden immer die gleichen Themen behandelt werden: Das bedeutet natürlich nicht, dass selbige irrelevant sind — der Komplex, wie Medien auf Menschen wirken und umkehrt, ist mehr denn je zu diskutieren: Man könnte gar sagen, es gibt nichts außerhalb von Medien — Freunde sind Medien, das soziale Umfeld, der Marktplatz usw. Das gemeinhin verbreitete Verständnis von dem, was Medien sind — nämlich Print, Film, ggf. Neue Medien (auch so eine Schublade) —, versperrt oft den Blick, wie weitreichend Medien eigentlich zu verstehen sind … Es gibt — wie mehrfach angedeutet — also viel zu tun!

Wenig hilfreich ist es dann um so mehr, Vorurteile aufrecht zu halten — etwa in Form eines Evergreens in diesem Feld und eines jüngst aktuell gewordenen Beispiels: So ist es allen voran das Fernsehen und neuerdings die Digitalisierung, die als scheinbar eindeutige Faktoren negativ verstandener gesellschaftlicher Umbrüche, gar als Sündenböcke herhalten dürfen: Das Fernsehen ist spätestens seit Adornos Analyse des sich etablierenden Mediums in den USA der 1950er Jahre ein anhaltender Dorn im Auge einiger Intellektueller — wenn sich zumindest ein partieller Wandel diesbezüglich abzeichnet, etwa mit einer wissenschaftlichen Disziplin wie der der Populären Kulturen, die abseits einer Hochkulturdebatte Medien betrachtet. Dennoch gilt das (Bewegt-)Bild immer noch als einfach zu verstehen und mächtig — warum scheitern dann so viele visuelle Werbungmaßnahmen oder Filme? Umgekehrt: Was ist mit besagtem, im Feuilleton gepriesenen fiktionalen, sogenannten Qualitätsfernsehserien als (abseits einer marketingtechnischen Implikation belegbares) audiovisuelles Gegenbeispiel zur angeblichen Trivialität?

Wenn Akademiker*innen immer wieder behaupten, bestimmte Medien schaden, andere wäre besonders gut, gar geistig gesundheitsförderlich, ist das natürlich einerseits der Versuch — gegen das eigentliche Selbstverständnis hoher und damit eigentlich auf Komplexität vorbereitender Bildung (so die vielleicht naive Annahme) —, ein einfaches Weltbild zu kreieren. Dadurch drückt sich quasi auch das offenbar allerseits vorhandene Bedürfnis nach solchen (fatalen) Einfachheiten, also eine Differenz zw. gut und böse, aus … Dabei wird insbesondere die Verehrung des Buchs beinahe zu einem Tick — angeblich anspruchsvoll, da dort alles imaginiert werden muss — eben nicht wie beim „einfachen“ Bild. Natürlich wird bei dieser simplen Vorstellung unterschlagen, dass das Bild wie oben erwähnt sicherlich nicht derart kausal-wirkungsvoll beschrieben werden kann. Vielmehr ist ein Bild immer nur ein Ausschnitt einer Welt ist: Kamerawinkel, Perspektiven, Kadrierung, Schnitt usw. Auch Bilder sind wie viele Texte also nur Fragmente, Wesentliches muss durch den Leser bzw. Seher ergänzt werden. Denken Sie nur an die vielen Filme, in denen etwas nicht gezeigt oder ausgesprochen wird — und dann geistig komplementiert werden muss: im Horror-Genre etwa. Überdies muss das Interpretieren von Bildern erlernt werden, wie auch das Lesen trainiert werden muss. Wobei das Erlernen eben natürlich anders verläuft — oft als unbewusster Vorgang von Kindheitstagen an hinsichtlich des Films. Womöglich kommt es auch deshalb zu den differenten Werturteilen. Insgesamt ist aber ohnehin arg zu bezweifelten, dass in der Flut täglicher Print-Veröffentlichungen mehr „Gutes“ zu finden ist als in der Flut bewegtbildmedialer Werke!

Aber diese Offenheit gegenüber anderen Medienformen erfordert natürlich Vorwissen, eine gewisse Übung — Dinge, die, so möchte es der Autor dieses Blogeintrags verlangen, dringend künftigen Generationen anhand eines die (auch bei Studenten erwartete bzw.) anvisierte Transferleistung aus differenten fachspezifischen Medienbezügen kanalisierenden und Kommunikation aufbereitenden Faches gelehrt werden sollte. Erwachsene sollte nicht auf die vermeintliche Einfachheit der Kommunikation (im Sinne von „Jeder kann es!“) und ihrer Handhabung hereinfallen. Stattdessen sollten sie sich erstens bewusst mache, dass Kommunikation nutzen oder selbst zu kommunizieren auch im alter weiterhin zu erlernender Komplex ist. Zum anderen sollten sie offen gegenüber einer Reflexion auch des Unbewussten in seiner Alltäglichkeit (eben das Kommunikative/Mediale um uns herum) verhalten — auch auf die „Gefahr“ hin, dass einst zweidimensionale Weltbilder komplexer werden. Schließlich wird aus Perspektive des Autors dieses Blogs mit der Akzeptanz gewisser Komplexität und Kontingenzen (da alles auch anders sein kann) ein Zurechtkommen in der Welt begünstigt, zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht, Mechanismen populistischer Kräfte zu erkennen.

Dennoch (wie im Rahmen der ersten Strategie bereits behandelt): Es lässt sich gegenwärtig, und zwar nicht nur hinsichtlich der genannten Beispiele, sondern allgemein eine omnipräsente Furcht und Angst beobachten. Zwar wird die Welt sicherer (schauen Sie mal hier — Spiegel Online), aber so nehmen sie viele nicht wahr. Wichtig hier nochmal: Bei solch einer Stimmung sind natürlich vermeintlich einfache Modelle (zusätzlich oder wieder) verführerisch — wie gesehen von „besser“ und „schlechter“ zu sprechen, ist medienbezüglich ein alter Hut.

Solche immer wieder Behandlung findende Sündenböcke sind umgekehrt geschickte, wenn auch fragwürdige Mittel, um eine Leserschaft, die sich solchen Selbstverständnissen bzw. einem entsprechenden Habitus mehr oder minder bewusst verpflichtet fühlt, anzusprechen. Weitergedacht könnte dieses Vorgehen dann eben auch den fragwürdigen Strategien der Populisten zugeordnet werden … Mit Blick wieder auf etwaige Mediendiskurse reicht meist schon ein „Fernsehen verdummt!“ oder „Digitale Medien machen dick!“ in der Überschrift und Aufmerksamkeit in bestimmten Milieus ist Ihrem Text sicher — noch eine Form von akademischen Marketing also, wir haben hinsichtlich Computerspiele ein mögliches Beispiel gesehen. Die Frage ist allerdings, ob damit der Wissenschaft oder Ihren Lesern ein Dienst erwiesen wird … Insgesamt wird hier deutlich, dass ein Überlegenheitsgefühl angreifbar macht: Das sogenannte No-frills-Design versucht sich durchaus teilanalog zu der bisher skizzierten Zielgruppe daran, in der Außenwahrnehmung kein Design zu sein: „Das Status-Symbol für alle, die kein Statussymbol brauchen!“

(Selbst) Medienbezüglich forschende Akademiker*innen sind wohl auch aus diesem Hintergrund heraus anfällig für den Hype um das sogenannte „Qualitätsfernsehen“. Wenig überraschend hat der Begriff seine Wurzeln durchaus im Marketing: Zwar taucht er augenscheinlich erstmals im wissenschaftlichen Kontext auf, aber als Teil eines Sammelbands, der eine bestimmte US-Fernsehproduktionsfirma und deren Bestreben, sich erstmals stärker über Qualität bzw. die Betonung selbiger zu definieren versuchte, behandelt: Mehr dazu hier (Buchseite — Empfehlung/Werbung)! In der Folge gelten Qualitätsfernsehformate anhand eines (zweifelslos diskutablen) Katalogs von Kriterien bestimmbar: Sie sind sozialkritisch, haben zwiespältige bis ambivalente, realistische Charaktere, weisen ein Netzwerk von Figuren auf, komplexe Handlungen und Erzählweisen — meist in einer progressiven Serialität: also Handlungsbögen, die sich über eine einzelne Episode hinaus erstrecken; zudem sind sie von einer dem Kino (als nicht zuletzt wesentlich etablierteres, akademisch anerkanntes Medium) ähnlichen oder von einer mittlerweile mit diesem gleichziehenden bis selbiges übertreffenden audiovisuellen Gestaltung/Erzählung geprägt. Eine Art (erneut fragwürden, da natürlich vereinfachenden, aber sicherlich als Instrument (auch Kreativer), das „aus Tradition“ abgewertete Medium in den Fokus zu rücken, bisweilen zweckmäßigen) Must-see-Kanon bilden folgende Serien: „Breaking Bad“, „The Wire“, „The Sopranos“, „Mad Men“, „Game of Thrones“ …

Nicht direkt diesem Kriterienkatalog zugehörig ist der Umstand, dass entsprechende Werke bei Pay-TV- und in einer Weiterentwicklung auf Video-on-Demand-Plattformen zu finden sind respektive von diesen produziert werden. Die bisweilen unbequemen Werke können so auch bei geringer Quote lukrativ werden — diese Distributoren ermöglichen quasi das „Hochwertige“ erst. Das Programm ist nun durch individuelle Vorlieben gestaltbar, zum individuellen Zeitpunkt und Ort sowie hinsichtlich der Episodenvolumen theoretisch nach Gutdünken abrufbar. Zwar eigentlich ein Hinweis darauf, dass die ihrer künstlerischen Güte halber gepriesenen Werke eben auch kommerzielle Produkte sind, wird diesbezüglich vor allem zu betonen versucht, dass die Werke nicht mehr Fernsehen seien! Tatsächlich ergänzen Mediatheken lineare Kanäle, automatische Weiterleitungen und Eigenwerbung bei den VODs ähneln dem klassischen, linearen Fernsehen. Zeit- und Dramaturgiestrukturen entsprechen einander, Formate werden von einem an den anderen Distributor verkauft, müssen in beiden Fällen funktionieren usw. — ein partiell überschätzter Umbruch also!

