Designwettbewerbe, die konkrete Designs für eine gemeinnützige bis kommerzielle Nutzung einfordern — zw. Ausnutzung von Designenden und einem Gewinn für alle Beteiligten

Schon zu Beginn seines Studiums (2006) wurde der Autor dieses Blogs gewarnt — sinngemäß: »Nehmen Sie nicht oder wenn dann nur nach genauer Abwägung an Designwettbewerben von Organisationen, Institutionen oder Unternehmen teil, die das Designresultat, also Ihre Arbeit, für sich selbst und dann mehr oder minder kommerziell oder langfristig zur Außenwahrnehmung nutzen wollen.«

Im Folgenden sind also nicht renommierte Designwettbewerbe — Awards — gemeint. Denn diese fungieren als Plattformen, deren Label Sie, als eventueller Gewinner, schließlich für Ihre Eigenwerbung nutzen können bzw. Sie werden ggf. sogar von der Auszeichnung profitieren. Solche Wettbewerbe betonen in den Teilnahmebedingungen zudem explizit, dass die Rechte am jeweiligen Design definitiv beim Einreichenden bzw. genauer beim Kreativen verbleiben. Derlei Wettbewerbe erfordern natürlich kein spezifisches Design, sondern es werden meist realisierte Designs (für Ihre Kunden zum Beispiel) nach etwaigen Kategorien (unterteilt in bestimmte Medien etwa) von einer unabhängigen Jury bewertet.

Bei den hier, in diesem Blog-Eintrag, thematisierten Wettbewerben hingegen, also jenen, die von Ihnen etwas spezifisch Gestaltetes für sich und ihre Unternehmung einfordern, stehen meist, versteckt im Kleingedruckten, Forderungen wie die »Abtretung sämtlicher Rechte« an den eingereichten Entwürfen sowie am finalen, (vom ausschreibenden Unternehmen) ausgewählten und womöglich genutzten Werk. Manchmal ist das Ganze auch recht offenkundig und unverblümt positioniert: Erst neulich konnte in Oldenburg, in der örtliche Lokalzeitung ein entsprechendes Anliegen eines Vereins inklusive einer ähnlichen »Klausel« gefunden werden. Was zunächst auf Seiten der Zeitung/des Autors des Artikels nach einer eher unbedarften Hilfeleistung für einen besonders fragwürdigen Teil einer immer noch verbreiteten Umsonstkultur wirkte (wovon Zeitungen ja selbst betroffen sind), wurde dann aber durchaus geschickt kommentiert: Ein Umwelt-Verein »möchte sich ein Logo schenken lassen« wurde dem Großteil des Artikels durchaus süffisant vorangestellt.

Dieser Wunsch hat natürlich mehrere Ebenen: Zunächst können nur Nutzungsrechte abgetreten werden, das Urheberrecht verbleibt unumstößlich beim Kreativen. Es zeigt sich somit eine gewisse Grenze hinsichtlich der Kompetenz im Umgang mit Medien und konkreten Designprodukten — was wiederum ein Grund mehr ist, im Sinne dieses Blogs, ein besseres Medienverständnis zu fördern. Auch weil — zweitens — damit eine gewisse Haltung gegenüber Gestaltern offenbar wird. Ein ebenfalls mehrfach hier im Blog behandelter Aspekt, der durchaus — eben auf Grund der aus Sicht des Autors dieses Blogs großen Verbreitung dieser Haltung — noch einmal Nennung finden muss: Denn auch solche Vereine werden regelmäßig von Menschen geprägt, die selbstverständlich für ihre Tätigkeiten eine angemessene Entlohnung fordern. Das Design soll aber nun umsonst sein, richtig?

Hier darf natürlich nicht pauschalisiert werden: Es muss auf die vielen Menschen verwiesen werden, die manchmal selbst in einer unglücklichen (finanziellen …) Lage, anderen helfen — in Vereinen/im Ehrenamt. Und andere Vereinsmitglieder, die hoffentlich in deren Sinne gut entlohnt werden, leisten in ihren Vereinen natürlich meist unentgeltlich äußerst wichtige Arbeit. Bitte verstehen Sie all das also nicht falsch, es geht hier um eine Symptomatik. Wenn Sie sich als Gestalter also entscheiden, quasi eine Spende in Form eines Designs einreichen zu wollen, ist das nicht verwerflich oder dumm! Ganz im Gegenteil: Denn (finanzielle) Mittel sind in Vereinen regelmäßig beschränkt — ggf. bedarf es Spenden wie der besagten.

Also durchaus verständlich, sich aus Perspektive eines Vereins vielleicht grafische/audiovisuelle Unterstützung zu erhoffen. Viele Institutionen kooperieren aus den genannten Gründen mit Design- und/oder Kunsthochschulen, um Studierende die Chance zu bieten, ihre Arbeiten realisiert zu sehen und dabei selbst natürlich kostengünstig/-los an nutzbare Ergebnisse zu gelangen. Das kann also eine Win-Win-Situation sein.

