Mediensucht? Eine fragwürdige Studie der DAK fordert wichtigerweise Medienkompetenz, zeigt aber, wie wenig die Urheber davon haben: Ein Kommentar auch dazu, wie man als Privatperson und JournalistIn mit »Studien« umgehen sollte.

So bringt man Medienkompetenz nicht an den Menschen

Es geht um Sucht: Die Medien sind mal wieder schult. Das mag vertraut vorkommen — bisweilen sogar sehr: »Heavy Metal macht aggressiv!«, »Fernsehen verdummt!« usw. — das haben heutige Mittdreißiger in ihrer Jugend gehört. Im 19. Jahrhundert wollte man bestimmte Formen von Fortsetzungsromanen verbieten lassen, weil sie angeblich süchtig machen. Medien? Das sind im Fall dieser Studie insbesondere die Sozialen Medien und Games. Wir wollen hier, in diesem Kommentar, keine Bewertung erfolgen lassen — also, ob Sucht durch Medien möglich ist oder nicht. Der Autor ist überzeugt, ein Zuviel kann — wie in beinahe allen Angelegenheiten — bisweilen schlimme Folgen haben, es muss aber nicht so kommen. Er ist der Meinung — das muss hier vorweggenommen werden —, dass Medienkompetenz über ein drohendes Krankheitsbild einzufordern selbige nicht wirklich begünstigen, sondern diesem wichtigen Feld letztlich schaden wird; dass die Ableitungen aus der Studie überzeichnet sind; und die Medienwahl — die potentiellen/angeblichen Suchtverursacher — selektiv ist.

In diesem Kommentar stehen sowohl die Methode der Studie als auch die daraus resultierenden Ableitungen durch die Initiatoren selbst sowie durch weitere (journalistische) Kommentatoren aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive heraus, gleichsam im Sinne eines Kommentars des Autors dieses Blog auf dem Prüfstand. Und gleichsam auch der Umgang mit solchen Studien — also, wie man im Sinne von Medienkompetenz mit der Vielzahl jeden Tag erscheinender und als (vermeintliche) Belege fungierender Studien umgehen sollte, um sich ggf. nicht durch charismatische Überschriften und Studien überrumpeln zu lassen.

Die Studie jedenfalls lässt das, was in dieser kurzen Einführung ebenfalls, weil alltäglich, schon einfach so vorausgesetzt wurde, offen: Was sind »Medien«? »Medien« ist mittlerweile ein schon recht alter und etablierter Begriff. Man könnte auch sagen, das diffuse Verständnis des Begriffs gehört schon lange zu unserem Alltag. Und offenbar auch zu der vorliegenden Studie. Aber — wie so oft bei etwas nebulösen Begriffe — lohnt es sich, über den üblichen Gebrauch hinweg, hinter die Kulissen zu schauen. Im Falle einer wissenschaftlichen Studie ist das nach Meinung des promovierten Autors auch Pflicht.

Das lässt sich — wie ebenfalls so oft, wenn man etwas erklären will — über einen kurzen Umweg veranschaulichen: Ein aktuelles Wort, welches ähnlich aufgeladen ist wie »Medien«, ist der Begriff »digital«. Digital ist heute eigentlich alles — gut oder schlecht. Jemanden auf einem Video sehen, ist digital, obschon es Videoübertragungen schon vor der Zerlegung in Einsen und Nullen gab. Oder sagen Sie auch: »Wollen wir mal digital telefonieren?« Obschon viele Telefonanbieter analoge Verfahren beendet und Digitales der tatsächliche Hintergrund des Ganzen ist, gilt das Festnetztelefon nicht wirklich als digital.

Das meint insgesamt, Tele-Kommunikation wird heute dem Digitalen zugeordnet. Oder auch das, was man, idealer, weil weniger auf eine technische Dimension bezogen, als »virtuell« beschreiben könnte: Subjektive, interpersonale, nicht-so-ganz reale Sphären, Räume, Gedanken, Abläufe sind damit gemeint. Telefoniert man mit jemanden, befinden wir uns gemeinsam mit ihm in einer Art Raum — sogar in vielen: Gemeinsam erinnern Sie und ihr Bekannter sich an ein Ereignis in der gemeinsamen Schulzeit … Der virtuelle Raum hat in einem Multiplayerspiel bisweilen eine grafische Ausformung etc. Als Überzeugung oder Glauben kann es einen virtuellen, wenn auch abstrakten Raum geben usw.

Digital — im Sinne einer neuen Eigenschaft — wird es aber erst abseits ggf. besserer (oder auch schlechterer) Übertragungswege und -qualitäten. Wenn auch wirklich neue Potentiale genutzt werden: Das heißt, in einer Videokonferenz werden Daten ausgetauscht, gemeinsam an Cloud-Dokumenten gearbeitet etc. Bis dahin bleibt es bei einfacher Telearbeit oder einer klassich-realen Arbeit im Zuge virtueller Absprachen. Und diese Arbeit — einfach oder digital — ist übrigens »bloß« eine Alternative zum Konferenzraum: ähnlich, aber nicht gleich. Zwar wird im Raum und auch via Übertragung mit mehreren Personen gesprochen, sie werden gesehen, sie sehen die anderen, gemeinsam erarbeiten sie ggf. etwas im Dialog oder halten etwas in die Kamera oder einfach hoch. Anderseits verändert sich die Arbeit — von Medium »Konferenzraum« zum Medium »Videokonferenz« zum Medium »digitale Videokonferenz«.

Andere Eigenarten, andere Möglichkeiten: Im gemeinsamen, realen Raum kann man über Gestik und Mimik hinaus die Körperhaltung anderer Menschen oft besser erkennen, zum Beispiel Design Thinking gemeinsam, in einem Raum betreiben; in einer Videokonferenz fällt das teilweise weg, es kommt auf den Bildausschnitt und die Übertragungsqualität an. Aber große Entfernungen können überbrückt (oder wie jetzt ein Abstand gehalten) werden. In einer eher als digital zu beschreiben Konferenz wird dieses virtuelle, tele-artige Potential um ein gemeinsames — paralleles — Arbeiten an konkreten, digitalen Werken erweitert: Gemeinsam greift man auf dasselbe Dokument zu usw. Sie sehen, so einfach ist es mit einem einfach erscheinenden Wort oft nicht.

Ist das Thema oder Untersuchungsobjekt der Studie in der Studie schlüssig definiert worden?

Für die mit der Studie verbundene Begriffe »Internet« und »Medien« gelten durchaus ähnliche Befunde, wie sie aktuell für den Begriff »Digitalisierung« (siehe vorher) vermehrt zu beobachten sind: Auch diese Begriffe werden zw. Schrecken und Zukunft eingeordnet, ohne genau zu wissen, was gemeint ist. Sie wirken derart alltäglich, dass man sich verleitet fühlt, nicht nachzufragen, was es mit ihnen auf sich hat. Und das scheint auch im Fall dieser Studie so zu sein.

Von einer klaren und allgemein bekannten Definition lässt sich aber ganz grundsätzlich und von Studie unabhängig kaum sprechen: Das Internet kann zwar als Medium gelten, weil es sicherlich als Übergriff oder Raum für viele konkrete Räume gilt: eine Open World in einem Spiel, eine sogenannte »soziale Plattform«, als Chatraum, als eine Internetpräsenz unter vielen … Zudem gilt, wie jeder mit Marketing- oder Kommunikationshintergrund weiß, »ein Kind braucht einen Namen«.