Bevor hier der umgekehrt falsche Eindruck entsteht, nämlich dass gar nichts dran ist an dem Hype um etwaige Werke: Es lassen sich ihre künstlerischen, sozialkritischen Komponenten nicht ignorieren und durchaus belegen, dass solche Serien audiovisuellen Gesellschaftsromanen ebenbürtig sein können. Und: Wenn auch Netflix nicht der erste On-Demand-Anbieter ist, noch für viele — mit Ausnahme einschlägiger (wenn partiell mittlerweile auch unrühmlich bekannte) Aushängeschilder wie „House of Cards“ — derartig gepriesene Werke verantwortlich zeichnet, so haben Netflix und andere Plattformen tatsächlich nachhaltig das Fernsehen verändert: Jüngere Menschen sind nur noch wenig bis kaum mit dem klassischen Fernsehen vertraut.

Schließlich möchte der Autor dieses Eintrags sogar soweit gehen, zu behaupten, dass das Ignorieren des Mediums Fernsehen in seiner Gesamtheit — also auch jener Teile, die nicht on-demand rezipierbar sind oder über das Feuilleton „geadelt“ wurden — für Erwachsene Konsequenzen hat: Die redundante, dann oft sehr komplexe Narration, die ambivalenten Motive und Ereignisse, die vielschichten Charaktere voller Graustufen, die Spieglung etwaiger Zielgruppenbedürfnisse, die Ko-Kreation etwaiger Verlangen usw. — solch fiktionalen Elemente und die Reflexion derselben können/kann auch Erwachsenen helfen, sich besser mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Insbesondere das serielle Erzählen kann auf das vielfach Serielle (Erzählen) unserer Welt vorbereiten — etwa die provokante, mit Cliffhangern versehene Twitter-Nutzung einschlägiger Politiker, die reflexartige eine große Reichweite generieren soll und vermag. Das Wissen um das Serielle könnte diesem Drang, zu reagieren und damit diese unbeabsichtigte Hilfeleistung für etwaige Populisten unterbinden (Siehe Strategie 1).

An dieser Stellen haben wird es noch mit einer weiteren Attitüde zutun — nämlich zu behaupten, dass das Geschichtenerzählen und -Rezipieren was für Kinder ist (was bereits einführend angerissen wurde). Damit will der/die jeweilige Redner*in zweifelsohne betonen, im realen Leben angekommen, erwachsen und aufgeklärt zu sein. Aber: Geschichten sind nicht nur für Kinder ein essentieller Schlüssel zur Welt, im Sinne eines lebenslangen Lernens können sie auch für Erwachsene sinnvoll sein, in einer technologischen, sich sozial schnell entwickelnden Welt zurecht zu kommen. Geschichten, gerade fiktive, gerade unterhaltende Formen können dabei durch den fiktiven „Umweg“, der eben nicht mit der vorherrschenden Realität übereinstimmt (allen voran: Science Fiction und Fantasy), Reflexion anregen. Und klar, der Begriff „Unterhaltung“ ist wie die vorhergehenden äußerst negativ aufgeladen. Unterhaltung ist ja angeblich trivial — ein wenig wird dann immer im Sinne einer abgedroschenen Weisheit argumentiert: „Medizin, die gut schmeckt, taugt nichts!“ Die Quasi-Labelung wiederum hat bisweilen sogar umgekehrte, also unbeabsichtigte, dem schwarz-weißen Hochkulturgedanken entgegengesetzte Konsequenzen: Derartig gepriesene Dinge werden besonders unattraktiv und bekommen den Charakter eines schulischen Muss’ — wie Goethes „Faust“ wird die TV-Serie „The Wire“ scheinbar unerklärlich gelobt, ihr ist nämlich schwer zu verfolgen, nicht zuletzt auf Grund etwaiger Durststrecken bedingt durch eine relativ langsame Erzählweise usw.

Unterhaltung ist in seiner wissenschaftlichen Definition natürlich komplexer — sie beinhaltet durchaus Anspruch und setzt Wissen voraus. Wer etwa Geschichtsliteratur, Fachbücher rezipiert, will sich meist nicht nur informieren — oft als Gegensatz zur Unterhaltung geltend, also ohne Gefühle auf Fakten abzielend, als eine scheinbar ohne dramatisierte Aufbereitung auskommende Formen. Tatsächlich: Wer das genannte regelmäßig rezipiert, wird eben auch unterhalten. Und wie angedeutet: Die Fähigkeit, Filme zu interpretieren, ist eine Verinnerlichung und nichts Angeborenes — wer nicht an die schnellen Schnitte modernen Actionfilme gewöhnt ist, wird dem Werk nur schwerlich folgen können: Besuchen Sie mal mit Eltern oder Großeltern einen solchen Actionkracher … Klar, populäre bzw. massenmediale Formen sind nicht immer voller Anspruch (oder, was man dafür hält). Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sie viele Geschmäcker und Fähigkeiten treffen müssen und daher oft auf einen kleinen gemeinsamen Nenner reduziert werden. Aber ihnen dann jede Form von Kunst abzusprechen, zeugt wenig von Bildung, sondern besagtem unreflektierten Habitus …

Nochmal zum Geschichtenerzählen bzw. der zu überwindenden Ablehnung desselben: Dem Geschichtenerzählen ist ohnehin nicht zu entkommen — umso wichtiger ist es, seine Mechanismen und Grenzen zu erkennen. Ähnlich wie das Wissen um Serialität auf politische Twitter-Nutzung vorbereiten kann oder weitergedacht die serielle Narration des Wählens mit dem angedeuteten Fall in Bezug steht (beginnender Wahlkampf: Schafft er es nochmal?), so ist auch das Geschichtenerzählen natürlich allgegenwärtig: die Befragung durch den Arzt, der Ablauf eines Prozesses vor Gericht, der Supermarkteinkauf/das Selbstbedienungsprinzip (zu wissen, was ich mir nehmen darf, dass ich an der Kasse auspacke, dort zahle usw.), die Straßenverkehrsordnung (recht verlässlich weitreichend gültig) etc. Gerade Systeme wie Jura sind oft derart in ihrem Narrativ gefangen, dass eine Kommunikation mit anderen (gesellschaftlichen) Bereichen ausbleibt respektive dort auf wenig Verständnis getroffen wird: Wussten Sie, dass nicht der Supermarkt Ihnen ein Angebot macht, während Sie durch die Regale streifen und etwaige — umgangssprachliche — Angebote sehen, sondern Sie dem Supermarkt, wenn Sie sich zur Zahlung bereit erklären? Das was gemeinhin als Angebot gilt, ist die invitatio ad offerendum, die Einladung an den Kunden, sodass dieser ein Angebot abgeben kann, wenn er denn möchte. All dies kann als Argument gelten, nicht nur Profis der Kommunikation mehr zu fördern/zu konsultieren, sondern ein grundlegende kommunikative Bildung von Kindertagen an zu fördern: das Fach Kommunikation — dazu später mehr.

Die Relevanz des Faches wird auch hiermit ersichtlich — und damit kommen wir zu einem derzeit beliebten, relativ neuen Sündenbock: Das heißt es zum Beispiel, Digitales mache  dick. Goethe als E-Book ist also schädlich, Faust in Printform aber lehrreich? Alles klar. Digitalisierung als per se neu und noch kommenden Prozess zu deklarieren, ist aus Perspektive des Autors dieses Blogs heraus etwa so, als stünde man in einem brennende Wald und überlege, wo und wann das Feuer ausbrechen darf oder wird. Und bitte: Mit der Metapher wird Digitalisierung nicht zu einer Gefahr oder ist per se schlecht. Wir haben es schlicht in Teilen mit schon langfristig vollzogenen — neben natürlich im Vollzug befindlichen, gar kommenden — Entwicklungen zu tun. Das Ganze weist durchaus einen der Industriellen Revolution anverwandten Charakter auf — eben mit anderer Nuance: Viele Berufe, gerade im Verwaltungsbereich, werden womöglich im Zuge bereits jetzt umfassender Datensätze und einer damit denkbaren Softwarauswertung wegfallen. Was einerseits den Verlust von Arbeitsplätzen bedeutet, könnte auch Ressourcen bereitstellen und bisher in Relation zum Alltag (der freien Wirtschaft) langsame öffentlich-rechtliche Prozesse beschleunigen. Klar, ließe sich im Sinne von Paul Virilios Konzept der Dromolgie oder des Rasenden Stillstands über die Beschleunigung unserer Welt auch negativ diskutieren, aber der ein oder andere Antrag dürfe doch auch schneller bearbeitet werden, oder? Insgesamt kann, trotz eines potentiellen Verlusts von Arbeitsplätzen, vielleicht auf anderer Ebene Arbeit geschaffen oder durch die „freigewordenen“ Ressourcen schlicht sich anderen gesellschaftlichen Problemen gewidmet werden …

Es empfiehlt sich also durchaus, eine offene Auseinandersetzung mit solchen populären Begriffen zu pflegen — an dieser Stelle nähern wir uns einer denkbaren dritten Strategie im Umgang mit Populisten: Offen Denkende, entsprechende Institutionen sollte es begrenzen/abstellen, (eben auch von radikalen Kräften vorgegebenen) Trends nachzugeben/zu folgen. Im Bezug zum Digitalen ist es etwa wenig seriöse — wie gesagt, wir müssen hier auch eigentlich fundierte Medienanbieter kritisieren, wollen aber nicht dem extremistischen Sprech und Denken folgen — sentimental die Vergangenheit als einfacher zu markieren gegenüber einer komplexen, zu komplexen, gar unsicheren Gegenwart. Dieses ungestüme Jetzt nun sei — wenig überraschend — mit den kostenpflichtigen Kursangeboten, etwa der Spiegel Akademie, besser handhabbar. Der Autor dieses Blogeintrags will sich hier aber nicht über Gebühr echauffieren, zielt er selbst auch auf (Bezahl-)Angebote ab, um etwaige Probleme im Umgang mit der (kommunikativen) Komplexität der Gegenwart anzugehen. Dennoch versucht der Autor, Klischees einer einfachen Vergangenheit und in Relation „unsicheren“ Welt zu vermeiden. Vielmehr ist nämlich davon auszugehen, dass die einfache Vergangenheit deswegen einfach war, weil ihre Komplexität ausgeblendet wurde — weniger Kommunikation, um Ereignisse auf der anderen Seite der Welt zu erfassen, weniger Anbieter, die von „ungewollten“/„unschönen“ Aspekte berichteten, weniger Interesse (der Rezipienten), solche Sachverhalte zu behandeln usw. Insofern ist die Betonung, dass die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges weniger eindeutig ist als Bewerbung eines Kursangebotes durchaus fragwürdig zu bewerten.

