Lichtgestaltung: Ein Beispiel für die Fusion von Exterior- und Interior-Design

LED-Leisten und Eyecatcher — die (Tür-)Schwelle als Kommunikationsmedium

Medien und Kommunikation sind nicht nur bei den „üblichen Verdächtigen“ zu finden: Beides sind nicht nur Filme, Bücher, soziale Medien … Kommunikation und Medien sind überall, um uns, von uns genutzt, wir in ihnen: der Supermarkt, die Bushaltestelle, das Büro, der Sportplatz etc. All diese Bereiche haben distinkte Regeln oder bieten umgekehrt bestimmte Angebote an den sie Betretenden. Sie dienen bisweilen als Prothesen („Gedächtnisauslagerung“ ≈ Bibliothek, ganz einfach: ein Notizblatt) oder mindestens als Orthesen (Smartphone + Augmented Reality oder schlicht ein Werkzeug) usw.

Die Räume ums uns herum, von uns gestaltet, von anderen konzipiert sind also Medien: Sie üben Einfluss auf uns aus, können von uns mehr oder mindert ko-kreiert werden — etwa die persönliche Einrichtung in der Wohnung, der individuelle Hausbau oder die politische/demokratische Einflussnahme auf einen bestimmten Raum ≈ einen Park im öffentlichen Raum zum Beispiel. Da wird Persönlichkeit(en) Ausdruck verliehen ≈ vom Label „Kulturstadt“ bis zum Fanposter an der Tapete im eigenen Zimmer etc. Parks dienen der Erholung, historisch bedingt auch als Repräsentation von Macht, der Verbundenheit mit der Natur, ihrer Romantisierung; Trabantenstädte zum Beispiel tendieren — in Form sogenannter „Wohnsilos“, einer uniformen, oft »seelenlosen« Architektur — zur Anonymität, gar zum sozialen Brennpunkt usw.

Das alles ist augenscheinlich das Feld von Kulturmanagement, Architekten, Innenausstattern, bisweilen Stadträten usw. Doch dabei — sowohl bei der Konzeption als auch der Ausführung — war es (angesichts etwaiger gescheiterter Siedlungsvorhaben) und wird es immer mehr notwendig, Brücken zwischen verschiedenen (Design-)Disziplinen zu bauen respektive Gräben zwischen klassischen Rollenverständnissen (nicht spezifisch qualifizierte Politiker und ihrer Arbeit im Resort) zu überbrücken: Denn im Anbetracht zahlreicher (/wachsender), mehr oder minder gelungener Massen kommunikativer Werke ist es wichtig, Design ganzheitlich(er) zu betrachten, damit „es“ (und damit in stets untrennbarer Personalunion auch sein Inhalt) noch „ankommt“. Nicht umsonst generieren große (Fußball-)Vereine, Konzerne sowie Franchises Vertrautheit, Verlässlichkeit und Wiedererkennung in allen Medien — eben nicht nur bei den „üblichen Verdächtigen“: von Emails, Fernsehspots, Webseiten, Visitenkarten über Stores bis hin zu ganzen Gebäuden etc. Als Designer bzw. für jeden Desinger (auch abseits ein eventuelle Spezialisierung) ist es daher notwendig, auch diese architektonischen, jenseits eines klassischen Medienverständnisses liegenden, kommunikativen Facetten zu betrachten/sich mit ihnen vertraut zu machen.

Was hat das nun mit einem einzelnen Haus und dessen Innenraum zu tun? Nichts und doch alles: Es nämliche nicht nur um kommerzielle Interessen — wie mit den eventuellen Brennpunkten angedeutet. Vielmehr geht es um Individualität gegenüber Kataloglösungen — selbst initiiert oder durch einen Profi unterstützt. Wichtiger: Es geht um eine Geschichte, die Sie sich in einer immer schon, nun aber (im Zuge des vom Autor dieses Blogs als streitbar zu betrachtenden, aber nun einmal verbreiteten Begriffs „Digitalisierung“) besonders deutlich werdenden, und zwar kommunikativen Welt selbst, aber auch Ihren Freunden/Ihre Kunden gegenüber erzählen wollen — um „etwas“ (dazu gleich mehr) zu vermitteln oder zu zeigen, dass Ihnen Ihr Gegenüber, kommunivate Details und ein kommunikativ seriöser Umgang wichtig sind. Vielleicht auch nach der Devise, „wo das eine nicht sitzt, stimmt auch das andere nicht …“.