Das Netz ist aber nur schwerlich als ein Medium im Verhältnis zum Buch und zum Film definierbar. Nicht, weil es minderwertig ist, wohlgemerkt! Denn im Netz wird gelesen, gehört, geschaut — Videos oder Bilder, es erfolgt Interaktionen via Schrift, Ton, Video, in Games, in virtuellen Realitäten grafischer Form usw. Es sind also viele Medien in einem bzw. im Internet zu finden.

Insofern ist selbst ein Buch nicht immer eine einfache Schublade: Lesen und schauen (Cover, Typografie und ihre Qualität, Bilderbuch, illustrierter Band) gleichzeitig, um in die virtuellen Räume einer Geschichte einzutauchen. Und sogar das mag angesichts des Tenors der hier im Fokus stehenden Studie deren Urhebende und in Teilen vielleicht die Leser dieses Kommentars überraschen: Das Buch wäre als ein Medium unter vielen dann gewiss auch — wenn andere Medien laut Studie ja süchtig machen — potentiell süchtigmachend.

Historisch sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, sind Bücher sehr bedeutend für die westliche Welt. Aber sie sind auch ein habituell überbewertetes Medium. Es gehört zum Selbstverständnis vieler Menschen, die gebildet gelten wollen, zu lesen oder zumindest anzugeben, sie würde das tun. Obschon natürlich sehr wahrscheinlich nicht mehr gute Bücher erscheinen als Filme oder Fernsehserien. Insofern ist der Umstand, dem Buch einen Sonderstatus zukommen zu lassen, sehr selektiv. Das wird in der hier behandelten Studie zwar auch nicht behauptet oder direkt vollzogen, aber implizit scheint die Haltung dann doch durch: weil die beiden untersuchten medialen Kandidaten sicherlich vielfach vorbelastet, also in öffentlichen oder von besagtem Habitus geprägten Diskursen (zurecht oder aus Vorbehalten heraus) als schlecht gelten.

Überdies es geht in Bezug auf die Definition oder schwierige Definition von Medien noch weiter: Ein Film besteht aus Medien wie Audio, Video und bisweilen aus Text usw. Keine Kommunikation geht ohne Medium — Luft, um Töne zu übertragen, der Körper des Gegenübers sendet in Mimik und Gestik Botschaften, Sprache ist ein Medium, früher — vor Erfindung der Schrift — war der Mensch das Medium schlechthin: als Erzähler und zur Weitergabe wichtiger Dinge.

Das alles muss einen nicht verzweifeln lassen. Die genannten Aspekte können zum Beispiel durchaus in verschiedene Ebenen etc. eingeteilt werden. Insgesamt muss man sich aber von der Schublade trennen, die da sagt, dass Medien nur bestimmte Dinge sind wie Film, Videospiele und »Soziale Medien«. Medien sind allgegenwertig, Medien sind eben auch gedruckte Dinge und reale Räume — der Themenpark, der Arbeitsplatz, die Weltliteratur, die Gebrauchsanleitung etc. Und Medien sind nicht nur jene Dinge, die man als Erwachsener gegenüber Jugendlichen als kritisch betrachtet. Eine offene Herangehensweise, ein offener Geist hilft, Medien, gar Kommunikation — soziale, psychologische, wirtschaftliche, künstlerische Aspekte Jung und Alt betreffend — besser und umfassender zu begreifen, mehr Kompetenz dahingehend zu entwickeln.

Schubladen ordnen nur sehr begrenzt die Welt, sie sind meist nur grobe, manchmal auch fragwürdige Orientierungsgrößen. Das sieht man auch im konkreten Fall: »Mediensucht« — ist das dann die Sucht nach Luft oder Ton? Klar, soweit wird dann doch definiert — es geht in besagter Studie um »Soziale Medien« und »digitales Spielen«.

Hier haben wir es aber wieder: das unkritisch genutzte Schlagwort »digital« — wohl modern und gleichsam als Schreckgespenst gedacht. Was ist denn daran genau digital? Der Empfang, die Verarbeitung, ok … Es scheint in der Studie um Distanz zu gehen, Medien, bei deren Nutzung man sich nicht im gleichen realen Raum befindet. Aber: Viele Konsolen-Spiele kann man zum Beispiel zu zweit spielen — im gleichen Raum sogar, man kann auch klassische Brettspiel auf ihnen gemeinsam nutzen. Was ist das dann?

Oder ein anderes Beispiel: Ist Goethe auf dem Tablett anders als in Printform? Die Antwort: Jein, denn das Werk bleibt inhaltlich und ggf. in Formatierung gleich. Im digitalen Doc können diverse Infos eingeblendet, Links eingebracht und es kann besser gesucht werden. Auf Papier gibt es eine (vielleicht romantische) Patina, das Ganze funktioniert ohne Strom. Goethes Werk bleibt also je nach Medium gleich und partiell verändert es sich. Nutzt man aber das Tablett wie ein Buch als bloße Transporteure ändert sich nur wenig. Übrigens deswegen bringen Tabletts in Schulen auch nicht automatisch echte Digitalisierung … Dazu müssen digitale Potentiale über einen entsprechenden Transport hinaus zur Anwendung gebracht und geschult werden.

Solche digital-analogen Spiele jedenfalls scheinen schon einmal in der Studie nicht gemeint zu sein … Und auch das scheint nicht gemeint zu sein: Das Telefon zum Beispiel wird selten als digital bezeichnet, ist es aber heute recht häufig. Mit Profilfotos versehen sind Facetime bis Whatsapp partiell eine Fortsetzung des Telefons. Dabei werden sie teilweise zu sogenannten »sozialen Formen« von Medien. Obschon — das sei in Bezug auf den ebenfalls problematischen Begriff »Soziale Medien« gesagt — Medien fast immer eine mehr oder minder direkte soziale Komponente besitzen: das Mitfiebern mit (fiktiven) Figuren, die indirekte Kommunikation mit den Machern eines Film (durch das Schauen des Films, durch Feedback), die Postings für Freunde/»die Welt« oder das Haben-Wollen einer Action-Figur »wie der Max eine hat« etc.

Mögen also — ggf. definitorisch verstandene — Schubladen im vorliegenden Fall in mehrfacher Hinsicht schwierig sein (»die Medien«), braucht es natürlich eine ungefähre Beschreibung und Eingrenzung des Untersuchungsfeldes. Das bleibt leider in der Studie über eine kurze Bemerkung hinweg aus — Fragen wie die oben gestellten hätten nämlich geklärt werden müssen. Woran ist das gescheitert? An der Medienkompetenz der Verantwortlichen? Oder weil damit die angeblichen Erkenntnisse der Studie stark an Substanz verlieren würde?

Es bleibt in der Studie jedenfalls bei Schlagworten. Und das ist nicht nur in Bezug auf die handwerkliche Qualität dieser Studie fragwürdig, sondern auch durch das, was damit bewirkt wird: Bekannte Ängste und Konflikte wie der zw. den Generationen werden fortgeführt oder angeheizt: Was »die jungen Leute« bewegt, was sie verstärkt machen, wird nicht so recht verstanden, »das hat es früher nicht gegeben«. Die regelmäßige Reaktion auf das Nicht-Verstandene ist bekanntlich Angst oder es zur Gefahr zu erklären.