Strategie III: Der Klüger sollte nicht immer nachgeben, doch auch nicht nachziehen

Diese Strategie ist, wie einleitend angekündigt, „einfach“, und zwar darüber definiert, ein Verhalten zu unterlassen. Nämlich nicht in gleicher Weise zu reagieren, wie es die provokanten, vereinfachenden Aussagen etwaiger Radikaler vorleben. Wenn etwa populistisch-rechtextreme Bewegungen persönlich werden, sollte die Reaktion nicht gleichermaßen ausfallen usw. Also Lehrer, die sich im Sinne demokratischer Grundwerte einerseits, der Meinungsfreiheit anderseits — beides also durchaus im Sinne der angedachten Neutralität des Lehrkörpers (nämlich gesellschaftliche Prozesse mit den Schülern zusammen zu beleuchten und zu diskutieren) — mit einer radikalen Partei kritisch auseinandersetzen, an den Pranger zu stellen/ihre Schüler zur Denunziation aufzufordern (auf von Radikalen initiierten Plattformen), ist schrecklich. Die Listung rechter Studenten durch angeblich gemäßigte Kräfte als Antwort ist keine Lösung — sondern bedient nur eine Kette oder Spirale von Aktionen.

Wenn man sich besser und gemäßigter präsentieren will bzw. es konkret auch ist, sollten derartige Verhaltensweisen ausbleiben. Die Anführungszeichen deuten es an, ganz so „einfach“ ist es dann doch nicht: Besagte Verhaltensweise sind nämlich als Reflex quasi von jedem nachvollziehbar — auf Angriffe folgt oft eine Verteidigung, eben reflexartig meist in ähnlicher Qualität: Jede kennt das — zwei Freund sind gerade in einem heftigen Streit und sich noch lange nicht einig, da werden sie von einem Dritten „angemacht“. Plötzlich wird der Streit überwunden oder zumindest beiseite gelegt und zurückgekeilt. (Übrigens: Das ist ja auch der Reflex Radikaler, wenn sie angefeindet werden — siehe Essay Teil 1)

In Anbetracht im gesamten Spektrum sich radikalisierender Kräfte ist die Verteidigung demokratischer Mäßigung, einer Mitte, absolut richtig und wohl immer notwendig. Doch darf damit — nochmal — eben nicht Gleiches mit Gleichem vergolten werden. Solch eine Verhalten führt nämlich dazu, dass das Beabsichtigte ins Gegenteil verkehrt wird — statt also die Stereotypen Radikaler zu entlarven oder gegen sie anzugehen, werden selbst welche bedient oder vorhandene Klischees fortgesetzt. Die schroffe Reaktion Gemäßigter auf Provokationen etwaiger Radikaler wird durch selbe nämlich derart ausgelegt, dass sie sich selbst zum Opfer machen: Man habe „das doch sagen dürfen“, die Reaktion sei aber ein Angriff auf die eigene Meinungsfreiheit: Im zweiten Schritt und für die Anderen gilt, „das hat man doch sagen dürfen“ natürlich nicht.

Wie schon im ersten Teil dieses Essays behandelt wurde, scheint die schroffe Reaktion Gemäßigter quasi miteinbezogen worden zu sein/zu werden/zur Strategie populistischer Agitatoren zu gehören und wird mit einer Rhetorik der zwei Maße beantwortet — was man selber tut, will man schon gar nicht erfahren und wenn doch, so beweist das nur, dass man selbst ein Opfer ist und die Anderen eben — im Sinne des über einen Gegensatz bestimmten Selbstverständnisses — ein Feind. Wie ebenfalls bereits gesagt definieren sich solche Bewegungen ja über einen Gegensatz, sie sind auf einen solchen angewiesen.

So ist es dann auch ein gefundenes Fressen für besagte radikale Kräfte, die sich ja selbst der Verzerrung und Lüge bedienen (etwa erfundene Vergewaltigungen über soziale Medien etc. verbreiten, um Stimmungen zu erzeugen), wenn sie andere einer Lüge überführen. Insbesondere, wenn diese „Überführung“ nicht nur eine erfundene ist (wie ja regelmäßig angebliche Verschwörungen durch Radikale entdeckt werden), sondern es einen tatsächlichen Skandal gibt. Wobei „Überführung“ nicht richtig ist, fast schon Ausdruck ist, wie manch rhetorische Kniffe Radikaler von Gemäßigten (und dem Autor dieses Textes) übernommen werden. Denn die Radikalen überführen in diesem Fall ja nicht, sondern nutzen die (mehr oder minder gelungene) kritische Auseinandersetzung anderer mit sich selbst: etwa hinsichtlich der Seitens der Polizei arg verzerrten Zahlen zu den Übergriffen Silvester 2015 in Köln (ein weiteres Beispiel in der nächsten Strategie).

Mit dieser Maßnahme der Kölner Polizei wird nicht nur das Vertrauen in öffentliche Intuitionen (weiter) minimiert. Dann wird das „Lügen“ zumindest dem Anschein nach, wohl aus Perspektive Radikaler und ihrer Sympathisanten, (weiter) salonfähig gemacht — nach dem Motto: „Wenn es schon die Polizei tut, dann ist es ja nicht so wild …!“ Der Skandal der „Anderen“ ist auch deshalb gefundenes Fressen, weil diese nachgeordnete, offenbar gewordene Lüge (nach etwaiger Radikaler im Feld der Flüchtlingskrise — Sie kenne sie) eben ein jüngeres Ereignis ist/aktueller ist und damit das Vergangene (≈ Lügen Radikaler) schnell übertünchen kann.

Allerdings sollte hier nicht allzu schnell und vereinfachend Kritik geübt werden. Durchaus ließe sich mit einem illustrativen Beispiel sprechen, nämlich mit Jack Nicolsons Alias im Film „Ein Frage der Ehre“ argumentieren: „Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!“ Hier soll zwar weder das Vorgehen der Polizei noch das der bisweilen erst spät berichtenden seriösen Medien gut geheißen, sondern darauf verwiesen werden — wie schon mehrfach in diesem Beitrag —, dass es einseitige Wirklichkeitsvorstellungen gibt: Wohl auch durch eine einseitige Mediennutzung, ein durchaus hier bewusst und provokant als Unvermögen Bezeichnetes werden manche Quellen und Messages derart für „wahr“ oder „ausschließlich“ bzw. „die Realität“ abbildend eingestuft, dass — eben ohne andere Quellen zu konsultieren — eine Über-Präsenz und daraus resultierende Angstgefühle entstehen können. Das meint hier konkret: Die schon gegen Ende des Jahres 2015 aufgeheizte Stimmung sollte — so wohl die Absicht — nicht weiter angefeuert werden ——— ein Informationsdilemma, das oben beschrieben wurde! Dieses Beispiel zeigt, neben dem zweifelhaften Vermögen im Umgang mit Medien, wie schnell aus dem kommunikativen Bezug diese Blogs insgesamt ableitbare und generelle Beobachtungen werden können bzw. wie sehr Kommunikation „die Welt“ durchdringt: Ein Themen-Über-Fokus hat auch gesellschaftlich Relevanz, sodass der äußert fragwürde Entschluss gefasst wurde, diesem keine korrekten Zahlen hinzuzufügen … Keine Bühne zu bieten (Strategie 1), darf aber keinesfalls mit Nicht-Berichten verwechselt werden, sondern bezieht sich insbesondere (wie gesagt) auf das Aufgreifen einer Stimmungsmache ≈ Twitter.

In diesem Zusammenhang muss auf die sogenannten „alternativen Medien“ verwiesen werden — diese gelten in radikalisierten Gruppen oft als der Wahrheit verpflichtete Quellen gegenüber den kommerziellen und/oder angeblich untereinander „austauschbaren“ klassischen Anbietern. Eine Alternative kann — abseits der gerade erwähnten Politisierung — durchaus jenseits kommerzieller und/oder „mainstreamiger“ Strukturen liegen und ggf. Meinungen repräsentieren, die sonst keine Nennung finden. Problematisch ist allerdings, dass viele der von Radikalen als Alternative markierte Kommunikatoren nicht nur keine Profis sind (was wie gesehen nicht per se ein Problem sein muss — der Autor ermuntert geradezu, dass ein jeder sich künstlerisch-gestalterisch oder journalistisch auslebt, dazu gehört aber auch eine ästhetisch-kommunikative Grundbildung.); sie sind vor allem sehr polarisierend veranlagt. Sicher, das könnte auch den „Großen“ unterstellt werden. Doch eine genaue Betrachtung zeigt dann, dass bei aller berechtigten (und hier auch vorgenommenen) Kritik diese doch eine multiperspektivische Aufarbeitung anstreben, regelmäßig verschiedene Meinungen aufnehmen und Kontexte erläutern — viele professionelle Pressevertreter versuchen sich mindestens an der Umsetzung dieses Ideals: etwa die diversen, sich oft stark widersprechenden Kolumnen auf Spiegel Online.

Was nun stattdessen tun, wenn keine Antwort mit gleichen Mittel sinnvoll ist? Mit Blick auf die vorhergehenden und kommenden Strategien gegenüber Populisten wäre es wichtig, Informationen umfassend und verständlich aufzubereiten — Vereinfachung ja, aber nicht um den Preis bewusster Auslassung oder Verzerrung! Dann ist eine umfassende, und zwar allgemeine kommunikative Bildung essentiell, um einen souveränen Umgang mit Medien, (dortigen) Botschaften und schließlich sogar ganzen Weltmodellen (nächste Strategie) zu begünstigen. Zudem ist eine systematische Kennzeichnung/Darstellung der eignen — auch professionellen — Arbeiten, Formate und Recherchen sinnvoll, um die klischeehafte Beschreibung insbesondere klassischer Medien als Blackbox (als Subjektivierung „die Medien tun/machen …“) aufzubrechen, die damit verbundene Diskreditierung (≈ „Lügenpresse“) zu minimieren — wie gesagt dazu mehr in der nächsten Strategie.