Daher nun ein Bespiel, in welchen Innen- und Außendesign für den inneren und wiederrum äußeren Eingangsbereich eines Einfamilienhauses zusammengedacht werden — zunächst zur Außenseite:

Diese bzw. der Außenbereich bzw. jener Bereich vor der Eingangstür zum Haus (≈ ähnlich einem Empfangsbereich) wird durch eine LED-Leiste markiert — die Pflasterung von der Kiesauffahrt unterschieden. Das hat zunächst eine Orientierungskomponente — „Bis hierhin kann gefahren werden!“, „Hier geht’s rein!“. Dann: Der Vorplatz hat nahezu eine quadratische Fläche, auf dem sich — als kreisrunder Hingucker — ein übergroßer Topf mit einem japanischen Ahorn befindet. Diese Pflanze ist für ihre eindrucksvolle Verfärbung über das Jahr hinweg bekannt — ein saisonaler Erzählfaktor, der einen eventuellen zusätzlichen Dekorationsaufwand minimieren könnte. Der Ahorn ist dramatisiert bzw. besagtes Blattwerk betonend von unten beleuchtet — um über die Bodenleiste, welche erst in der Annäherung an das Haus sichtbar wird, hinaus, eine Markierung des Eingangsbereichs aus „der Ferne“/in Dunkelheit vorzunehmen.

Hier ist also eine erste räumliche Erzählung am Werke — zunächst in der Annäherung an das Wohnhaus, eine „Steigerung“ der Beleuchtung analog zum „Ziel Eingang“. Beide Formen (Topf ≈ Kreis und Fläche ≈ Quadrat) gelten klassischerweise als ideal — als Gegensatz zueinander und doch im Einklang nicht nur jeweils für sich/mit sich selbst, sondern miteinander — ein Spannung und Harmonie erzeugendes Moment.

Diese Fusion bzw. spannende Differenz wird sogar verdoppelt: Denn im Eingangsbereich/im Flur/in der Diele — im Inneren des Hauses also — wird diese Formsprache erneut aufgegriffen oder je nach Perspektive: im Außen das Innere … Im Inneren sind nämlich ein zentraler Tisch und wiederrum ein Eyecatcher (Blumenarrangements etc.) zu finden. Ebenso ist eine indirekte Beleuchtungsmaßnahme vorgesehen, welche die LED-Leiste im äußeren Bereich repräsentiert (bzw. die äußere spiegelt die innere Leiste). Dieses Ambientlicht an der Treppe fungiert zudem als Nachtlicht des Raums.

Das Konzept hinter diesem Design — das „Etwas“: Der transitorische Bereich — die Schwelle zwischen dem Außen und Innen, zw. „vor dem Haus“ und „im Haus“/zw. der Welt und einer Welt — soll zelebriert werden: Ihnen selbst sowie Ihren Besuchern gegenüber. Es handelt sich um zwei getrennte und doch verbundene Sphären — beides kann nicht ohne einander, beides repräsentiert Knotenpunkte: außen ≈ der Weg zum Auto, zum Fahrrad, zum Vorgarten, zur Straße — weitergedacht zur Arbeit, zum Urlaub, ins „Abenteuer“; innen ≈ die Treppe nach oben, alle weiteren Räume des Erdgeschoßes — Rückzugpunkt, Privatspähre, Wohnraum, Partyraum, Gästezimmer, „Welcome“. Beide Räume markieren den Übergang zueinander und gleichsam verleihen sie dem Ankommen oder Verlassen etwas Fließendes: Besucher bzw. Familienmitglieder sind also durch diesen Übergang, diese Spiegelung des Äußeren im Inneren, des Inneren im Äußeren willkommen. Und umgekehrt: Die Abreise (von Zuhause) wird in der Spiegelung mit Wehmut, aber auch mit Zuversicht inszeniert: „Die Welt ist nicht zu fürchten!“ „Und wenn es woanders hingeht, dann kannst Du Dir sicher sein, hier bist Du willkommen/zuhause!“ Diese beiden Messages werden nicht nur visuell, sondern insbesondere — der hier zelebrierten Schwelle entsprechend — in der Bewegung erfahren, dem Gang durch beide Räume: Das ist also das zweite räumliche Narrativ in diesem Designprojekt.

Viele Spaß bei ähnlichen Projekten!

 

Anmerkung zur Realisierung — Produktionsnotizen:

Die LED-Leiste im Inneren sowie der Tisch sind insgesamt mit ca. 150 Euro zu beziffern. Der äußere Eyecatcher Topf und Baum sind je Anbieter bei 500 Euro (Topf) und 300—500 Euro (Ahorn) anzusiedeln. Die Materialkosten der äußeren Lichtleiste (wasserdichter LED-Streifen, belastbares, ggf. befahrbares Alu-Profil, Unterlage zur Dränage, Kabel etc.) betrugen ca. 400 Euro — ohne die Eigenleistung bzw. Arbeitszeit eingerechnet zu haben. Die Vorbereitung und Installation der Leiste (Boden, ggf. Steine zuschneiden, Einkleben der LED ins Profil, wasserdichte Versiegeln der Leiste, Verlegen der Kabel, Einbetonieren der Leiste) sollten Sie mit vier bis sechs Stunden kalkulieren. Das Anlegen des Vorplatzes (vorher nur als Weg halb so breit) kann bei Bedarf und Erfahurng sowie je nach Aufwand (etwaige Erdarbeiten) sicherlich auch in Eigenleistung erledigt werden …