Mittdreißiger kennen das in Bezug auf Fernsehen, Computerspiele; deren Eltern in Bezug auf Fernsehen oder Comics. Platon fürchtete vor mehr als 2000 Jahren die Verdummung durch die Schrift — weil man sich nicht mehr so viel merken müsste, sondern alles aufschreiben könnte. Klar, Medien verändern ihre Nutzer, aber wir sind ihnen auch nicht per se ausgeliefert: Das Viertel prägt uns und wir das Viertel (≈ weitgefasster Medienbegriff) …

Medien sind weder gut noch schlecht, immer graustufig. Natürlich kann ein Medium oder ein Zuviel Gefahren bringen. Konkret meint dies zum Bespiel: Soziale Medien verbinden nicht nur, ermöglichen nicht nur die Teilhabe von Individuen, sie können nicht nur Zensur umschiffen, Soziale Medien können auch Orte des Hasses, von Fehlinformationen sein, der Selbstdarstellungen dienen. Das liegt an den Plattformen (z. B. im Zuge von Anonymität), aber eben nicht nur: Mobbing gab es auch auf dem analogen Schulhof, jetzt hat es neue, zweifellos schreckliche Qualitäten im Netz gefunden.

Ein real-räumlicheres Beispiel: In der Regel ist kein im Supermarkt derzeit erhältliches Lebensmittel so wirklich gesundheitsschädlich, obschon in einer dem Tenor der Studie ähnlichen Weise gerne allerseits etwas anderes behauptet wird. Schädlich ist das Volumen. Darum — um die Volumenfrage — geht es zwar auch in der hier im Fokus stehenden Studie: Zu Ihrer Bestimmung hätte es aber schon der Definition des Untersuchungsfelds bedurft.

Der Autor dieses Blogs setzt sich über seine berufliche Arbeit hinaus dafür ein, dass sich allerseits mehr mit Medien beschäftigt wird. Und das fordert auch diese Studie. Insofern könnte sie dem Autor gelegen kommen. Dem ist nicht so. Denn die Studie erweist sachlichen Anliegen einen Bärendienst, weil sie über die Furcht vor einer Sucht argumentiert. Dabei werden Klischees letztlich nur gefestigt, statt die Dinge besser zu verstehen und ein vollständigeres Bild zu betrachten. Angst einzusetzen, mag ein Trend sein — zum Aufrütteln ähnlich der Szenarien von Umweltbewegungen: Dies kann erfolgreich sein — man erzeugt Aufmerksamkeit für etwas wenig Beachtetes.

Aber es ist nicht immer erfolgreich: Es führt nämlich regelmäßig dazu, dass einander gegenüberstehender Positionen noch mehr aufgeladen werden, nicht aber zu sinnvollen und notwendigen Kompromissen angehalten werden. Im konkreten Fall meint das, es wäre besser, Medien nicht krankheitsbezogen zu verteufeln, damit ihre eben auch vorhandenen Vorteile (Nicht-)Jugendlichen gegenüber ersichtlich und in einem reflexiven Maße genutzt werden. Vom Tenor und von den schlagwortartigen Aussagen der Studie inspiriert aber werden sich viele sagen: »Warum sich mit etwas beschäftigen, was eigentlich schlecht ist?«

Ein sachlicherer Blick in der Auswertung der Studie und ein sachlicheres Formulieren der Statements vor der Presse hätte dann zum Beispiel — weniger sensationell allerdings —dazu geführt, festzustellen, dass im Rahmen der Corona-Krise Soziale Medien oder andere Kommunikationswege über das Netz in Teilen als ein Ausgleich oder Ersatz (auch, wenn das nur teilweise möglich ist, die Medienunterschiede sind oben genannt worden) genutzt wurden, um Weggebrochenes zu kompensieren. Das jedenfalls geben die Befragten in der vorliegenden Studie sogar selbst an. Sollten sie auf ihre Kontakte verzichten? Wäre es besser gewesen, über das Telefon zu kommunizieren, weil dieses scheinbar aus dem Feld verdächtiger Medien herausfällt?

Nein, der Begriff »Medien« ist, die konkreteren Felder »digitale Spiele« und »Soziale Medien« sind in der Studie im Grunde nicht definiert worden. Da stellt sich die Frage, ist man sich über eine wesentliche Komponente dieser Studie überhaupt im Klaren? Denn es wird sich vornehmlich auf jene Medien konzentriert, die gemeinhin — gerade bei Älteren und/oder wenig medienkompetenten Menschen — bereits als schlecht gelten. Das alles bestätigt schwarz-weiße Weltmodelle, läuft aber/damit Gefahr, die Probleme — das Nicht-Vorhandensein von Medienkompetenz — eigentlich nur zu verstellen.

Schon nach diesem ersten Einstieg bleibt keine Wahl — die Begriffe »Medien«, »Sucht« oder die Zusammensetzung »Mediensucht« muss in Verbindung mit der DAK-Studie in Anführungszeichen gesetzt werden, da grundlegende — wissenschaftliche — Arbeitsschritt im Report fehlen.

Was wurde gemacht? Und wie wurde es gemacht? Wie ist es um die Quellen und deren Qualität bestellt?

Die Studie fußt — neben internationalen Quellen und Statements von einzelnen Experten — auf einer Umfrage. In zwei Phasen wurden via Fragebögen Nutzungszeiten und Verhaltensweise besagte »Medien« (Soziale + »digitales« Spielen) betreffend abgefragt — die Kinder bzw. Familien wurden »repräsentativ« ausgewählt: Etwas über 1200 nahmen in der ersten, 800 Kinder in der zweiten Phase teil. Die Teilnehmenden der zweiten Phase nahmen auch an Phase 1 teil, wurden also erneut befragt.

Repräsentativ sollte heißen, das verschiedene Eigenschaften berücksichtigt wurden, um die Kinder und ihre Eigenarten sowie Lebensumstände in der Bevölkerung abzubilden. Es handelt sich insgesamt um ein stichprobenartiges Verfahren — d. h., die Repräsentativität der Ergebnisse, also das Hochrechnen von der befragten Gruppe auf die Gesamtlage, kann — nach gängigem Verständnis und Faustregeln — angesichts des Verfahrens und der Anzahl Beteiligter als recht hoch angenommen werden. »Kann« ist in Bezug auf statistische Werte zu verstehen — dazu gleich mehr.

Ausgeführt wurde die Umfrage von dem darauf spezialisierten, allgemein recht bekannten Unternehmen forsa. In der Regel erfolgt die Teilnahme an dortigen Umfragen infolge einer (besagter »repräsentativer«) Auswahl — anhand eines initiativen Telefonkontaktes zum Beispiel seitens des befragenden Unternehmens. Die Teilnahme ist freiwillig. Übrigens: Bei dem im Juli 2020 vorliegenden Report handelt es sich um die Veröffentlichung von Teilerkenntnissen — erst in ca. einem Jahr wird eine weitere Erhebung vorgenommen bzw. eine solche ist entsprechend geplant.