Strategie IV: Bessere kommunikative Aufbereitung — von Schnelligkeit über eine stärkere Markierung bis zur kommunikativ-ästhetischen Bildung

Es wurde nun schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der Autor dieses Blog-Eintrags ein Defizit in kommunikativ-ästhetischer Bildung sieht und das insbesondere auf Seite der Rezipienten. Wobei mit dem Begriff „Konsument“ oder „Rezipient“ durchaus auch eine aktive Komponente beschrieben sein soll — das meint wiederum nicht nur Pro-Consumer, die etwa einen Blog betreiben etc. oder „nur“ kommentieren/posten, sondern dass die Medienrezeption immer „Medienproduktion“, immer ein aktiver Akt ist: Die Welt eines Films wird durch die Autoren/Macher des Werks, durch die Zuschauer, das gesellschaftliche Umfeld, genauso wie die fiktiven Figuren selbst gemeinsam kreiert — eine als Leihkörperschaft, als heterotop zu beschreibende Beziehung (siehe hier). Und weil es sich also nicht um eine passive Rolle handelt, ist es essentiell, sich souverän in der Welt zu bewegen und in diesem Zusammenhang „bewegt zu werden“.

Im Sinne dieser mehrfach angedeuteten Wechselwirkungen zw. Produzenten, Werk und Konsumenten, einem Netzwerk unterschiedlicher Faktoren also, ist auch eine konstruktive (das polemische, diskreditierende Sprechen von einer „Lügenpresse“ ist ja, wie bereits gezeigt, vorgeschoben und „lediglich“ ein Instrument radikaler) Kritik den professionellen Machern gegenüber anzubringen — eben weil beide Bereiche in einer gegenseitigen Beziehung zueinander stehen. Insofern soll bei den vielfach beschriebenen Defiziten auf Seiten der Rezipienten nicht der Eindruck erzeugt werden, diese seien dumm. Es geht vielmehr um eine begrenzte, aber verbesserbare Kompetenz im Umgang mit Medien/Kommunikation.

Der Autor dieses Blog-Beitrags betrachtet es nämlich als grenzwertig, nur einen Teil eines jeweiligen Komplexes zu fokussieren — solch eine Einseitigkeit (den Fähigkeiten der Rezipienten, Verbraucher etc. nicht viel beizumessen und daher eine Vereinfachung zu schaffen) trägt bisweilen kuriose Blüten: etwa in Form sogenannter Ampeln, die Lebensmittel als schädlich, mindestens gesundheitsgefährdend einstufen, ja gegenüber den Kunden kennzeichnen sollen, weil sie einen hohen Fett- oder Zuckeranteil etc. beinhalten. Das kommt schon sehr einer „Verdummung“ gleich, statt die Mündigkeit des Einzelnen/der Einzelnen zu stärken oder herauszufordern: Die also nur in Mäßigung „gesunden“ Lebensmitteln sind ja keinesfalls giftig — also mit schmutzigem Wasser oder verseuchten Substanzen versetzt.

Beginnen wir mit professionalen Kommunikatoren: In den Komplex dieser Strategie gehört natürlich erneut, sich nicht zum Erfüllungsgehilfen zu machen — das meint einerseits nicht immer eine Bühne bieten und immer gerade virale Themen einer Me-too-Strategie ähnlich aufzugreifen. Neben den oben genannten Exemplaren wäre zum Beispiel das regelmäßige Betonen der Schädlichkeit einer großen Koalition für die beteiligten Parteien zu nennen. Dieser Betonung ist ein Beispiel dafür, wie ein Vermutung zur Gewissheit wird/werden kann: Doch wo sind die konkreten Belege dafür? Es bleibt meist bei einem Verweis darauf, dass Parteien doch („künstlich?“, könnte entsprechenden Autoren unterstellt werden) Gegensätze bräuchten — dazu in der letzten Strategie mehr. Diesbezüglich muss hier die Passivität bzw. konkreter eine unbedachte Redundanz seriöser Kommunikatoren angemahnt werden: Wie im ersten Teil dieses Essays bereits erläutert, besetzten Radikale sehr schnell bestimmte Themen, um den anschließenden Diskurs zu bestimmen. Daher wäre es dringend notwendig, selbst Themen anzugehen — das ist leichter gesagt denn getan, deswegen dazu unten mehr.

Bleiben wir noch bei den Wahlen: Im Zusammenhang mit Wahlen ist auch immer wieder von der Symbolik kommunaler oder landesbezogener Entscheidungen die Rede, von deren Signalwirkung „für Berlin“ respektive die Bundespolitik: Das bleibt sehr diffus und ungenau, schafft Verbindungen, wo doch in einem föderalen Staat nur bedingt Beziehungen vorhanden sind. Richtig, der Autor verweist immer wieder auf Beziehungen und klar, in diesem Sinne gibt es selbstverständlich auch hier Verbindungen (etwa wie eine Partei im Allgemeinen bewertet wird — sowohl kommunal wie auf Bundesebene). Zweifellos ist kommunale Politik aber in Teilen mit ganz anderen Dingen beschäftigt als die bundespolitische Ebene. Solch eine als Vereinfachung verstandene Zusammenziehung trägt — auch Sicht des Autors dieses Blog-Eintrags — zum Komplexitätsverständnis nicht gerade bei und schafft Vereinfachungen, die vor allem einen fraglichen dramaturgischen Zweck erfüllen: nämlich allem eine globale, mindestens gesamtdeutsche Bedeutung anzuheften und damit dem jeweiligen Bericht mehr Gewicht zu verpassen. 1, 2, 3 wird jede Bürgermeisterwahl zum Stimmungsbarometer und umgekehrt versucht der diese Einseitigkeit/diese Zusammenziehung aufgreifende Rezipient im kommunalen Wahlkampf weltpolitische Themen zu diskutieren. Ja, nochmal: Klar, hängt alles zusammen und Zusammenhänge müssen beachtet werden, aber im Sinne einer Mäßigung muss abgewogen werden, wie weit ein Netz sinnvoll und greifbar ist.

Weiterhin in diesem Zusammenhang, aber über eine Berichterstattung hinausgehend, weil auf die fragwürdige Rhetorik auch gemäßigter, demokratischer Kommunikatoren verweisend, dann auf besagtes Bühnenbieten Bezug nehmend: Die Nachberichterstattung zu etwaigen Wahlen! Da darf dann jeder mal sagen, eigentlich sei man selbst der Sieger und wenn man verloren hat, sind die anderen Schuld usw. Dieses serielle Theater könnte ermüdend wirken, es wird zum inhaltslosen Ritual und ist bisweilen so unsachlich, dass es wirklich zu diskutieren sei, ob dieses berichtenswert ist. Zudem: Das alles spielt in die Hand etwaige Radikaler, die sich durch die stetige Betonung, es nicht wie das Establishment zu machen (wie ebenfalls erwähnt: ist das natürlich nicht tatsächlich so), als ganz anders präsentieren wollen.

Hier entfernen wir uns von Medienmacher und betrachten aber nicht minder präsente Kommunikatoren — der Autor dieses Blogs muss die geringe Professionalisierung oder besser Reflexion derartiger Kommunikatoren kritisieren, ohne aber sogleich einen entsprechenden beruflichen Hintergrund einfordern zu wollen. Der Autor würde sich aber wünschen, dass auch in der Politik eine wie hier mehrfach geforderte Mediengrundkompetenz verinnerlicht wird — durch die gewählten und damit eben nun einmal aus differenten Branchen kommenden Politiker: Vertreter radikaler Kräfte, aber auch übrige Politiker besuchen nicht nur im Kontext etwaiger Wahlen gerne Talkshows, reisen für selbige quer durch die Republik, als Landespolitiker auch mal PR-wirksam ins Ausland, um sich mit „Großen“ zu treffen. Wirkt kommunikativ professionell, oder? Nur: Dabei können Sie ihr jeweiliges Ressort oft tagelang nicht direkt managen …

Auch hier ist sicherlich ein nicht zuletzt kommunikatives Dilemma zu attestieren: nämlich einerseits im Sinne der eigenen oder künftigen Karriereschritte Kante und Profil öffentlich zu zeigen, andererseits für die Wählerschaft in Anbetracht immer kleinteiligerer Zielgruppen als Figur demokratischer Prozesse/als Kandidat (überhaupt) sichtbar zu werden. Zudem bzw. in diesem Zusammenhang teilweise unvereinbar: Es soll der Eindruck erzeugt werden, im jeweiligen Resort aktiv zu sein. Dann muss tatsächlich einer umfassenden Arbeit nachgegangen werden, die wiederum häufig nicht direkt erlernt wurde. Es ist hier nicht der Platz über den Sinn oder Unsinn nichtfachkundiger Politiker oder Entscheidungsträger zu diskutieren. Einen ersten dahingehenden Indikator möchte der Autor dieses Blogs aber im oben vollzogenen Verweis auf ein spezifisches und interdisziplinäres Studium sehen … Es ist zusammenfassend langfristig schwer, die genannten Aspekte kommunikativ überzeugend miteinander zu vereinen … Aber ein gewisser Fokus auf die eigentliche Tätigkeit — und sei es nur, statt ins Studio zu kommen, sich zuschalten zu lassen — könnte die sich verbreitende Ernüchterung gegenüber Berufspolitikern eingrenzen …

Übrigens auch deswegen kämpfen Radikale von einer bedauerlich „günstigen“ — zumindest im Angesicht eines Bühne-Bietens „guten“ — Position aus: Denn sie müssen sich ja nicht beweisen, sodass sie häufig keinen Vergleich mit den eigenen Bilanzen fürchten müssen. Und wenn doch — etwa wenn klar wird, dass es um das gegenüber den „Etablierten“ angekündigte Mehr an Präsenz der AfD im Bundestag nicht wirklich besser bestellt ist (hier bei der ARD) —, so wird einfach weiterhin das Gegenteil behauptet, die andersartige Aussage ignoriert …

(Kommt es — bedauerlicherweise, möchte der Autor hinzufügen — tatsächlichen zu einer Verantwortungsübernahme braucht es gar keine Beispiele wie das der nationalsozialistischen Machtübernahme und die aus dieser resultierenden Millionen von Toten: Denken Sie an die rechts-populistischen Gruppen in Großbritannien, welche sich nach ihrem Erfolg nur sehr bedingt der Umsetzung des EU-Ausstiegs widmen, für die Lösung weitreichender Probleme wie das der Nordirlandgrenze gar nicht mehr zur Verfügung stehen, oder die sozialistische Regierung Venezuelas, die ihre Abwahl nicht vorsieht …).