Trotz der Bereitschaft, dieses Projekt durch weithin im Großraum Oldenburg bekannte Fachbetriebe für Lichtinstallation und -Design realisieren zu lassen, scheiterte eine solche Umsetzung an der dortigen Haltung oder den vorgebrachten Konditionen: Zum einen sah man sich als Kunde seitens des zuerst angefragten Betriebs mit einer offenbaren Unlust konfrontiert, derartiges zu realisieren. Womöglich auch, weil man sich, wie schnell klar wurde, an etwas Ähnlichem noch nicht versucht hatte. Dieser Unwillen wurde mit bereits damals und jetzt (im Nachgang) erst recht fragwürdigen Argumenten zu begründen versucht —— Gedächtnisprotokoll: „So einen wasserdichten LED-Schlauch haben wir nicht vorrätig, müssten wir also bestellen. Zudem müsste die Leiste ja ganz dicht sein, damit etwa keine Ameisen und kein Wasser eindringen können … ob das klappt? Außerdem würde man ja geblendet werden, die Bodenleuchte würde die Sicht minimieren. Da würden wir Ihnen gerne andere Beleuchtungslösungen anbieten!“

Es versteht sich von selbst, dass sich spätestens nun (über den offenbaren Unwillen, die vorgelegten Skizzen in Betracht zu ziehen hinaus), nach mehr als einem Jahr des Betriebs (von sechs Stunden pro Tage), die genannten Behauptungen als vorgeschoben entlarvt haben. Bei Frost, Schnee, Regen sowie Temperaturen über 30° C erfüllte bzw. erfüllt die Leiste ihren Dienst; gestolpert ist niemand — sogar der entgegengesetzte Effekt wurde erreicht; auch Trübungen, Verfärbungen oder tierische Reste haben sich, trotz einer durchaus grünen und belebten Umgebung oder gewaltiger Schauer, nicht eingestellt. Wie oben bereits erwähnt, ist das Ziel solcher Leuchtelemente ohne nicht, im Sinne einer Schreibtischlampe zu illuminieren, sondern die Leiste ist als Akzent- oder Ambientbeleuchtung zu werten, welche einen, über „bloße“ Lichtgebung hinausgehenden, kommunikativen Wert besitzt.

Ohnehin bzw. allgemein überrasch(t)en die Aussagen des ersten angefragten Betriebs, da doch in zahlreichen Städten — etwa von mir in Köln oder in Rom beobachtet — derartige Designelemente im öffentlichen Raum seit langem verbreitet sind. Im Übrigen werden damit nicht nur Stufen gekennzeichnet oder Wege gedeutet, sondern die historische Bausubstanz wird wunderbar akzentuiert, diese Komplexe bisweilen sogar spannend inszeniert: Vergangenheit und Gegenwart werden durch diese Maßnahme bisweilen anschaulich miteinander verbunden. Derartige LED-Systeme im Boden erweisen sich darüber hinaus offensichtlich als robust, da sie an besagten Standorten offenbar mit LKWs befahren werden und Besucherströmen standhalten müssen.

Der zweite angefragte Kandidat im Raum Oldenburg war aufgeschlossener, bereit, dieses Vorhaben zu realisieren — auch mit der Aussicht gereizt, das fertige Projekt als fotografische Referenz zu nutzen. Ehrlich (aber wiederrum überraschend) gab man an, derartiges noch nicht umgesetzt zu haben. Unschön wurde es dann aber, als sich das daraus resultierende „Experiment“ — zu dem es, wie gesagt, zahlreiche realisierte Beispiele andernorts gibt, sich sogar schon nach kurzer Google-Recherche Lieferanten etwaiger Profil finden lassen — im Kostenvoranschlag spiegelte. Trotz des Hinweises beim Orttermin, keine Erd- oder Pflasterarbeiten durchführen zu wollen/zu können, auch die Steine (Zuschnitt für Leiste) nicht zu bearbeiten, wurde allein die Präparierung, die Versiegelung der Leiste und deren Einsetzen durch zwei Personen (Meister und Geselle) mit acht Stunden berechnet. Es waren also im Grunde 16 Arbeitsstunden vorgesehen — wodurch mehr als 1000 Euro alleine an Arbeitszeit zu erwarten gewesen wären. Angesichts des schließlich selbst aufgebrachten Zeitvolumens, ist dieses Angebot als nicht überzeugend zu werten.