Die Studie ist, wie Kommunikationswissenschaftlern etc. bekannt sein dürfte, in mehreren Punkten in einer fragwürdigen Weise gestaltet — wenn dies auch weit verbreitet und üblich ist: Wobei man naheliegende Fehler tendenziell vermieden hat — die Anzahl der Multiple-Choice-Felder ist in den meisten Fällen hier gerade. Ungerade Ausführungen verleiten dazu, dass oft die Mitte gewählt wird — aus einem unbewussten Harmoniebedürfnis heraus oder weil man sich nicht entscheiden möchte/kann.

Die begrenzte Anzahl an Fragen hinsichtlich einer eventuelle Störung wirkt auf den Autor dieses Kommentars, selbst mit wissenschaftlichen Hintergrund und Doktorarbeit, insgesamt aber krasser als die angebliche Erkenntnis der gesamten Studie: Anhand der vorgegebenen Antworten zu nur 13, auf einem Formular platzierten Fragen — jeweils aus persönlicher Sicht ausgefüllt — konnte angeblich in einer späteren Phase der Befragung ein eventuelles Problem bei den Jugendlichen und Kindern als »indiziert« (oder eben auch nicht) betrachtet werden. Das muss gelinde gesagt als gewagt betrachtet werden — selbst bei einer Auswertung durch einen Facharzt. Überraschend auch, dass dieser knappe Katalog weiterhin genutzt werden soll.

Denn wie jeder Meinungsforschende weiß: Selbstauskünfte oder die Aussagen direkt Beteiligter (über eine nahestehende Person) sind oft vor allem eins — vorbelastet. Sich selbst einzuschätzen, gelingt übrigens auch den meisten Erwachsenen nicht. Das Gedächtnis ist kein Computerspeicher — Erinnerungen und Zusammenhänge verändern sich — je nach Situation. Hier zeigt sich ein sehr kausales Denken der Studienmacher, welches bei Medienforschenden oder Soziologen als problematisch gilt: Zwar funktioniert Kausalität auf kleiner Ebene — »Schalter an, Licht an« —, umso mehr Faktoren eine Rolle spielen, umso schwieriger wird die Vorstellung einer Kette aus lauter »Weils« und »Dahers«. Was das konkret meint, wir kommen jetzt gleich darauf zurück.

Zudem sind im vorliegenden Fall die Erwachsenen schon der Ausgangslage halber vorbelastet, womöglich gar verängstigst (»Wir nehmen an einer Suchtstudie teil …«, »… sogar noch einmal!«): Es ist vorstellbar, dass jedes aus ihrer Sicht erkannte Zuviel dann sehr schnell als potentielle Suchtindikation interpretiert wird. Womöglich werden — unterbewusst —übermäßige Werte für das Kind eingetragen. Andererseits werden jene Eltern (und je nach Alter auch Jugendliche), die das Thema für Unsinn halten, nicht teilnehmen. Oder auch jene werden eine Auskunft verweigern, die, um das leider in der Öffentlichkeit verbreitete Stigma Sucht fürchtend, etwaige Probleme nicht offen (wenn auch anonymisiert) nennen wollen. Insofern kann die Statistik auch trügen, denn im vorliegenden Fall geht es nicht um ein einfaches Ja oder Nein oder »Welche Partei wählen Sie?«.

Bekannte Situation bzw. ein ähnliches, wenn auch umgekehrtes Beispiel: Fragen Sie offen auf der Straße (mit Publikum) nach dem Konsum von zuckerhaltiger Coca Cola. Da Zucker mittlerweile als große Gefahr gilt, Cola als Mainstream und/oder kapitalistisch gewertet wird, kann es schnell sein, dass Cola nach einer solchen Befragung kaum noch Kunden haben dürfte. Denn das Grundproblem ist, wenn man etwas abfragt, wird darüber nachgedacht — zw. dem, was (von außen) gewünscht wird, was man sich selbst wünscht oder (Un-)Wissen erfolgen die Antworten.

Im Grunde handelt es sich bei solchen Fragen um eine indirekte Form der Suggestion. Nicht zuletzt liefern einige der Fragen in der vorliegenden Studie zur »Mediensucht« bzw. die dazugehörigen, vorgegebenen Antworten Auswege: »Ich bin sitzen geblieben wegen meiner ›digitalen‹ Spielesucht.« Achtung: Selbstverständlich ist das (theoretisch) möglich. Hier geht es nicht gegen den Umstand, dass es Sucht gibt; dass potentiell auch bestimmte Beschäftigungen oder mediale Präferenzen oder (suchtartige) Überpräferenzen ein Problem sein können. Und Sucht soll in diesem Kommentar gewiss nicht als selbstverschuldet oder vorgeschoben stigmatisiert oder werden — ganz im Gegenteil: Es geht darum, sich mit Sucht (und Medien und Medienkonsum) ernsthaft zu beschäftigen, statt, wie im Fall dieser Studie, der Meinung des Autors dieses Beitrags nach, in eher vorgefasster Weise auseinander zu setzen.

Das lässt sich auch an einer Umkehr der offenbaren Prämisse der Studie erkennen: Sie nimmt mehr oder minder deutlich an, »Soziale Medien« und »Gaming« sind potentiell schlecht (andere Formen digitaler Natur und im Netz sind es wohl nicht oder zumindest weniger(?)). Sie können zumindest aber die schulische Versetzung gefährden — danach wird ja gefragt. Kehren wir das mal um: Könnten nicht etwa Spiele mit einer hohen (mikro-)wirtschaftlichen Komponente nicht sogar sinnvoll für die praktische Bildung von jungen Menschen sein, weil sie ökonomische und mathematische Kenntnisse vertiefen oder trainieren? Können kooperative Games nicht ein Miteinander begünstigen? Auch pauschal, aber nicht grundsätzlich falsch natürlich. Sie sehen, Einseitigkeit hilft nicht, einen Sachverhalt oder das vorliegende Feld wirklich zu bearbeiten.

Letztlich würden umfassende Beobachtungen eher zeigen, wie es sich um den Einfluss von Medien wirklich bestellt ist. Etwa indem man den Konsum auf den Geräten tatsächlich erfassen würde, die Situation in der Familie konkret auswertet, schulische Ergebnisse, die Feunde und Hobbies etc. einbezieht, langfristig nachhakt. Das ist sehr aufwendig (und führt zu weiteren Problemen, weil es den Beteiligten mehr oder minder bewusst ist, was mit ihnen geschieht). In jedem Fall ist dies kurz nach Ende der ersten Corona-Welle nicht zu leisten. Deshalb läuft die Studie — besser gesagt diese Teilveröffentlichung derselben, sie ist ja noch im Gange — Gefahr in einen Zwiespalt zw. Kausalität und Korrelation zu geraten: Was das meint, das veranschaulicht das bekannte Beispiel von den gleichen Zahlen und Kurven zw. Eiskonsum und Haiopfern über das Kalenderjahr — als ob da eine direkte Beziehung bestünde. Betrachtet man das allgegenwertige Verlangen nach bzw. das Einbringen von Studien in diverse Nachrichten und Diskussionen würde im Fall »Hai und Eis« sicherlich irgendwo abgeleitet werden, dass Eis dick und für Attacken anfällig macht, weil man nicht gut und schnell genug schwimmen könnte — durch Übergewicht z. B. usw.