In diesem Zusammenhang: In der offenbaren Schnelllebigkeit unserer Zeit fällt die Recherche etwaiger recycelter, also wiedergenutzter Rhetorik schwer oder allgemeiner das Erinnern selbiger — sowohl auf professioneller als auch Rezipienten-Seite: Trumps einstige Versprechen und Aussagen werden vielleicht noch von professionellen, multiperspektivischen Medienvertretern wiederholt respektive deren Nicht-Erfüllung entlarvt. Seine Anhänger scheinen Unerfülltes nicht zu bemerken. Ist die Flut an Kanälen oder Aussagen, gar die im Zuge der Presseschelte zurückgedrängte gewissenhafte redaktionelle Filterfunktion dafür (neben der mangelnden Eigenverantwortung der Rezipienten) ursächlich? Oder ignorieren Trumps Anhänger derartiges bewusst, weil sie von Außen angefeindet werden? Oder sind hier gekonnte Ablenkungen am Werk (etwa der Handelskrieg der Trump-Administration), die sogar (wie oben beschrieben) durch angebliche „Aufdeckungen“ untermauert werden sollen ≈ im Trump’schen Kindersprech „Das ist unfair!“ oder „Die sind gefährlich!“ in Bezug auf deutsche Autobauer?

Im Angesicht mangelnder Erinnerung überrascht etwa die überbetonte, und zwar linksorientierte und auf den „kleinen Mann“ abzielende Sprache der SPD 2019 nicht! Dennoch ist zu fragen, ob sie noch zeitgemäß oder doch ein überstrapaziertes — stereotypes — Konzept ist … gar in einer hitzigen Zeit kontraproduktiv ist. Jedenfalls seit linkspolitische Konkurrenten zur Jahrtausendwende aufgekommen sind und am linken Rand der Partei „wildern“, scheint sie immer wieder die gleichen Strategien, um ihre zunehmende geschwächte Position zu verbessern, ins Felde zu führen …

Oder kann solch eine Sprache doch kurzfristig Erfolg ermöglichen — eben wegen des Vergessens, wegen der seriellen Note einer solchen Rhetorik? Oder drückt sich in ihr ein Reflex aus — als ein angebliches Gegengewicht zur völkischen Vereinfachungsrhetorik Rechter (dazu in der letzten Strategie mehr)? Ohne hier also eine inhaltliche Gleichsetzung anstreben zu wollen, ist das Ausnutzen des allgenwertigen Vergessens auch ein Teil des Erfolgskonzeptes Radikaler — indem eine hetzerisch-brutale, eine völkische Sprache, die einst erfolgreich war (Nazi-Regime), dann aber geächtet wurde (im Zuge einer mehr oder minder demokratischen Nachkriegszeit) bzw. deren Ächtung in Teilen vergessen wurde (im Zuge der vergangenen Zeit, der mehr als 70 Jahre), neuerdings „herausgekramt“ und als „frisch“ und „markig“ inszeniert wird.

Es ist dennoch oder deswegen bedauerlich, wie einfallslos die SPD, eine bzw. die älteste demokratische Bewegung Deutschlands, sich der Realität mit mehr als hundert Jahre alter Sprache stellt (auch wenn der gegenwärtige Umbruch sicher dem industriellen Umbruch von damals ähnelt) — statt sich den Herausforderungen der Zukunft anzunehmen, das Informationszeitalter unserer Gegenwart und die damit veränderte/in Veränderung befindliche Berufswelt (etwa der oben beschriebene, zu erwartende Stelleabbau/deren Ersatz durch Software) zu thematisieren bzw. zukunftsgewandt mit zu gestallten etc.

Gerade seriöse Medien sollten — gewiss ein Spagat — also nicht nur eine Beschleunigung vollziehen, um Themen rechtzeitig zu besetzten; sie sollten ebenfalls ihre eigenen Archive pflegen, sodass Wiederkehrendes auch als solches entlarvt wird.

Weiter: Im Sinne kommunikativer Aufbereitung ist es wichtig, zirkulierende Phrasen hinter sich zu lassen: Die primitive Schelte gegenüber konventionellen und durchaus/bisweilen um Seriosität und Objektivität bemühter Medien (mehr kann im Sinne des kommunikationstheoretischen Konstruktivismus etc. nicht verlangt werden ≈ jeder schafft sich ein eigenes Weltbild), sie seien manipulativ, ist schon im ersten Teil dieses Essays behandelt worden. „Manipulation“ ist in diesem Zusammenhang eine überstrapazierter Begriff, dessen inflationärer Gebrauch heruntergebrochen quasi jede Kommunikation meint: Sie umfasst den Austausch mit Freunden, das kommunikative Gefüge zw. Eltern und Kind, das Gespräch an der Bushaltestelle, Chats, Fernsehbeiträge etc. Insofern haben wir es „einfach“ nur mit Kommunikation im Sinne von Überreden, Überzeugen, Informieren und Unterhalten zu tun. Echte Manipulation ist dann schon eher das, was im radikalen Spektrum erfolgt — Aufhetzen, Wesentliches Auslassen etc.

Dennoch ist dann ein Skandal wie der des Spiegels 2018/19 für radikale Agitatoren ein (weiteres) besonders gefundenes Fressen — denn dem Anschein nach werden die verunglimpfenden Beschuldigungen nun ja real. Allerdings ist es dem Spiegel in seiner um Offenheit bemühten Strategie sicherlich gelungen, diesem Skandal — eben durch seine selbstkritische und ernstzunehmende Aufarbeitung — zu begegnen: Ein Schaden, wie einst jener durch die fingierten Hitlertagebücher beim Stern ausgelöst, dürfte wohl ausbleiben, der Vertrauensverlust also durch besagte Offenheit begrenzt bleiben (Wenn sicherlich die Situation nicht in Gänze vergleichbar ist, denn im Zuge eines zunehmend kleinteiligeren Marktes sind einzelne Anbieter nicht mehr derart weitreichend — was umgekehrt auch bedeuten kann, dass ein einzelner Skandal sie nicht derart erschüttert.).

Anderseits gelingt diese Selbstkritik aus mehreren Gründen heraus nur teilweise: Sich über den Betrug (natürlich zurecht) „im Haus“/„am Haus“ (durch einen Mitarbeiter) „aufzuregen“, die eigenen Qualitätskontrolle unter die Lupe zu nehmen, steht im Widersprich dazu, mit bento ein mehr als fragwürdiges Format initiiert zu haben, um ein jüngeres Publikum ansprechen zu wollen. Nicht nur leidet dieses Angebot unter dem Minimum jeglicher Recherche, sondern zeichnet sich durch Vereinfachungen aus, die auszudrücken scheinen, dass die Leserschaft von den Initiatoren als begrenzt aufnahmefähig, gar geistig „auf der Höhe“ beurteilt wird. Zwischen Quiz, freundschaftlichen Duzen und pseudo-souveränen „Wir fragen/machen etc.“ finden sich dann Perlen wie „Was machen Menschen, die Valentin hießen, am Valentinstag?“. Der lockere Ton mag zwar im Verhältnis zum gewohnten Duktus ungewöhnlich und damit interessant wirken, ist sicherlich nicht unbedingt kritikwürdig. Er soll zumindest dem Sprachgebrauch der Zielgruppe angepasst sein, zudem eine Nähe und Vertrautheit zw. Autoren und Lesern begünstigt — ok. Was dann aber durchaus fragwürdig erscheint und im Wiederspruch zum angestrebten Vertrauen steht, ist, dass bei bento Werbung intransparent, nämlich als native Maßnahme zum Einsatz kommt. Solch eine Werbung wird im Tenor und Layout etwaigen Artikeln der Plattform angepasst, sodass sie bis auf kleine Randbemerkungen ununterscheidbar sein kann. Insgesamt beschleicht einen auch hier der Eindruck, Teile der Methodik von Populisten und Radikalen hätten bereits Wirkung in gemäßigten Sektoren entfaltet. Wobei natürlich der Vollständigkeit halber erwähnt werden muss, dass diese Form der Werbung auf eine lange, damit nicht minder fragwürdige Tradition etwa im Printbereich (und auch abseits des Spiegels) zurück blicken kann.