Dabei handelt es sich oft um bestimmte Projekte oder Veranstaltungen, die dann ein spezifisches Design erfordern, welches für die Veranstaltung eines bestimmten Jahres und dann langfristige meist »nur« im Archiv Verwendung findet. Die Designenden werden dann explizit genannt und Ihnen ggf. sogar im Rahmen einer Veranstaltung gedankt. Und klar, manchmal werden auf ähnliche Weise auch Corporate Designs für kommerzielle Unternehmen durch die angehenden Designer erstellt, welche dann nicht entlohnt werden: Manchmal — das Folgende unter Umständen als Ausgleich interpretierend—, weil die Arbeit (der Ansprechpartner im Unternehmen) mit noch unerfahrenen Studierenden nicht immer ganz einfach ist und manchmal (darauf liegt die Betonung, denn die oft berufserfahrenen Betreuer gerade an Fachhochschulen achten in der Regel auf ein hohe Qualität), weil die Ergebnisse nicht ganz etwaigen Vorstellung entsprechen. Diesbezüglich gibt es allerdings auch immer wieder im Falle von renommierten Agentur und deren Arbeiten Konflikte, also zw. ihnen und deren Kunden — warum das so ist, steht dann durchaus, abseits einer Qualitätsfrage, auf einem anderen Blatt.

Jedenfalls ist diese an einer Hochschule erfolgende Zusammenarbeit auch im skizzierten, und zwar betreuten bzw. angeleiteten Prozess noch Unerfahrener fragwürdig, und zwar im eingangs beschriebenen Sinne, weil die partielle Umsonstkultur der Branche bereits in Ausbildung und Studium kanalisiert und manifestiert wird. Aber (oder in diesem Sinne) die im skizzierten Beispiel (der Ausschreibung) mitgeführte Selbstverständlichkeit — auch bezüglich der sogenannten Rechteabtretung — zeugt geradezu von einer fragwürdigen Auffassung, was kommunikative Arbeit angeht: Überspitzt und kondensiert könnte man meinen, es werde beinahe gesagt: »Dafür ist doch keine Gegenleistung notwendig!« Und vielleicht wird entsprechendes eben nicht nur im konkreten Fall — weil eben Budget begrenzt sind — gesagt, sondern ist gar Ausdruck besagter allgemeiner Haltung …

Aber richtig, solch ein Wettbewerb zielt natürlich nicht nur auf eine konkrete Leistung ab, sondern auch darauf, Aufmerksamkeit zu generieren — im Rahmen des Zeitungsartikels zu erst einmal. Dann — mit dem Zusatz, dass es sich um einen offenen Wettbewerb für alle Alters- und Professionsgruppen handelte — könnte noch ein pädagogisches Interesse vermutet werden. Also insgesamt soll sicherlich mit einer breiten Ausschreibung Aufmerksamkeit auf das Themen- oder Tätigkeitsfeld des Vereins gezogen werden.

Nichtsdestotrotz sollte versucht werden/es sollte zumindest regelmäßiger ein Bemühen sichtbar werden, eine konkrete Gegenleistung gerade jungen und angehenden Designer gegenüber anzubieten — und zwar bereits in einer Ausschreibung. Einfach nur stetig anzudeuten, »Deine Arbeit wird ja endlich genutzt!«. Oder noch süffisanter, »Du kannst die dann ja in Deine Mappe aufnehmen«, reicht, aus Sicht des Autors dieses Blogs, nicht in jedem Fall aus. Insbesondere, weil die Arbeitsleistung Designender nicht der Arbeit anderen Berufsgruppen nachsteht.

Derartiges ist natürlich nicht im eingangs zitierten Artikel gesagt worden, entsprechendes ist auch nicht an anderer Stelle von etwaigen Personen des Vereins behauptet worden, noch sind für den Ihnen vorliegenden Blog-Eintrag die Verantwortlichen des exemplarisch angerissenen Wettbewerbs überhaupt kontaktiert worden. Es geht hier um eine grundsätzliche Beobachtung — daher sind auch keine konkreten Namen genutzt worden. Das Beispiel ist vielmehr die Inspiration für diese kurze Anmerkung.

In einer Gemeinschaft/Gesellschaft — die, wie dieser Blog stetig herauszuarbeiten versucht, mehr denn je offenbar ein kommunikatives Konstrukt ist und immer schon gewesen ist — müssen im Sinne von Gerechtigkeit auch Gestalter der Kommunikation honoriert werden: etwa mit einem kleinen Betrag, in jedem Fall mit einer garantierten und dauerhaften Nennung in der Selbstbeschreibung auf der Internetseite oder im Impressum etwaigen Printwerke. So kann die Arbeitsleistung mit der Möglichkeit zur Eigenwerbung (über die eigenen Mappe hinaus) zumindest etwas kompensiert werden.

Zudem muss die pauschale Abtretung der Nutzungsrechte von nicht-verwendeten Logos überdacht werden — insbesondere, wenn es sich nicht um einen gemeinnützigen Verein handelt, sondern um ein kommerzielles Unternehmen, welches den Wettbewerb veranstaltet. Das Ansinnen solcher Formulierungen ist sicherlich, dass die eigens für eine Institution entwickelten Designs, wenn auch abgelehnt, nicht andernorts auftauchen. Gewiss aus unternehmerischer Perspektive verständlich. Damit aber sitzt der Ausschreibende auf einer potentielle Menge von Ideen, die vielleicht doch einmal für andere Maßnahmen oder im Zusammenhang mit anderen Designtrends herausgeholt werden können — womöglich gar, ohne dass es die Kreativen erfahren.

Also angehende und Hobby-Designer, insbesondere tatsächliche Designer, überlegt es Euch gut!