Die Befragung erfolgte übrigens online — das Suchtobjekt wurde also mit einem potentiellen Suchtmedium erforscht, könnte man spitzfindig ergänzen. Aber es geht ja um »digitales Spielen« und sogenannte »Soziale Medien« — ambivalent herausgepickt wie eingangs schon skizziert wurde. Onlineumfragen, Onlineveröffentlichungen in digitaler Textform sind wohl nicht bedenklich … Aha.

Die Studie ist im Übrigen — und das ist nicht als Abwertung gemeint — vor allem eine Sammlung von Quellen und Statements. So verfahren wissenschaftliche Arbeiten regelmäßig — wer im Studium oder am Gymnasium eine Fach- oder Hausarbeit verfasst hat, wird sich dabei wiederfinden. Es geht darum, etwas zu belegen, verschiedene Sichtweisen oder bestimmte Erkenntnisse in Bezug zueinander zu setzten. Ob dies für den Begriff »Studie« qualifiziert, steht dann auf einem anderen Blatt — die Methode der Befragung und die dazugehörigen Ableitungen jedenfalls sind nicht zwingend ein Beleg für die öffentlichkeitswirksamen Aussagen und Schreckensnachrichten (siehe vorher).

Letztlich werden Quellen aus der ganzen Welt zitiert, die mehr oder weniger in ihrer Seltenheit und durch ihren entfernten Ursprung sowie oft zurückliegende Veröffentlichungsdaten durchaus ein Indikator sein können, dass wir in einer globalen Welt leben. Und, dass Forschungsbedarf vorliegt. Allerdings ließe sich an diesem Umstand auch ableiten, wie schwer es ist, fundierte Ergebnisse zu erzielen oder ob sie überhaupt auf den eher ungreifbaren Komplex »Mediensucht« bezogen erreichbar sind, es hier also ein definitorisches Grundproblem gibt.

Mit ähnlicher Attitüde wie die der Pressemitteilung und des eher unreflektierten Pressechos auf selbige könnte man sagen, dass der in der Studie vorgetragene Befund — zumindest, was die Quellen abseits der Befragung angeht — nicht auf wirklich solidem Fundamten steht oder fast keinem. Die Auswahl der Quellen ist selektiv: In guten wissenschaftlichen Arbeiten gehört es zumindest in Teilen dazu, Gegenstimmen einzubringen. Aber ok: Schon die Untersuchungsfelder oder die potentiell suchterzeugenden Medien werden in der Studie nicht definiert: Das ist aus wissenschaftlicher Erfahrung des Autors dieses Blogs eine Überraschung … Nur die konkreten Plattformen der abgefragten Sozialen Medien zum Beispiel werden kurz genannt. Das könnte dann so gedeutet werden, als klammere man die definitorische Unklarheit einfach aus, um hier schnell »Etwas« vorzulegen.

Naja: Die Quellen sind überschaubar, bisweilen fragwürdig und ideologisch vorbelastet. Die Studien mit etwas über 800—1200 Kindern bzw. Jugendlichen + Elternteil erfolgte in standardisierter, aber in ihrer Aussagekraft fragwürdiger Weise — anhand übrigens online (sic!) auszufüllender Fragebögen (/Medien ≈ sic!) und sich stark auf fehleranfällige Selbstbeschreibungen verlassender Angaben. Die bisherige Veröffentlichung erfolgte zudem vor Abschluss der Studie, die Erkenntnisse könnten also später noch anders ausfallen.

Sind die Ableitungen in Pressemitteilungen, durch die Beteiligten sowie nachgeordnet durch die (journalistischen und privaten) Kommentatoren wirklich in der Studie wiederzufinden?

Oben ist bereits in Bezug auf die vorliegende Studie zur »Mediensucht« der Begriff Bärendienst gefallen. Und der Eindruck verstärkt sich nun noch: Da geben die Kinder und Jugendlichen nämlich an, sie wollen Kontakte mit Freunden behalten — auch, weil im Zuge des Corona-Lockdowns Kontakte in natura aufrechtzuerhalten, nicht möglich ist/war. Die Befragten begründet ihre Nutzung diesbezüglich auch damit, Langweile vertreiben zu wollen.

Ist das gleich per se beunruhigend und gefährlich, wie DAK und die Suchtbeauftragte der Bundesregierung sinngemäß kommunizieren? So gesehen sind alles Wissenschaftler buch-, lese- oder papier-süchtig. Oder wir müssten von der »Urlaubssucht« vieler Erwachsener in Deutschland sprechen, die gegen die Gefahr eines erneuten Lockdowns unbedingt reisen müssen. Polemik, Verzeihung.

Wie oben bereits erwähnt, der Autor dieses Blog will nicht gegen Sucht argumentieren, er glaubt durchaus, dass ein Zuviel auch im Medienbereich (oder das, was meist nebulös dafür gehalten wird) in vielerlei Hinsicht problematisch ist — denn etwas kommt bei Einseitigkeit schnell zu kurz: sozial, beruflich/ökonomisch, ästhetisch … Aber die krassen und damit selbstverständlich öffentliches Gehör findenden Folgerungen können, wie bereits skizziert wurde, nicht einfach so durch die Befragungsresultate getragen werden.

Außerdem leben wir in einer Zeit, in der von vielen Leute nicht mehr an Fakten, Wissenschaft etc. geglaubt wird. Weil sie nicht zuletzt von den vielen, sich widersprechenden, sowohl institutionalisierten als auch privaten Kommunikatoren und ihren Botschaften überfordert sind und die Welt gegen jede Faktenlage als unsteter und unsicherer wahrnehmen. In Anbetracht dieses Umstandes werden nun fragwürdig überspitzte Aussagen in Form dieser Studien in die Öffentlichkeit getragen ≈ Kinder und Jugendlich zeigten Auffälligkeiten in Richtung Sucht!

Wissenschaftende wollen sich im Rahmen der Studie präsentieren und (berechtigt — S. H.) zu mehr Medienkompetenz aufrufen — das Mittel: überspitzte Ableitungen, wenige Quellen und eine anfällige Befragung im Rahmen eines laufenden Projektes. Das ist im Grunde Wasser auf die Mühlen deren, die an sich in Verschwörungen verrennen, gegen Medien wettern und von »alternativen Fakten« (»« ≈ ein Oxymoron) sprechen. Wenn man also Medienkompetenz will, dann sollte man auch bei sich selbst ansetzen — als Vorbild sozusagen.

Sicherlich ändert auch diese unkonkrete und undefinierte Studie nichts daran, dass man Medienkompetenz braucht: Ästhetisches könnte besser verarbeitet, Narration besser verstanden werden — nicht nur im Film, in Serien, Büchern, sondern auch in Bezug auf politisches Theater zum Beispiel. Soziale Kompetenzen werden gestärkt — mal das Handy weglegen im Cafe … Reflexion wird gesteigert: Was machen Medien mit mir, ich mit ihnen? Ängste werden abgebaut – früher war die Welt nicht einfacher, es wurde nur weniger über sie berichtet. Teilhabe, auch für Erwachsene, wird möglich — kooperativ mit ihren Kindern könnten sie Medien gemeinsam erforschen usw.