Ebenfalls soll an dieser Stelle kein Klischee gefestigt werden, denn die oft „krampfhafte“ Unterscheidung von Werbung gegenüber anderen Inhalten gerät häufig sehr selektiv: Muss die eine Sendung mit „P“ für Produktplatzierungen auf Grund eingebundener bzw. innerdiegetisch beworbener Objekte respektive auf Grund etwaiger, extra angefertigter Shots zum Einfangen eines beworbenen Autos beispielsweise markiert werden, reicht es bei der anderen die sogenannte „Produktionshilfe“ — die Bereitstellung eines ganzen Fuhrparks (vor und hinter der Kamera) — nur im Abspann anzugeben. Jüngst ist etwa Twitter zu einem diesbezüglichen Diskussionsobjekt geworden: Die soziale Medienform ist ja wesentlich von der nicht zuletzt persönlichen Meinungskundgabe bestimmt. Erfolgt dort eine mehr oder minder als persönliche Meinung getarnte Kaufempfehlung an die jeweiligen Follower, für die der Autor eine (finanzielle) Kompensation durch das das präsentierte Objekt herstellende Unternehmen erhält, so muss der Post als Werbung markiert werden … ok. Was wenn es sich nun um einen Influcener oder allgemeiner einen Prominenten handelt? Wenn eine Person, die mehr oder minder direkt bis indirekt in und von der Öffentlichkeit lebt, eine Kaufempfehlung postet, aber dafür keinen direkten Gegenwert (abseits einer ggf. höheren Reichweite, einer Selbstempfehlung gegenüber etwaigen Unternehmen) erhält: Ist das Werbung oder handelt es sich um eine eben der Plattform/jeder individuellen Person entsprechende Meinungsäußerung? Wie gesagt, es ist kompliziert …

Vor allem wird deutlich, dass — entsprechend des vielfach besprochenen Verhältnisses zw. Produzenten und Rezipienten — hier natürlich nicht nur die kaum als solche markierte Werbung nicht ersichtlich ist, sondern diese unter Umständen nicht als solche erkannt werden kann — aufgrund begrenzter Fähigkeiten wiederum: Trotz nämlich aller Simulation wird meist anhand der Intention sowie besagter in kleiner Schrift gesetzter Markierung partiell ersichtlich, dass es sich um Werbung handeln könnte. Auf das Twitter-Beispiel bezogen sollte immer hinterfragt werden, warum eine Person, die ich nicht wirklich persönlich kenne, nur anhand dessen, was sie als privat inszeniert teilt, mir ständig Empfehlung gibt, ohne dafür etwas zu bekommen … Die hier mehrfach kritisierte Unvermögen selbst Erwachsener, Medien richtig zu deuten, die Prozesse hinter Kommunikation zu verstehen, äußert sich auch darin, dass sogenannte „Fake News“ auf sozialen Plattformen regelmäßig nicht identifiziert werden bzw. die Wahrscheinlichkeit sinkt, selbige zu erkennen. Und sei es nur das Beiträge des Satire-Formates Postillion als „wahre“ Meldung geteilt werden. Obschon sie grotesk anmuten. Ähnliches gilt auch für etwaige Spam-Mails, die oft — sicherlich in der Tendenz immer „besser“ werdend — durch Sprachwendungen etc. aus der Rolle fallen bzw. erkannt werden sollten. Und sei es hier nun nur, dass man die Absender-Adressen überprüft, bevor man dubiosen Links zur Passworteingabe folgt. Ein solches Unvermögen wird mit einem Format wie bento, so fürchtet der Autor dieses Blogs, regelrecht gefördert und ausgenutzt.

Hier soll aber nicht von einer Verschwörung ausgegangen werden — auch das ist ja immer ein Anliegen Radikaler: Die Verschwörung, die Verschwörer wie auch die Aufdeckung der Verschwörung soll als intelligent und komplex verstanden werden — die „Bösen“ sollen dadurch besonders hinterhältig wirken, aber vor allem die selbige Entlarvenden als verehrenswert klug dargestellt wirken … Tatsächlich ist eine Verschwörung, der Glaube an selbige und ihre angebliche Entlarvung oft ein Instrument grober Einfachheit. Denn die angeblich komplexen Zusammenhänge werden am Ende auf Stereotypen reduziert, die als „Beruhigung“ oder simples Feindbild fungieren sollen: „Die Medien …“ oder noch abstrakter „die da“ usw. Was hier aber angemerkt werden sollte, ist, dass der Spiegel-Verlag — entgegen seiner journalistischen und investigativen Attitüde und in diesem Zusammenhang (trotz etwaiger Fehltritt wie jüngst besagter Skandal) entgegen einer zweifellos verdienten bzw. einzufordernden Anerkennung durch die Leser (und den hiesigen Autor) — durch bento Klischees gegenüber den Medien und damit sich selbst bedient, statt sie zu minimieren.

Natürlich ist auch dieser Sachverhalt differenzierter zu betrachten — nämlich im Kontext der oben bereits behandelten Umsonstkultur: bento ist ein für den Spiegel nicht unwesentliches Standbein. Entgegen den regelmäßigen, mit „ja“ beantworteten Umfragen auf der Straße, die nicht nur hinsichtlich eines Qualitätsjournalismus, sondern auch in Bezug zu Sachverhalten wie „Fleisch aus tierfreundlicher Haltung“ fragen, ob man denn bereit wäre, mehr zu zahlen, ist die „Wirklichkeit“ oft enttäuschend: Denn ob solchen Aussagen entsprechende Taten folgen, ist fraglich. Oft sind derartige Antworten nämlich das Resultat sozialer Konventionen oder eines entsprechenden Drucks, sodass das Ideale (Qualität, bessere Haltung zu fördern) in der Außendarstellung als angeblich selbst gewollt bestätigt werden, um keiner gesellschaftlichen Ächtung (das offensichtlich Richtige nicht zu wollen) ausgesetzt zu sein. Da die Befragten meist nicht in einigen Wochen erneut kontaktiert oder „überprüft“ werden, wird insgeheim dann doch zur günstigsten Alternative gegriffen.

Abschließend möchte der Autor dieses Blogs hier, im Zusammenhang mit mehr oder minder bewussten Unsauberkeiten, anmerken, dass es nicht immer zweckmäßig ist, Theoretiker aus Germanistik oder geisteswissenschaftlichen Disziplinen ohne Praxis oder allgemeiner ohne Kommunikations- oder Medienbezug in Ausbildung und Studium journalistische Tätigkeiten ausüben zu lassen. Warum wird nicht mehr auf praxisbezogenen Studiengänge zurückgegriffen, sogar auf Absolventen etwaige Journalistenschule? Auch hier gilt es, Attitüden hinter sich zu lassen.

Welche Maßnahmen können nun im Sinne dieser Strategie ausgebaut und gepflegt werden? Eine bereits genannte Komponente ist eine erhöhte Schnelligkeit inklusive einer gewissen Emotionalisierung. „Aber das machen doch die Populisten schon!“ Ja, das tun sie, aber wie oben beschrieben in Form einer ausschließlichen und vor allem negativen Emotionalisierung. Hier ist Emotionalisierung in Maßen gemeint, um ein höheres Maß an Anschaulichkeit und Eingängigkeit zu erreichen: etwa in Form von Infotainment ≈ als mit Reinszenierungen gemischtes Dokumentationsformat etwa. Und die Schnelligkeit darf natürlich nicht auf Kosten guter Recherche gehen! Was wiederum viel verlangt ist, schließlich ist das schnelle „Loskeilen“ Radikaler auch deswegen so schnell, weil dafür nur wenig zu tun ist. Hier wäre ein positiv verstandene Serialität ein denkbares Instrument fundierter Kommunikatoren: Schnell könnte Themen angerissen werden — mit dem Verweis, dass weitere Perspektiven folgen! Richtig, dass wird natürlich — also lose Serialität sozusagen — bereits vollzogen. Wichtig — im Sinne der für jede Serie notwendigen Kohärenz — wäre es die Fortsetzung, diesen klar erwartbaren Fluss, auch als solchen zu markieren: „Thema XY — Folge 1“ usw.

Wie ebenfalls bereits oben angedeutet wäre eine professionell betriebene Kontextualisierung sinnvoll, um Sachverhalte multiperspektivisch und umfassend zu erläutern, statt bloße dpa-Meldungen zu wiederholen oder Fragmente komplexer Sachverhalte einfach unkommentiert stehen zu lassen. Diese essentiellen Hintergrundinformationen sollten zudem repetitiv- bis progressiv-seriell gefestigt werden — nicht zuletzt, um das Vergessen einzugrenzen.

Klar, das mag dann für regelmäßige Leser redundant sein und gar störend empfunden werden — etwa analog den in diesem Beitrag omnipräsenten „Wie-gesagt“ oder „Wie-oben-beschrieben“ etc. Dennoch ist im Zeitalter diverser Hyperlink-Maßnahmen auch ohne eine direkte Wiederholung eine Einbindung solcher Daten möglich, ohne sie also immer vollständig textlich einbinden zu müssen. Auf diesem Wege könnten sie eingebracht werden, ohne eine eigene Suche in der jeweiligen Funktionsfläche der Internetpräsenz vornehmen zu müssen — wobei der Autor nicht nur hier, sondern bereits mehrfach auf die Eigenverantwortung auch der Rezipienten verweisen will, sich selbst zusätzliche Informationen zu erarbeiten … Diesbezüglich müssen allerdings Hemmschwellen gesenkt werden, Zusammenhänge besser abrufbar werden — ganz banal per Mouse-Over etc. z. B..

Dann wäre etwa eine stärkere Markierung der jeweiligen Textarten sinnvoll — bevor auf eine Kolumne (wie nach Meinung des Autors oft beobachtbar) mit der Klage reagiert wird, der Urheber der Kolumne sei zu einseitig. Ein Mouse-Over und ein Index könnten mit weniger Worten erklären, wie eine bestimmte Textart funktioniert. Klar, dass habe viele vielleicht mal in der Schule erlernt, erlernen sollen, aber oft liegen diesbezügliche Einheiten zu weit zurück, waren nicht anwendungsbezogen genug oder sind nicht genügend implementiert worden. Wie schon mehrfach erwähnt möchte der Autor dieses Blog-Eintrags auf die Notwendigkeit des Schul- und Erwachsenenbildungsfachs „Kommunikation“ verweisen, sodass das System der Medien verstanden wird, Grundlagen der Mediengestaltung/der Kommunikation vermittelt werden usw.

Weiter: Auch der inflationäre Aufgriff von Studien jeglicher Art in Berichten und Nachrichten ist ein problematischer Vorgang. Viele Studien sind Auftragsarbeiten, die dann oft in diesem Sinne Erkenntnisse herausarbeiten bzw. präsentieren — oft mehr oder weniger geschickt als wissenschaftliche Arbeit „getarnt“. Wenn auch hier nicht suggeriert werden soll, dass beauftragte Institutionen keinerlei handwerkliches bzw. wissenschaftliches Bewusstsein besitzen. Studien aber, die nicht das gewünschte Ergebnis erzielen, sind oft wenig öffentlich präsent. Die ausführende Institution wird durch den jeweiligen Auftragsgeber wohl nicht noch einmal hinzugezogen. Das Resultat ist, ein von Umweltverbänden in Auftrag gegebene Studie findet meist Umweltschäden, eine Studie von Gewerkschaften soziale Missstände, eine von Arbeitgebervertreter stellt die Zufriedenheit, gar überdurchschnittliche Bezahlung der Arbeitnehmer heraus usw. Insofern würde ein festes Schema im Aufgriff solcher Studien eine Form von Transparenz schaffen — nämlich indem der Auftraggeber, die ausführende Instanz, die Finanzierung der Untersuchenden und nicht zuletzt die Methodik in Form einer Infobox genannt, dem die Studie als Quelle nutzenden Bericht vorangestellt werden. Das ist umso wichtiger, als dass sich hinsichtlich der Methodik und der Ableitung etwaiger Resultate oft sowohl auf Seiten der ausführenden Wissenschaftler (mal den Auftragscharakter außer Acht lassend) als auch auf der Ebene nachgeordnet Interpretierenden, der Journalisten zum Beispiel, Missverständnisse einstellen.