In der Studie wird — was Handwerkszeug, was Ableitungen und das Hauptthema angeht —medialer Wissenschaft eher geschadet, als eine breite, öffentliche Hinwendung zu praktisch-wissenschaftlicher Feldern wie Medienkompetenz zu begünstigen. Wie oben gesehen werden Klischees zu den bzw. einigen »bösen« Medien regelrecht gefördert, ein Sündenbockdenken gerade bei Älteren oder unsicheren Menschen bestätigt. Denn es bleibt die Frage, wie Medien da und dort schlecht sein können, in Form eines online, digital, als PDF veröffentlichten Reports aber bildend und aufklärend sein sollen. Das ist, aus Sicht des Autors dieses Kommentars, zu willkürlich für eine fundierte Auseinandersetzung.

Um es klar zu sagen, der Autor dieses Kommentars in Blog-Form ist nicht einfach »pro« Gaming oder Soziale Medien — auf potentielle Probleme (aber auch Vorteile) ist bereits oben verwiesen worden. Und: Gerade auch die serielle Komponente beider medialen Formen kann die Vorstellung von möglicher Sucht beflügeln. Zu Serialität lässt sich hier mehr erfahren. Serialität wurde und wird oft als trivial bewertet, ist es aber oft gar nicht und ohnehin allgegenwärtig sowie nicht auf den Flimmerkasten begrenzt: Das Lesen dieses Textes ist das Ergebnis serieller Prozesse zum Beispiel. Die untersuchten Medien sind durch automatische Weiterleitung, fortgesetzte Geschichte etc. durchaus — bewusst — darauf angelegt, dass man »dranbleibt«. Es wäre aber zu einfach, die Machart pauschal als gefährlich zu verurteilen — Dranbleiben gibt es ja auch bei wissenschaftlichen Journalen zum Beispiel. Es gilt, wie gesagt, in etwas nüchterner Weise sich damit auseinander zu setzten und eine das Serielle einschließende Kompetenz zu entwickeln. Vielleicht ist nämlich das Serielle hier ein Suchtmacher?!

Bedauerlich ist aber auch, dass viele eigentliche Profis ihres Faches diese Aussagen unhinterfragt teilen. Gemeint ist hier das Presse-Echo. Wir können hier nicht im Detail auf die Medienbranche und den Journalismus eingehen. Es ist hier keine Presseschelte angedacht — das ist ja in bestimmten Kreisen derzeit ein beliebtes Vorgehen, letztlich Ausdruck eines Sündenbock-Denkens. Der Autor möchte daher eine Lanze für sie brechen — investigativer Journalismus ist wichtig und es gibt ihn auch: Solche Medien sind unbequem und können viele Dinge positiv verändern: Die Werkverträge und Arbeitsbedingungen in Großfleischereien zum Beispiel waren ja jahrzehntelang in den jeweiligen Regionen bekannt, erst aber der durch Medien hervorgerufene, eben öffentliche Druck vermochte die Politik nun zum Handeln bewegen.

Aber die Medien-Branche leidet, der Erfahrung des Autors dieses Blogs nach, partiell unter ihrer Offenheit. Das darf nicht falsch verstanden werden: Klar, kann heute jeder mehr oder minder professionell mit Handy und Co. zum Kommunikator werden, sich ausdrücken und Meinungen teilen. Und das sollte auch nicht abgestellt werden! Aber professionelle Bereiche des Medienmachens müssen umso mehr gefördert werden — denn sie können möglichst sachlich und fundiert ordnen, filtern und Zusammenhänge erklären. Das ist wichtig angesichts der oben skizzierten, von vielen als unstet empfundenen Welt. Und dazu braucht es durchaus interdisziplinäre Personen, um die Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit der Welt abzubilden und zu analysieren. Es braucht also Journalisten mit Hintergründen aus diversen Branchen.

Allerdings führt das, der Erfahrung des Autors dieses Blogs nach, auch dazu, dass Grundlagen von Kommunikation, die bei solch professionellen Akteuren eigentlich vorauszusetzen wären, nicht vorhanden sind. Stellen Sie sich vor, warum man nicht einfach so als Arzt oder Jurist arbeiten kann. Eine partiell ähnliche Haltung sollte auch umgekehrt praktiziert werden, denn der Umgang mit radikalen Kräften einerseits, die Aufgabe professioneller Medien, zu filtern und aufzubereiten, andererseits erfordern einen gekonnten Umgang auch mit kommunikationsbezogenen Dingen und Mechanismen. Und das wiederum bedarf gezielter Ausbildung bzw. Studiengänge.

Und dazu gehört auch die Handhabung einer Studie wie die hier behandelte. So ist es zum Beispiel immer wieder überraschend, dass der aktuelle US-Präsident und sein privater Twitter-Account derart viel Gehör finden. Und seine Messages durch gemäßigte Kräfte verbreitet werden, man sich partiell zum Helfenden seiner kruden Theorien macht. Im konkreten Fall heißt das, man muss sich mit den Details des Reports auseinandersetzten, statt das Ganze einfach zu übernehmen. Und diese Überprüfung muss Teil der jeweiligen Nachricht sein.

In Bezug auf die vorliegende Studie meint dies übrigens genau eine Umkehr des gerade Geschriebenen: nämlich, dass eine interdisziplinäre Basis vielleicht für weitere Phasen der Studie sinnvoll wäre — Kommunikations- und Medienexperten einbeziehen. Dann würde vielleicht mal öfter »Computer« heißen und nicht »PC« zum Beispiel: Es gibt ja noch andere Anbieter …

Jein: Ja, es werden bisweilen krasse Schlüsse im Report — in den Statements und/bzw. der Auswertung der Umfrage — gezogen, die schlagzeilenträchtig sind und dann einfach entsprechend übernommen wurden. Nein: Die Angaben (und damit auch die Ableitungen) sind in Teilen vorläufig (als Teilergebnisse einer andauernden Studie). Die Studie zeigt, nüchtern betrachtet, nicht unbedingt katastrophale Tendenzen das Verhalten Jugendlicher betreffend, aber Tendenzen — betrachtet man die Angaben der Befragten, insbesondere angesichts der Corona-Krise und den angegebenen Anliegen, Kontakte aufrechterhalten, Langeweile abstellen zu wollen etc. Und die Studie kann durchaus als unter klischeebehafteter Vorbelastung und definitorischen Schwächen leidend betrachtet werden. Bei aller Notwendigkeit zur Medienkompetenz und angesichts eines möglicherweisen Zuviels hinsichtlich der Nutzung bestimmter Medien: Die Krise hat auch gezeigt, dass die besagten Medien die angespannte Situation für Kinder und Jugendliche vereinfacht haben. Und das muss auch anerkannt werden! Öffentlichkeitswirksam gelingt es der Studie allerdings, auch auf die Verantwortung der Eltern bzw. deren bedingte Medienkompetenz zu verweisen.

Wer hat’s veranlasst? Welche Interessen stecken vermutlich dahinter?

Es ist stets wichtig, sich in Bezug auf eine Studie zu vergegenwärtigen, wer und welche Intentionen hinter der Arbeit steckt bzw. stecken. So kommt eine Studie im Auftrag einer Gewerkschaft oder einer gewerkschaftsnahen Institution sehr wahrscheinlich zum Ergebnis, dass es Benachteiligung (der Arbeitnehmenden) gibt. Eine Studie von Arbeitgebervertretern hingegen wird sehr wahrscheinlich im Ergebnis präsentieren, wie gut es allen geht und wie wenig Arbeitgebende verdienen usw.

Das muss nicht grundsätzlich die dort gewonnenen Erkenntnisse zu völlig subjektiven machen. Das meint ebenfalls nicht, dass derartige Studien keinerlei Blick wert sind. Aber es ist nun einmal so, dass Auftragsarbeiten zumindest unter einem gewissen Druck des beauftragenden Klienten stehen. Das ist für die ausführenden Wissenschaffenden eine stete Gratwanderung. Das muss man sich und (als nachgeordneter Kommunikator) auch den Lesern bewusst machen bzw. in einer Verwertung der Studie klar angeben oder implizieren, dass dies die Erkenntnisse beeinflusst haben könnte.

Und bitte nicht die verbreitete Forderung nach Objektivität an dieser Stelle den Journalisten (oder Wissenschaffenden) gegenüber einbringen — sie ist ein theoretisches Konzept. Journalisten kann nur ein Bemühen um Sachlichkeit abverlangt werden. Warum »nur« bzw. warum ist das schon gewaltig? Denn sie sind Menschen, davon ist sich nicht zu trennen. Investigative Medien versuchen dieses partielle Unvermögen des Menschen zu kompensieren, indem sie verschiedene Positionen aufnehmen und einander gegenüberstehend präsentieren.

Zum konkreten Fall: Die DAK Gesundheit, eine Krankenkasse, ist Aufraggeber der Studie. Präsentiert wurde die Arbeit zusammen mit der Bundessuchtbeauftragten. Als Anlass für die Studie kann natürlich echte Besorgnis — als ein Grund — betrachten werden: die Sorge vor potentieller Sucht oder zumindest einem Zuviel hinsichtlich Sozialer Medien und digitalen Spielen.

Aber genau hier tritt in der Studie implizit ein wohl meist unterbewusstes Interessenfeld in Erscheinung: Der Versuch, ein Weltbild zu bestätigen, besser gesagt, den Status quo, welcher in diesem Fall vor allem auf einer gewissen Furcht vor etwas noch nicht so ganz Verstandenem beruht — eine regelrechte Serie ist dahingehende im Verlauf der Geschichte auszumachen: Schrift, Buch, Foto, Film, Fortsetzungsromane, Fernsehen, Comics, bestimmte Arten von Musik, Videospiele, das Internet, Soziale Medien, »digitale Spiele« … alles war und ist mal für Dummheit, Gewalt und sogar Formen von Sucht oder Ähnliches verantwortlich gemacht worden.

Anders gesagt: Wenn man sich mit Krankheiten beschäftigt, will man im Zuge einer Studie auch Krankheiten haben — wie gesagt dürfte das ein im Hintergrund dieser Studie mehr oder weniger mitschwingender Komplex sein. Paul Watzlawick, seines Zeichens Kommunikationsforscher, hat einmal eine Geschichte erzählt, die in gewisser Weise auch auf diesen Fall anzuwenden ist, den Sachverhalt illustriert. Seine Geschichte ist die einer Art systemischen Geschlossenheit und geht in etwa so: Ein Mann sitzt in einem Krankenhauskorridor. Zwei Angestellte einer psychologischen Abteilung erscheinen und fragen ihn, ob er es ist, der von ihnen abgeholt werden soll. Das verneint der Mann und auch die folgenden, wiederholten Fragen. Worauf sich die Mitarbeitenden nur bestätigt, immer sicherer fühlen, dass es sich um »den Kandidaten« handelt, für den sie entsandt wurden. Denn so müsse doch jemand reagieren, der nicht in die »Klapse« wolle, aber gehöre. Im vorliegenden Fall meint dies, es wird überall — in allem, was nicht ganz verstanden ist — Gefahr gesehen.

Natürlich kann Gefahr besteht — ein Zuviel, das ist bereits mehrfach gesagt worden, ist meist schlecht. Der Autor dieses Kommentars ist ebenfalls der Meinung, dass Einseitigkeit ein Problem sein kann — zu viel zu lesen oder zu viel am Computer zu spielen, kann beides in der Isolation des Zuvielmachenden münden, vielleicht auch in Sucht!

Jedenfalls: Wer nur liest, versperrt sich den ästhetischen Erfahrungen des Films. Oder erlernt sie nicht. Wer nur Sport macht, bei dem könnte der Kopf zu kurz kommen usw. Klar, es gibt letztlich persönliche Präferenzen — manch einer liest eben lieber, denn einen Film zu schauen. Im Sinne von Medienkompetenz ist es allerdings sinnvoll, möglichst viele Medien mal gestreift zu haben. Im Sinne einer Art Weltkompetenz ist es sinnvoll — um zu souveränen Individuen zu werden, sich und anderen gegenüber verantwortlich —, Medien sogar in einem weitgefassten Sinne zu begreifen: Auch das wurde oben bereits behandelt.

Ist hier ein partielles Reframing am Werk? Ein — partiell anderes — Thema wird in den Vordergrund gestellt, um von anderen Dingen abzulenken. Achtung, hier ist keine Verschwörung zu attestieren, viel zu oft geschieht dies unterbewusst und so wahrscheinlich auch in diesem Fall: Man sucht sich andere Schauplätze, weil man die alten nicht mehr ertragen kann: Die durch Corona verursachte Krise stellt zur Diskussion, ob es zum Beispiel an schulischer Online-Ergänzungen und -Kuratierung fehlt und wie oder ob staatliche Institutionen mit mehr oder minder ausgeprägten Onlineoptionen auf die Krise reagieren. Jetzt sind es ausgerechnet aus diesem Feld stammende Dinge, die Jugendliche bisweilen süchtig machten? »Gut, dass bald alles wieder wie früher ist …«

Ganz böswillig möchte man gar behauptet, dass hier auf Kosten potentieller Gefahren ein neues Geschäftsmodell in Form einer Krankheit erschlossen werden soll, zumindest nach Aufmerksamkeit für eine im Gesundheitssektor operierende Unternehmung auf diesem Wege gegiert wird. Der Aufhänger: die Corona-Pandemie, um durch sie mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen. Die DAK möchte sich mehr oder weniger deutlich in dieser PR-Maßnahme als Versicherer präsentieren, der sich für seine Kunden und die Gesellschaft, auch mit eigener Forschung, einsetzt. Insbesondere im Statement der Vorstandvorsitzenden wird dies offenbar. Dafür spricht zudem, dass der Report zur Studie redaktionell (zumindest im Impressum der Report-PDF) von der PR-Abteilung betreut wurde und dass es sich um Teilergebnisse handelt; dagegen, dass die Studie schon 2019 ihre Anfänge genommen hat.

Neutrale — gemeinnützige — Intentionen sind sicherlich vorhanden: jungen Menschen ein gesundes Erwachsenwerden zu ermöglichen, auch Erwachsene auf ihre Defizite Medienkompetenz betreffend aufmerksam zu machen. Diese Absichten werden aber getrübt durch den Umstand, dass es sich in mancher Hinsicht bei der Studie um PR und eine Selbstdarstellung einer Krankenkasse handelt. Und (wie gesagt) methodische Mängel sowie überspitze Schlussfolgerungen lassen sich in der Studie ausmachen. Sie bedient klischeehaftes Denken, statt wirklich Medienkompetenz »schmackhaft« zu machen.