Anschaulich können diesbezüglich Themen wie Gesundheit oder ein Tempolimit sein — an diesen Diskussionsobjekten offenbart sich auch die vom Autor dieses Blog-Beitrags mehrfach angedeutete Sorge, dass sich Dispute allerseits stark radikalisiert haben, bisweilen gar so stark ideologisiert werden, dass sie ersatzreligiöse Formen annehmen … Ein erstes Beispiel bezüglich der Gesundheit haben wir schon oben genannt (≈ Gesundheitsampel). Zum Tempolimit sind die Lager (Sie alles wissen es) sehr zweigeteilt — jeder betrachtet in diesem leider oft nur bipolar gegenüber Gedachten die Meinung des Anderen mindestens als grundlegend „falsch“. Die statische Auswertung etwa durch ein Tempolimit reduzierter Unfalltoter ist zwar zunächst schlüssig (Spiegel Online).

Sie läuft aber immer Gefahr selbst ihr Gegenargument zu kreieren — und damit sind nicht jene Antworten gemeint, die vielleicht auf der Hand liegen (… Freiheitseinschränkung etc.). Es ließe sich — Achtung Provokation — entgegen halten, wenn gar keine Fahrzeugbewegung erfolgt, gäbe es gar keine Toten — Tempolimit 0. Nochmal: Hier geht es nicht um eine Relativierung — es soll nicht gesagt werden, einige Toten seien schon ok. Keinesfalls! Aber es ist natürlich ein größerer Komplex am Werk: Schnelles Reisen ist kommerziell durchaus wichtig (das fällt auf, wenn sie vom Pendel später nach Hause kommen oder die Regale leerer werden), das Reisen ist an sich für einen kulturellen Austausch essentiell (insbesondere angesichts derzeitig um sich greifender Angst vor „dem Anderen“). Nochmal provokant: Wenn wir auf die Scholle des Einzelnen begrenzt leben müssten, wäre das für die Sicherheit und zudem auch die Umwelt günstig — kein Schadstoffaustausch im Zuge des Reisens! Unter dem Schlagwort „regional“ wären unsere Supermärkte aber saisonal sehr begrenzt bestückt und ob der Transport einiger Kartoffelsäcke aus dem Umland wirklich ökologischer ist denn tausender in einem LKW über große Distanzen, ist fraglich …

All dies wirkt in den Komplex um das Tempolimit hinein — gefolgt von besagten Ängsten um eine begrenzte Freiheit, die oft wildwestliche Aufladung des Autos als Symbol von Freiheit (≈ analog zu Pferden in den USA des 18./19. Jahrhunderts), genauso auch der zutage brechende Erziehungsdrang vieler Menschen gegenüber ihren Mitmenschen: „Ich bin Fahrradfahrer, die anderen müssen es auch sein!“ Oder: „Ich fahre schnell, das sollen die anderen gefälligst auch!“ Darüber hinaus diesbezügliche Inkonsistenzen überall: Wie kann es sein, dass in einer Fahrradstadt die sichere Trennung zur Fahrbahn partiell aufzugeben wird — ähnlich jenen Städten, die abseits des sogenannten „Schutzstreifen“ keinen Platz für Fahrradwege haben? Wie kann es sein, dass immer mehr Fahrrad gefahren werden soll, aber die innerstädtische Fahrradstation aufgegeben wird (siehe zu dieser Debatte hier)? Wie ist es hinsichtlich des Fahrradfahrens um die Mobilität älterer oder eingeschränkter Menschen bestellt? In den Komplex zählt, zu diskutieren, wie weit der derzeitige ÖR-(Nah-)Verkehr überhaupt als Alternative zum Individualverkehr taugt — gerade auch außerhalb enger Siedlungsräume, die oft in der Berichterstattung den subjektiven Horizont der Autoren bilden, ohne andere, eben ländlichere Positionen zu berücksichtigen.

Hinsichtlich des Tempos könnte man durchaus auch kleinteiliger fragen, ob hinreichend untersucht wurde, wie weit zu langsam fahrende Gefährte an Unfällen mitbeteiligt sind — es also hinsichtlich Geschwindigkeit beide Enden des Spektrum sind, die eine Sicherheitsrisiko darstellen. Vielleicht wäre es — wie etwa in manch einem Tunnel — sinnvoll, das Geschwindigkeitsspektrum enger zu fassen, also eine Mindest- zur Maximalgeschwindigkeit hinzuzufügen … usw. … ein Mittelweg also.

Gerade besagte Auswertung von Daten ist oft auch aus zwei (über die genannte Finanzierung hinausgehenden) Gründen zu hinterfragen: einerseits weil sich manch eine Studie auf die Auswertung vorhandener, also wiederum von anderen produzierter Datensätze beschränkt — eine Kette von Auswertungsfehlern und methodischen Schwächen kann also die Folge sein; andererseits lässt sich oftmals eine ebenso fragwürde Gleichsetzung von Kausalität und Korrelation beobachten — d. h., zusammenfallende Ereignisse und Phänomene werden pauschal als Ursache und Wirkung interpretiert. Korrelation ist aber nicht an ein solches Verhältnis gebunden. Deswegen will der Autor dieses Blog-Eintrags in der Beschreibung des Paradigmenwechsels im Fernsehen „nur“ von möglichen Wechselwirkungen sprechen. Der Paradigmenwechsel beschreibt einen anhaltenden Prozess ausgehend von den 1970/80er Jahren: Statt weniger Sender, gibt es nun diverse. Technologien wie das Kabel machen die Übertragung möglich. Es werden Produkte für spezifische Zielgruppen hergestellt. Abomodelle machen auch geringer Quoten lukrativ. Die Gesellschaft verändert sich in dieser Zeit.

Etwaige Zusammenhänge diesbezüglich können nun aber nur schwerlich überprüft bzw. definitiv als kausal bestimmt werden — etwa so: Hat die Kabeltechnologie das moderne Fernsehen verursacht und damit auch vielen unterschiedlichen Menschen ein zielgruppenspezifisches Fernsehen ermöglicht, damit die Gesellschaft verändert? Oder sind es die gesellschaftlichen Umbrüche bzw. die darauf selbstbewusst (nun endlich) öffentlich auftretenden Menschengruppen, die sich im wenige Kanäle umfassenden Fernsehen nicht mehr wiederfanden/finden und den Druck auf die Produzenten erhöhten, gar die technologische Entwicklung erst veranlassten, sodass eine neue mehr Kommunikatoren beherbergende Übertragungstechnik (≈ damals Kabel, heute das Internet) eingeführt wurde? Es ist kompliziert …

Statistiken verleiten grundsätzlich zu fragwürdigen Interpretationen — weil sie natürlich Hypothesen zur Zukunft basierend auf mehr oder minder verlässlichen Daten der Vergangenheit anstellen. Sie sagen jetzt — zu Recht —, „wie kann man erst auf die faktische Dimension etwaiger Daten verweisen und nun ihre Gültigkeit anzweifeln?“ Hier geht es einerseits um ein in Maßen immer nützliches Misstrauen. In Maßen heißt nicht, „wir gehen nicht mehr/wir schicken unsere Kinder nicht mehr zum Impfen!“ Es heißt vielmehr, Statistiken können Grenzen haben, fehlerhaft sein und insbesondere ihre Interpretation missverständlich — ein anschauliches Beispiel ist etwa der Umgang mit Statistiken hinsichtlich ausbleibender Unterhaltszahlungen, welcher hier (Spiegel Online) — in Form einer Kolumne (und damit partiell subjektiv, mit einer provokanten Tonality) — genauer analysiert wurde. Dabei wir deutlich, dass sich zwar zweifellos zu viele Menschen vor Unterhaltszahlungen drücken, aber eine vermutete weitreichende Verrohung oder ein Anstieg verbrecherischen Tuns eher als Missinterpretation zu verstehen ist.

Auch an dieser Stelle sollten wir nicht in den polarisierten Sprech von Wahrheit etc. abgleiten, wie er in radikalen Bewegungen gepflegt wird. Mit der Kritik an Daten oder ihrer Erhebung und Auswertung ist noch kein Fakten geltender Abgesang vollzogen oder angedacht, noch von der Phrase/dem Oxymoron „alternative Fakten“ die Rede. Unter dem Stichwort „Big Data“ aber werden seit einigen Jahren Versuche und Verfahren beschrieben, die etwa auf das Fernsehen respektive On-Demand-Anbieter bezogen eine umfassende Erhebung und Auswertung von Daten der Nutzer meinen: Klicks, Spulvorgänge etc. Daraus abgeleitet sollen weitere Produktgenerationen entstehen, die eben den Bedürfnissen jetziger und künftiger Zuschauer entsprechen und kommerziellen Erfolg garantieren sollen (≈ wegespulte, womöglich langweilige Passagen sollen anders/ausgelassen werden). Die Frage ist natürlich, ob sich aus Bekanntem wirklich immer Neues ableiten lässt — abseits natürlich im Sinne einer Bestands- bzw. Situationsanalyse „Lücken“ zu finden. Aus Sicht des Autors dieses Blogs ist die Anwendung dieser Verfahren und etwaiger Ergebnisse durch Netflix für die Eigenproduktionen des Konzerns bezüglich herausstechender, innovativer oder künstlerisch-kritischer Eigenarten nur bedingt erfolgreich.