Ad Letzt

Insgesamt müssen die Schlussfolgerung aus der Studie als überdramatisiert beschrieben werden — die Teilveröffentlichung einer fortwährenden Studie, nach der ersten Corona-Welle, könnte eben auch zeigen, dass junge Menschen ihre Isolation und die ungewohnte/unbekannte Situation u. a. mit den im Fokus stehenden Medien zw. »erfolgreich kompensiert« und »ggf. übermäßig genutzt« bisher gemeistert haben. Der Zeitpunkt dieser Teilveröffentlichung trägt über dies den faden Beigeschmack von Effekthascherei und einer PR-Maßnahme.

Die Studie ist — mindestens methodisch, die Befragung betreffend etc. — ausbaufähig. Die ausbleibende Definition der beiden im Fokus stehenden Medien — »Soziale Medien« und »digitales Spielen« — ist ein Fehler: Es entsteht der Eindruck, die Auswahl dieser Medien und die Prämisse der Studie ist willkürlich oder fußt — wohlwollend — auf vorgefassten Meinungen: »Was man nicht kennt, wird als Gefahr markiert.« Den wie unterscheiden sich den diese Medien von anderen? Muss dann nicht auch das Buch genauso süchtig machend betrachtet werden, gar der Report zur Studie selbst?

Natürlich kann, aber muss das nicht sein: also eine Gefahr durch etwas bzw. die Nutzung eines Mediums. Der Autor dieses Kommentars — selbst im Medienbereich auch wissenschaftlich tätig — kann gerade das Thema Sucht betreffend und insbesondere in Bezug auf Medien nur folgende Grundregeln allen Beteiligten — sowohl was Nutzer jeden Alters, Wissenschaffende, Kommentierende als auch den Diskurs selbst angeht — ans Herz legen: Ein einseitiges Zuviel ist immer schlecht. Vorlieben sollten von Reflexion und einem Streifzug durch alle Medien, ein regelmäßiges Training — in Theorie und Praxis — begleitet werden.

Durch die in die Studie hineinwirkenden Vorbehalte werden quasi generationsartige Konflikt betont — Junge gegen Alt, »Dieses neue Zeug!«. Insbesondere, indem das Ungreifbare nun auch noch mit einer Krankheit assoziiert zu werden droht. Das alles hilft — bei aller möglichen echten Sorge — nicht, die, auch aus Sicht des Autors dieses Kommentars, große Notwendigkeit nach mehr Medien-, gar Weltkompetenz zu fördern. Denn so wird der Schauplatz der Diskussion verändert — Richtung einer Diskussion über Krankheiten. Obschon es tatsächlich an grundlegender Medienkompetenz fehlt.

Auch die jetzige junge Elterngeneration betreffend: Diese soll zwar (so empfiehlt die Studie) — man könnte sagen, »Wer sonst?« — mit konkreten Regeln gegenhalten (gegen eine Suchtgefahr), ist aber doch selbst bei Spaziergängen, im Restaurant, am Arbeitsplatz, im Park und Kino nicht ohne Gerät in der Hand unterwegs. Sie wird kaum, auch mit soliden Angeboten zur Medienkompetenz zu erreichen sein. Das hängt mit dem Habitus des Erwachsenseins zusammen (Man fühlt sich abgeklärt), aber auch mit dem allgemein nebulösen Medienverständnis: »Kommunizieren kann jeder, ist wie zu atmen!« Dann kann auch jeder Arzt oder Jurist werden, könnte trotzig entgegengehalten werden. Aber klar, ohne Kommunikation und Medien geht nichts und jeder kann es auch, aber noch lange nicht professional und reflektierend.

Ausgehend von schrecklichen Überschriften zur medialen Sucht, ausgehend von dieser Studie, wird — elternseitig — womöglich — egal, wie stark Medien tatsächlich genutzt werden — reflexartig noch mehr »gegen Medien« argumentiert werden. Die Verbote der Kindheit und ihr Sinn oder dessen Ausbleiben, sind schnell vergessen. Da schließt sich ein Kreis — der Begriff bleibt diffus und von Generation zu Generation geht es weiter: Mittdreißiger wissen noch, das Computerspiel Half Life war bei Erscheinen indiziert und dennoch oder gerade deswegen haben es beinahe alle (damals noch vornehmlich Jungen) gespielt. Das Verbot machte zusätzlich attraktiv. (Heute gilt das Spiel übrigens als eine Art Meilenstein.) Das zwar auch in der Studie geforderte »Interesse zeigen« für die Welt der Jugendlichen wird von der Suchtgefahr und Verboten — erneut — überschattet werden, befürchtet der Autor dieses Kommentars.

Möglicherweise wird hier sogar noch eine fatale Steigerung begünstigt: Mögen die Medien dann — über Soziale Medien und »digitale« Spiele hinaus und abseits des Buch-Habitus — für Kinder und Jugendliche zur Gefahr erklärt werden, werden die Erwachsene, sich fatalerweise auf ihre Reife verlassend, selbe Medien weiterhin nutzen. Das weckst weitere Sehnsüchte und Ungleichheiten … dann wird es bald wirklich wie andere legale Suchtmittel gehandhabt.

Die Geschwindigkeit von Entwicklungen in unserer Zeit und die noch nicht ausgestandene Corona-Krise haben es längst nötig gemacht, über eine Gestaltung der Zukunft nachzudenken. Das heißt auch, über eine Art Kultur Mediales betreffend nachzudenken, statt sich in Sündenböcke hineinzusteigern.

Das wären die Stufen für solch einen Prozess:

  1. Basis: Theorie ≈ Was sind Medien? Was machen Medien mit uns und wir mit ihnen?
  2. Praktische Basis: Wie entsteht und wirkt zum Beispiel ein Film … wie gelingt Typografie? Tippen lernen, Gestaltungsgrundlagen etc.
  3. Praxis I — Verhaltensweisen: Handy unterwegs mit den Kindern mal weglegen oder umgekehrt mit den Kindern mal zocken, um ihre Welt zu erkunden.
  4. Praxis II — Vertiefung: Wie weit dürfen In-Game-Ökonomien gehen? …
  5. Zukunftsvertrag: Wollen wir eine Kultur des Striptease und der Bewertung oder ein freiheitliches, aber soziales, eine souverän-gebildete Welt … ?

Diesbezüglich und wie gesagt leistet die Studie einen Bärendienst. Medienkompetenz wird in der vorliegenden Studie zwar gefordert, aber das Bewusstsein dafür mit ebenso bisweilen fragwürdigen, sich zweifellos (leider — S. H.) immer mehr als üblich erweisenden Mitteln— mit Provokationen nämlich — zu erreichen versucht. Medienkompetenz scheint damit die Sache der anderen zu sein.

Wäre Medienkompetenz vorhanden, würden sich zum Beispiel nicht typografische Fehler im Report finden lassen (falsche einfache Anführungszeichen, keine Leerzeichen vor Einheiten usw.); würde nicht eine Serie von Aburteilungen fortgesetzt (Schrift – Film — TV — Internet …). Und wüsste man mehr von Serialität, die ja ebenfalls oft als trivial abgewertet wird, könnte man das Wissen über sie nutzen, um über die serielle Anziehungskraft der untersuchten und auch anderer Medien zu sprechen. Das alles, so glaubt der Autor dieses Blogs, könnte mit einem Fach »Kommunikation« in Schulen, im Studium und als Erwachsenenbildung verbessert werden. Solch einer fundierten Vermittlung nähert man sich mit der hier behandelten Studie nicht. Schade.