Jedenfalls werden genutzte/zitierte Studien beim Spiegel bereits sehr transparent und im Sinne der hier beschriebenen Strategie mit Basisdaten versehen — aber noch nicht durchgängig und wirklich systematisch … Die Notwendigkeit einer Markierung ist wie bereits erwähnt Teil des Gesamtphänomens, zu dem es auch gehört, dass die Fähigkeiten vieler Rezipienten leider bisweilen begrenzt sind. Der Autor fordert also — nochmal — mit Blick auf die Zukunft/eine Nachhaltigkeit die auf Fächer wie Politik, Kunst, Sozialkunde, Deutsch und weitere Fremdsprachen verteilte Behandlung von bestimmten Medien und ihrer Erzählweisen oder wie Medien in der Gesellschaft eine Funktion entfalten, zusätzlich in einem Fach zu bündeln, sodass die Theorien der Kommunikation mit einer grundlegenden ästhetisch-produzierenden Perspektiven verbunden werden. Etwa könnte ein und derselbe Sachverhalt durch mehrere Teams von Schülern aufbereitet und der Schülerschaft präsentiert werden. So ließe sich — ohne der Schwergängigkeit der (wissenschaftlich-philosophischen) Texte zur Systemtheorie oder zum Konstruktivismus ausgesetzt zu sein — erkennen, dass Konzepte von Wirklichkeit stark subjektiv sind und die oft geforderte (journalistische) Objektivität nur eine inspirierende Größe ist. Jedes Medium hat bestimmte Eigenarten, schlechte und positive Seiten, Graustufen — Facebook oder Whatsapp verbinden in bis dato ungewohnter Weise Menschen auch über Distanzen miteinander. Sehnsucht, Liebe — als dies kann heute mit Kommunikation auch dann erhalten werden, wenn man nicht „nebeneinander“ lebt. Die partielle Anonymität der Plattform ermuntert aber auch zu Beleidigungen, Mobbing, dazu, puren Hass ohne Reflexion und Hemmschwellen in die Welt zu posaunen … Statt also der Floskel „Lies lieber mal ein Buch!“ sollten alle Medien in Rezeption und Produktion in Grundzügen verstanden und ihre Metaebenen medientheoretisch veranschaulicht bzw. weitreichende Erzählweisen — wie die der seriellen Narration — in ihrer Omnipräsenz erklärt und vergegenwärtigt werden.

Auch sollte dieser Einblick in professionelles Kommunizieren aus zwei, bereits implizierten Gründen erfolgen: Zum ersten, damit eine gewisse Ehrfrucht vor entsprechenden Jobs und Branchen entstehen, sodass das Gestalten dem Status des Atmens enthoben bzw. entweder genauso „ehrfürchtig“ behandelt wird, wie es Ingenieure, Ärzte und Juristen für sich einfordern. Zum zweiten kann es so gelingen, eine milliardenschwere Berufsgruppe — Kommunikation vom Designer in Architektur, Leitsystemen, Verpackungen, Möbeln, Film, Fernsehen, Büchern, Computerspielen, Themenparks etc. — stärker in den ökonomischen und (hoch-)kulturellen Fokus zu rücken. Nicht, dass es irgendwann heißt, dass Deutschland — als oft (von sich selbst) gepriesene (Hoch-)Kulturnation (Goethe, Schiller, Bauhaus z. B.) — nicht mehr an global gefeierten (Hoch-)Kulturwerken und -Trends respektive ökonomisch erfolgreichen Werken mitwirkt …

Strategie V: Lagerdenken ade — Bekenntnis gegen Extremismus: links, rechts, religiös

Wenn wie oben beschrieben nicht alles Formate auf Seiten wie des mehrfach hier als (durchaus positives) Beispiel fungierenden Spiegels perfekt gekennzeichnet sind, so sind doch die Kolumnen durchaus als subjektive Sichtweise zu identifizieren. Wie ebenfalls oben erwähnt beziehen seriöse Anbieter einander widersprechende Kommunikatoren eine — etwa in Form der Wortgefechte von Augstein und Fleischhauer (bis Ende 2018). Diese sind ihrer Subjektivität und Perspektivität durchaus gewinnbringend bis unterhaltend und entsprechen in ihrer bisweilen vorhandenen Polarisierung dem Format, einer Kolumne.

In Teilen sind sie aber auch Ausdruck eines problematischen, selbst bei seriösen Medien gepflegten und zelebrierten Lagerdenkens. D. h. nicht, dass derartige Kolumne ausbleiben sollten, noch ist hier erneut eine negative Kritik am Spiegel angedacht (wie gesagt, der Autor dieses Blog-Eintrags ist von der Qualität vieler Berichte des Magazins beeindruckt). Es geht nun um eine eher grundlegende Beobachtung, deren Generalisierung folgendermaßen illustriert werden soll: Ein wenig ist es manchmal, als ob „zu viel“ Star Wars geschaut (soweit das möglich ist), vielleicht dass die dortige Philosophie zu wörtlich genommen wurde ≈ die dunkle und die lichte Seite, die sich in einem Gleichgewicht befinden sollten. Übrigens ist das in der Filmreihe ja selbst gar nicht wirklich gewollt, schließlich würde das ja im parabelartigen Charakter des Fantasy-Kosmos bedeuten, dass das Böse genauso präsent ist wie das Gute …

Werden wir wieder konkreter — anhand eines Beispiels, und zwar der kuriosen Aufladung des Begriffs „Lobbyist“ als oftmals etwas Schlechtes, das Böse schlechthin. Genau genommen sind aber auch Gewerkschaften Lobby-Organisation. Bei Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften sollen einerseits die Interessen der (zahlenden) Mitglieder geschützt werden. Anderseits geraten solche Organisationen regelmäßig unter Zugzwang, wenn sie aus Sicht ihrer Mitglieder zu wenig tun. Ihre Existenz gerät in Gefahr (≈ Austritt), sodass sie agieren müssen, um den Mitgliedern zu gefallen. Kategorien wie „gut“ und „schlecht“ haben dabei nur einen nachgeordneten Charakter. Solch schriftlich und verbal gepflegten Klischees gehören im Qualitätsjournalismus also überdacht!

Dann wird immer wieder — im Voraus als auch im Nachgang etwaiger Wahlen — debattiert, die Parteien seien einander zu ähnlich, müssten mehr Gegensätze aufweisen. Ist die Antwort darauf mehr Extremismus? Fast als Reaktion darauf könnte der Versuch der SPD gewertet werden, immer wieder in Teilen rhetorische Anleihen bei der Linkspartei zu nehmen, Stereotypen wie der „Kleine Mann“ respektive die „Kleine Frau“ bzw. die bösen Reichen in abstrakter Uneindeutigkeit zu pflegen … Hingegen die Union in Teilen der AfD nacheifert, Begriffe wie „Heimat“ sogar in einem Heimatministerium und in tendenziös primitiver Vereinfachung münden und von einem „Früher“ schwärmen lässt, in dem die Welt noch „in Ordnung“ war (trotz Kaltem Krieg etc.?) … Klar, als Designer ist dem Autor dieses Blogs bewusst, auch wenn es abgedroschen klingt, „jedes Kind braucht einen Namen“. Und klar, muss es ein Profil geben wie bei jeder anderen Institution, Marke oder jedem anderen Produkt … sonst könnte man es ja nicht unterscheiden. Aber müssen es immer nur Klischees sein oder unkonkrete Absichtserklärungen?

Ob mit Klischees gepflegte Ängste tendenzielle Ursachen haben oder auf Missinterpretationen fußen, kann hier wie gesagt nicht geklärt werden, aber nicht jede sich in Hass und Gewalt ausdrückende Gefühlslage oder jeder Wutausbruch sollte politisch aufgegriffen werden. Diese Anbiederung gegenüber den Rändern des politischen Spektrums kann allerdings offensichtlich nicht einfach abgestellt werden, Demokratie fußt eben auch auf solchen Stimmungen und entsprechenden Wählern… ihre Lautstärke macht sie bedauerlich attraktiv. Dennoch bleibt dabei der fahle Beigeschmack zurück, dass eben nicht nur Medienmacher Unreflektiertem eine zu große Bühne bieten. All diese Beschreibung lassen sich also vor allem dem zuordnen, was in Strategie III und IV „angegangen“ werden soll: Aber statt das theatrale Lagerdenken aufzubrechen, wird es bedient … Eine — quasi als Fazit denkbare — Lösung wäre: Mäßigung.

Der Autor dieses Textes glaubt, dass eine Mäßigung nicht mit Mittelmaß oder Charakterlosigkeit übereinfällt. Nochmal: Klar, brauchen Parteien nicht nur einen Namen, sondern eine individuelle Agenda, doch nicht auf Kosten grundsätzlicher und damit auch gesamtgesellschaftlich-demokratischer Werte. Doch Gegensätzliches quasi künstlich zu fördern und damit auch Radikales, um es dann anschließend — zu Recht — als bedrohlich zu betrachten, ist schon paradox. Selbstverständlich gehörte in einer Demokratie der Konflikt im Sinne von Meinungsverschiedenheit zum Alltag. Aber mit dem „Zelebrieren“ alter Klischees wird ja gerade von dieser für eine Demokratie notwendigen konstruktiven und gemäßigten Note — also Toleranz, gar Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen — immer mehr abgerückt. Und: Diese Note wird — so die Erfahrung des Autors — gegen ein Lagerdenken eingetauscht. Dieses wiederum schließt natürlich jegliche Gegenargumente aus. Oder, als tendenzielle Anpassung an Radikale, wird Gleiches mit Gleichem vergolten usw.

Umso wichtiger erscheint es dem Autor angesichts dieser sich verbreitenden Radikalisierung ein klares Bekenntnis zu pflegen ——— eben auch durch professionale Kommunikatoren/Medien: eine klare Bekenntnis nicht zu einer Seite, sondern zur Mitte und damit zu einem aufklärenden, nicht reflexartig-bühnenbietenden Umgang, zu einem emotionalen, aber nicht hitzigen und unreflektierten Konfliktverständnis, zu einer Absage an rechte, linke oder religiöse Radikale!

Mit Blick auf die mehrfach erwähnten Medientheorien ist sich der Autor dieses Essays natürlich bewusst, dass ein sich kausal einstellender Erfolg damit längst nicht garantiert ist. Aber wäre es nicht schlimm, sich nicht zumindest um eine (kommunikativ gepflegte) gemeinsame Welt für alle Menschen zu bemühen?